"Odyssee" im XL-Format: Warum die meisten nur den halben Film zu sehen bekommen
Großes Kino "Odyssee" im XL-Format: Warum die meisten nur den halben Film zu sehen bekommen Christopher Nolan drehte mit "The Odyssey" den ersten Kinofilm komplett im analogen Imax-Filmformat. Ein Ausf...
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Großes Kino
"Odyssee" im XL-Format: Warum die meisten nur den halben Film zu sehen bekommen
Christopher Nolan drehte mit "The Odyssey" den ersten Kinofilm komplett im analogen Imax-Filmformat. Ein Ausflug nach Prag zu einer ganz speziellen Vorstellung
Marian Wilhelm
Die Magie des großen Kinos ist nur mehr selten zu erleben. Mit The Odyssey ist nun ein Film im Kino, der alte Magie verspricht. Denn Regisseur Christopher Nolan hat sich dem analogen Kino verschrieben wie wenige andere. Seine Odyssee ist die eigenständige Adaption eines klassischen Mythos, der selbst schon vom Ende des magischen Zeitalters erzählt. Damit übertraf er am ersten Wochenende alle Erwartungen, was Zuschauerzahlen und Einspielergebnisse betrifft – trotz oder vielleicht auch ein wenig wegen der absurden Online-Kontroversen im Vorfeld zur Diversität der Besetzung. 120 Millionen allein in den USA und 258 Millionen Dollar weltweit prognostiziert das Branchenblatt Hollywood Reporter.
Dieser spektakuläre Start könnte das reine Produktionsbudget schon am ersten Wochenende einspielen. Egal wie man zur weltweiten Hollywood-Dominanz und Filmprojekten mit Viertelmilliarden-Budget steht: Diese Geschichte und ihre Umsetzung interessieren das Publikum ganz offensichtlich. Dabei spielt auch der Hype um den analogen Film eine Rolle.
Kein anderer Film passt besser, um dafür eine Reise anzutreten – und zwar nach Prag für eine ganz spezielle Vorführung dieses Kino-Epos. Dort steht eines der weltweit wenigen Kinos, die das Originalformat, in dem der Film gedreht wurde, vorführen können. Die Rede ist von Imax-70mm auf extra breitem analogem Filmstreifen.
Nur etwa 40 Kinos weltweit können dieses Format noch abspielen, lediglich drei Kinos (!) davon in Kontinentaleuropa und noch einmal drei in England. Neben Montpellier in Südfrankreich ist pünktlich zum The Odyssey-Kinostart noch Brüssel dazugekommen. Die Prager Cinema City im Palac Flora Shopping Center ist östlich der Altstadt nahe dem Olšany Friedhof gelegen. "Wir haben für die analoge Vorstellungen der Odyssee extra ein paar Vorführer aus dem Ruhestand oder aus inzwischen anderen Berufen zurückgeholt", sagt ein Mitarbeiter des Kinos, das sonst als digitaler Imax-Saal in Betrieb ist. Übrigens: Wien hat sein analoges Imax-Kino hinter dem Technischen Museum schon 2005 verloren.
Horizontal abgespielt
Anders als bei einem regulären 35mm- oder 70mm-Analogfilm wird der Filmstreifen hier horizontal durch die Kamera und den Projektor geführt und mit einem Vakuum vor der Linse stabilisiert. Dadurch ergibt sich noch einmal um ein Vielfaches mehr Bildfläche, von den digital teils nicht erreichten charakteristischen Farb- und Kontrasteigenschaften ganz abgesehen. Auch wenn die Umrechnung von chemisch gespeicherten optischen Informationen schwierig ist, spricht das britische Science Museum von einer Auflösung von 12.000 bis 18.000 Pixel zum Vergleich mit digitalen Fernsehern mit 2000 oder 4000 horizontalen Pixeln.
Eine Besonderheit ist das hohe Seitenverhältnis von 1:1,43. In Kombination mit einem steil angelegten Saal und modernem Raumklang ist die Immersion spürbar gesteigert. Wer das Kino als Immersionsmaschine versteht, die einen in die Geschichte hineinzieht, ist hier also richtig.
The Odyssey ist der erste vollständig mit einer analogen Imax-Kamera gedrehte Kinofilm, der zudem auch in der Nachbearbeitung großteils auf analoge Belichtungsmethoden setzte und möglichst viele Effekte bereits "in camera" realisierte, also nicht als CGI. Doch all die analoge Technik ergibt erst Sinn im Zusammenspiel mit der Arbeit Nolans an echten Drehorten – auch für die Schauspielenden ein Unterschied zum Green Screen Studio. In knapp einhundert Drehtagen wurde u.a. in Griechenland, Marokko, Italien, Island und Schottland gedreht. Dabei wurde das Holzpferd tatsächlich über den Strand gezogen und Odysseus’ Schiff auf offenem Meer händisch gerudert, die Liebe zum Analogen zieht sich also auch als praktischer Realismus durch das Mammutprojekt.
Wer für eine analoge Vorführung der Odyssee selbst eine analoge Reise antreten möchte, kann den Film noch bis Ende Juli im Innsbrucker Leokino im regulären vertikal projizierten 70mm-Filmformat erleben, ab Ende August dann auch im Wiener Gartenbaukino. Bis zum Release für das iPad sollte bei diesem Film wirklich niemand warten. (Marian Wilhelm aus Prag, 20.7.2026)
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