Nicht zu hoch: Das ist das wahre Problem bei den Steuern in Deutschland

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Nicht zu hoch: Das ist das wahre Problem bei den Steuern in Deutschland

Stand: 23.07.2026, 22:03 Uhr

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Nur Belgien hat höhere Steuern auf Arbeitseinkommen als Deutschland. Noch schlimmer ist aber, dass Deutschland bei einer anderen Sache nur Platz sechs schafft.

Frankfurt – „Ich habe lange relativ blind das Narrativ wiederholt, Deutschland wäre bei Steuern und Abgaben im OECD-Vergleich fast Weltmeister, und nur Belgien schlimmer“, schreibt eine Person auf Reddit. Das sei aber nicht automatisch die Belastung aller Deutschen. Manche werden stärker, andere deutlich geringer belastet.

Laut einer Studie der OECD von 2025 landet Deutschland bei der Steuerlast (49,3 Prozent) auf Platz zwei nach Belgien (52,5 Prozent), wenn eine einzelne arbeitende Person ohne Kinder betrachtet wird. Wenn zwei Eheleute arbeiten (einer 100 Prozent, der andere 67 Prozent des Durchschnittslohns), hat Deutschland immer noch eine Abgabenlast von 42,6 Prozent (Belgien 44,8 Prozent).

Bei einem verheirateten Einverdienerpaar mit Kindern ist die Belastung mit 34,9 Prozent zwar deutlich geringer, sie stieg 2025 jedoch im Vergleich zu 2024 um 1,6 Prozent an. Ebenso für Doppelverdienerfamilien. Bei der Frage, wie viel der Staat Familien im Vergleich zu Single-Haushalten entlastet, schafft es Deutschland laut OECD-Daten mit 14,4 Prozent Unterschied nur auf Platz sechs. Davor liegen Belgien, Lettland, die Slowakei, Luxemburg und Polen.

Reiche Frau mit Geldbeutel.

Wie gerecht sind Steuern in Deutschland verteilt? Eine Expertin und ein Experte ordnen ein. (Symbolbild) © Depositphotos/Imago

„Massiv privilegiert“: Ein großes Problem des deutschen Steuersystems

Wer arbeite, werde bestraft, kommentiert eine Person unter dem Reddit-Beitrag. Egal, ob als Single und Alleinverdiener oder als Doppelverdienerehepaar. „Nur Alleinverdiener-Ehen haben eine niedrigere Abgabenlast“, kritisiert die Person.

„Das deutsche Ehegattensplitting privilegiert ungleiche Einkommen innerhalb der Ehe massiv und führt deshalb in diesen Konstellationen zu besonders niedrigen effektiven Steuern – auch dann, wenn keine Kinder in der Ehe leben“, sagt Julia Jirmann vom Netzwerk Steuergerechtigkeit der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Ein Problem, denn das würde „negative Arbeitsanreize für Zweitverdienende und damit vor allem für Frauen schaffen“, sagt sie.

Deswegen müssten alle Ehen, auch Bestandsehen, schrittweise zurückgeführt werden. Der Plan: „Gezielte Familienförderung statt pauschaler Vergünstigungen für ungleiche Einkommen“, sagt Jirmann. Sie spricht von einer „dringend notwendigen Reform der Ehegattenbesteuerung“.

Steuer-Experte zieht spannenden Deutschland-Vergleich mit der Vergangenheit

Deutschland ist zunächst kein Hochsteuerland, auch nicht für Nichtverheiratete, sondern, wenn überhaupt, ein Hochbeitragsland für Nichtverheiratete, aufgrund der Sozialbeitragssätze“, sagt die Referentin für Steuerrecht und Steuerpolitik der Frankfurter Rundschau. Beim Vergleich der Spitzenverdiener, den die OECD-Statistik nicht abbildet, liege Deutschland aufgrund des niedrigen Höchststeuersatzes im unteren Feld. „Völlig außen vor sind bei dem OECD-Vergleich von Arbeitseinkommen übrigens die Einkommen von Superreichen, die fast ausschließlich Kapitaleinkommen erzielen. Hier sind die effektiven Steuersätze besonders niedrig.“

„Aus meiner Sicht hilft der Vergleich mit anderen Ländern nur bedingt weiter“, sagt ihr Kollege Christoph Trautvetter. „Der spannendere Vergleich ist der mit der Vergangenheit. Zum Beginn des deutschen Wirtschaftswunders haben Steuern auf Vermögen noch einen deutlich größeren Teil der Einnahmen ausgemacht“, sagt er. Die „große Umschichtung“ erfolgte dann in den 1960er bis 1970er Jahren, weil die Gehälter und damit die Steuerlast zwar progressiv stiegen, die nur teilweise ausgeglichene Inflation aber die Gehaltserhöhungen auffraß. „Damit wurden kleine und mittlere Einkommen immer stärker belastet“, sagt er der FR. Auch das könnte das wahre Problem der Steuern in Deutschland sein. (Quellen: eigene Recherche, OECD-Studie, Reddit)