Österreich: Neue Bestimmung für Hitlers Geburtshaus – Braunauer kritisch
Das Geburtshaus von Nazi-Diktator Adolf Hitler in Braunau am Inn in einer Aufnahme von Mai 2024. Im Hintergrund ist ein Baukran zu sehen. Das Haus wird umgebaut. Am 22. Juli ist die Polizei eingezogen.
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Braunau könnte eine recht hübsch anzusehende Kleinstadt (knapp 18.000 Einwohner) im österreichischen Innviertel sein, wenn es da nicht diese Person gäbe, die am 20. April 1889 in einem Bürgerhaus mit der Adresse Salzburger Vorstadt 15 geboren wurde. „Als glückliche Bestimmung gilt es mir heute, dass das Schicksal mir zum Geburtsort gerade Braunau am Inn zuwies“, schrieb Adolf Hitler gleich im ersten Kapitel seines Machwerks „Mein Kampf“. Bürde und Schicksal zugleich ist es für alle Braunauerinnen und Braunauer, dass der Name ihrer Stadt wohl auf immer mit einem der schlimmsten Verbrecher der Menschheitsgeschichte verbunden bleiben wird.
Nazis wollten das Hitlerhaus vor Kriegsende sprengen
Wie umgehen mit diesem Makel, wie mit diesem Haus, in dem Hitler und seine Eltern gerade einmal drei Jahre lebten, bevor die Familie 1892 ins nahe Passau in Bayern umzog? Das Gebäude hat eine wechselvolle Geschichte. Nach dem „Anschluss“ Österreichs 1938 wurde das Hitlerhaus propagandistisch ausgeschlachtet. Als kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 amerikanische Truppen anrückten, wollten die Nazis das Haus sprengen. Das Vorhaben konnte kurz vor der Ausführung verhindert werden. Das Haus drohte zur Pilgerstätte für alte und neue Nazis zu werden, weshalb es 1972 das österreichische Innenministerium anmietete. In der Folge waren unter anderem die Stadtbibliothek, eine Schule und eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung in dem Haus mit dunkler Vergangenheit untergebracht.
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Danach stand das Hitlerhaus lange leer. 2017 ging es schließlich in den Besitz des österreichischen Staates über. Die Eigentümerin, eine ältere Frau, wurde enteignet und erhielt als Entschädigung 812.000 Euro. Man setzte eine Expertenkommission ein, die eine behördlich-administrative Nutzung empfahl. Im Herbst 2023 wurde damit begonnen, das Haus für 20 Millionen Euro umzubauen. Das beauftragte Architekturbüro orientierte sich dabei daran, wie das Haus im 17. Jahrhundert ausgesehen haben dürfte.
Nicht jeder in Braunau sieht die neue Nutzung des Hauses positiv
Das Innenministerium hatte schon im November 2019 entschieden, dass das Bezirkspolizeikommando und die Polizeiinspektion Braunau in das umgebaute Haus einziehen sollen. Am Mittwoch war es nun so weit. Nun werde das Haus „zu einem Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, der Freiheit und der Menschenwürde“, sagte Österreichs Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) zur Eröffnung.

In Braunau gehen die Diskussionen derweil weiter. Mit der Lösung ist nicht jeder einverstanden. Ludwig Laher, Mitglied des Mauthausen-Komitees Österreich, das Holocaust-Opfer vertritt, sagte der Nachrichtenagentur AFP: „Eine Polizeistation ist deshalb problematisch, weil die Polizei in jedem politischen System das, was der Staat will, zu schützen hat. Widerstand innerhalb der Polizei ist ein seltenes Phänomen.“ Andere Braunauerinnen und Braunauer kritisieren, das Haus werde durch die neue Nutzung zu einem unzugänglichen Ort oder bemängeln eine fehlende geschichtliche Aufarbeitung.
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Wieder andere hätten es wohl am liebsten, wenn nach dem Umbau nichts mehr an Hitler erinnern würde. Das Haus solle „neutralisiert“ werden, heißt es. Ganz klappen wird das wohl nie. Vor dem Haus mahnt ein schmuckloser Gedenkstein an die Opfer während der Zeit der Nazi-Herrschaft. Die Inschrift ist ebenso schlicht wie aussagekräftig. „Für Frieden, Freiheit und Demokratie. Nie wieder Faschismus. Millionen Tote mahnen.“
tok