Was die Intelligenz von Hund und Katze für uns bedeutet
Vor 50 Jahren war klar: Einen Hund erzieht man mit Dominanz. Ein Pferd mit militärischer Disziplin. Eine Katze gar nicht. Auf die Bedürfnisse der Tiere wurde meist wenig Rücksicht genommen. Jüngere Forschung zeigt jedoch, wie intelligent und einfühlsam unsere Haustiere sind. Und wieviel sie uns täglich mitteilen. So synchronisieren sich Hirnwellen von Hunden und ihren Besitzerinnen, wenn sie sich miteinander beschäftigen. Und Katzen setzen gezielt Miau-Laute ein, um mit ihren Menschen zu kommuni
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Partnerschaftliche Beziehung Was die Intelligenz von Hund und Katze für uns bedeutet
Die Forschung zeigt: Hund, Katze und Co. sind intelligenter als lange gedacht. Was bedeutet das fürs Zusammenleben? Und sollten wir überhaupt noch Haustiere halten?
04.08.2026, 07:30
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Runa kratzt sich am Kopf. Für Hundetrainerin Maxi Lotz von der Martin Rütter Hundeschule Zürich Oberland ist das ein klares Signal: Die junge Hündin ist verunsichert. «Eine typische Übersprungshandlung», meint Lotz. Runa war zuvor beim Spielen mit einer anderen Hündin ziemlich ruppig und Maxi Lotz hat ihr zu verstehen gegeben, dass das nicht ok ist. «Als Teenager testet sie grad ihre Grenzen», erklärt die Hundetrainerin. «Hätte ich nicht eingegriffen, hätte sie wohl von der anderen Hündin eins auf den Deckel bekommen.»
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Bild 1 von 1. Viele Hundebesitzerinnen und -Besitzer wollen lernen, wie ihre Vierbeiner kommunizieren. Einer der angebotenen Kurse in der Martin Rütter Hundeschule heisst «Körpersprache und Kommunikation».
Bildquelle: Martin Rütter Hundeschule ZO / Parissa Buchs Photography.
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Solche Gesten zu verstehen, ist für Hundehalterinnen und Hundehalter immer wichtiger. Denn neue Erkenntnisse legen nahe, dass Haustiere ihre Umwelt differenzierter wahrnehmen als lange angenommen wurde.
Vom Kommando zur Kommunikation im Training
Die Signale der Hunde richtig lesen zu können, sei zentral für ein harmonisches Zusammenleben, sagt Maxi Lotz. «Gegenseitiges Verständnis ist die Grundlage für jede gute Beziehung.» Sei es auf dem Hundeplatz, beim Klickertraining mit Katzen – ja, auch Katzen sind trainierbar – oder im «Horsemanship» in der Reithalle. Herrschte früher militärische Disziplin, ist heute Kommunikation angesagt.
Dieser Paradigmenwechsel ist Zeichen eines neuen, partnerschaftlichen Verhältnisses zwischen Mensch und Haustier. Und wird wissenschaftlich gestützt. Die Verhaltensforschung der letzten Jahrzehnte zeigt nämlich, zu was unsere Haustiere fähig sind.
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Bild 1 von 4. Autorin Nicole Freudiger mit ihrer Hündin Ylvie, einem Riesenschnauzer.
Bildquelle: SRF / Nicole Freudiger.
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Bild 2 von 4. Wo ist der Ball? Ylvie wartet schon freudig, um gleich loszurennen und den Ball zu fangen.
Bildquelle: SRF / Nicole Freudiger.
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Bild 3 von 4. Spielen und lernen auf der Wiese und im Wald.
Bildquelle: SRF / Nicole Freudiger.
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Bild 4 von 4. Wenn Ylvie auf ihren Platz muss, «diskutiert» sie jeweils richtiggehend mit den Menschen. Irgend ein Körperteil lässt sie dann gerne raushängen.
Bildquelle: SRF / Nicole Freudiger.
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Hunde können sich Dutzende Namen von Spielzeugen merken und diese in Kategorien einteilen. Sie können aktiv täuschen und kooperieren stärker mit jenen Menschen, die auch mit ihnen zusammenarbeiten. Zudem deuten neuste Untersuchungen darauf hin, dass sich die Hirnwellen von Mensch und Hund synchronisieren, wenn sie sich miteinander beschäftigen. Das kennt man sonst von Menschenmüttern und ihren Babys.
Katzen lernen Wörter zu Bildern schneller als Kleinkinder, sie bauen eine engere Beziehung auf mit jenen Bezugspersonen, die ihre Wünsche respektieren.
Wie intelligent sind Hunde und Katzen wirklich?
Jüngste Forschung zeigt zudem immer deutlicher, dass unsere Haustiere intelligenter sind als lange gedacht. Die angenommene Differenz zwischen Mensch und Tier werde immer kleiner, sagt Judith Benz-Schwarzburg, Tierethikerin am Messerli Forschungsinstitut der Veterinärmedizinischen Universität Wien: «Tiere haben Wünsche, Bedürfnisse, ein mentales Innenleben».
Sie spricht gar von Kultur, einem Verständnis von Sprache und Tod, bei gewissen Tieren. Fähigkeiten, die wir Menschen anderen Arten jahrhundertelang abgesprochen hätten.
Je mehr wir über die geistigen Fähigkeiten von Haustieren lernen, desto drängender wird eine andere Frage: Was bedeutet das nun für das Zusammenleben?
«Wir müssen uns fragen, welche Rechte die Tiere haben», sagt die Tierethikerin. Das Recht auf ein Leben ohne Leid? Das Recht auf Leben? Gar das Recht auf Freiheit? Gerade letzteres sei bei Haustieren stark eingeschränkt, sagt die Tierethikerin. Und stellt eine radikale Frage: «Haben wir überhaupt das Recht, Haustiere zu halten?»
Aus ethischer Sicht müsse man sich diese Frage stellen. Beantwortet man sie mit «Ja», dann habe man die Verantwortung, die Bedürfnisse seiner Haustiere so gut wie möglich zu befriedigen, sagt Judith Benz-Schwarzburg. Nur so sei eine echte partnerschaftliche Beziehung mit dem Haustier möglich.
Radio SRF2 Kultur, Perspektiven, 2.8.2026, 8:30 Uhr.