Personalkarussell in der Union: Warken soll Kanzleramtschefin werden - Linnemann neuer Gesundheitsminister
Das Karussell dreht sich bei der Union: Thorsten Frei ersetzt den zurückgetretenen Jens Spahn. Den freigewordenen Posten im Kanzleramt soll nun Nina Warken übernehmen. Dadurch wird wiederum ihr Job im Gesundheitsministerium frei, den wohl Carsten Linnemann bekommt.
- 4 min read
Personalkarussell in der UnionWarken soll Kanzleramtschefin werden - Linnemann neuer Gesundheitsminister
23.07.2026, 18:09 Uhr
00:00
/
01:30

Das Karussell dreht sich bei der Union: Thorsten Frei ersetzt den zurückgetretenen Jens Spahn. Den freigewordenen Posten im Kanzleramt soll nun Nina Warken übernehmen. Dadurch wird wiederum ihr Job im Gesundheitsministerium frei, den wohl Carsten Linnemann bekommt.
Dass der bisherige Kanzleramtschef Thorsten Frei die Nachfolge von Unionsfraktionschef Jens Spahn antreten soll, setzt in der Regierung ein Personalkarussell in Gang. Nach ntv-Informationen aus Parteikreisen soll die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken zur Chefin des Kanzleramts werden und damit Thorsten Freis bisherigen Posten übernehmen. Das Gesundheitsressort wiederum soll von Carsten Linnemann, derzeitiger CDU-Generalsekretär, geleitet werden.
Die 47-jährige Warken folgt damit auf Thorsten Frei, der am kommenden Mittwoch von der CDU/CSU-Bundestagsfraktion zum neuen Fraktionsvorsitzenden gewählt werden soll. Die Rochade ist nötig, weil der bisherige Fraktionschef Jens Spahn am Samstag zurückgetreten war. Merz könnte seine Entscheidung am Freitagmorgen in Berlin vorstellen, erfuhr die Nachrichtenagentur Reuters von Insidern. Allerdings wurde auch darauf verwiesen, dass der CDU-Vorsitzende am Abend noch etliche Gespräche führen wolle.
Regierungssprecher Stefan Kornelius wollte die Berichte zunächst nicht kommentieren. "Der Bundeskanzler wird die Personalentscheidungen bekannt geben, wenn alle offenen Punkte geklärt sind", sagte er. Nina Warken wäre die erste Frau, die das Bundeskanzleramt führt. Im vergangenen Jahr hatte sie sich per Kampfkandidatur den Vorsitz der Frauen Union gesichert.
Warken war zuerst unsicher
Merz hatte am Mittwoch bekanntgegeben, dass Kanzleramtschef Thorsten Frei als Nachfolger von Jens Spahn an die Fraktionsspitze wechseln wird. Schon seit Dienstagabend war klar, dass Warken die Wunschkandidatin von Merz als Nachfolgerin von Frei ist. Nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur hat sie aber aus familiären Gründen zunächst mit ihrer Zusage gezögert. Sie hat drei Kinder.
Auch Linnemann soll bereits am Dienstag gefragt worden sein, ob er das Gesundheitsministerium übernehmen will. Trotzdem präsentierte Merz am Mittwoch zunächst nur den neuen Fraktionsvorsitzenden. Der Respekt vor der Fraktion und dem wichtigen Amt gebiete es, dass die Aufmerksamkeit zunächst nur auf dieses Amt gerichtet werde, hieß es.
Wer Linnemann als Parteimanager nachfolgen soll, ist noch offen. Dafür ist die 44 Jahre alte Bundestagsabgeordnete Franziska Hoppermann im Gespräch. Der bisherige Parlamentarische Staatssekretär im Digitalministerium, Philipp Amthor, soll den Bund-Länder-Beauftragten Michael Meister im Kanzleramt ablösen.
Warken war vor ihrer Ernennung zur Bundesgesundheitsministerin im vergangenen Jahr einer breiteren Öffentlichkeit kaum bekannt. Dabei verfügt sie über langjährige politische Erfahrung. Im Bundestag sitzt sie mit einer kurzen Unterbrechung seit 2013. Bei den Wahlen 2021 und 2025 holte sie in ihrem Wahlkreis Odenwald-Tauber das Direktmandat. Die 47 Jahre alte Juristin war in der vergangenen Wahlperiode Parlamentarische Geschäftsführerin der CDU/CSU-Fraktion. Seit 2025 steht sie an der Spitze der einflussreichen Frauen Union der CDU.
Linnemann nutzt zweite Chance
Linnemann hatte schon nach der Bundestagswahl die Chance, ins Kabinett zu wechseln, ließ sie aber ungenutzt. Er war schon vor der Wahl als Minister eines Superministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Soziales im Gespräch. Zu der Fusion der beiden wichtigen Ministerien kam es aber nicht. Linnemann hätte trotzdem ins Kabinett wechseln können, entschied sich aber für die Parteizentrale. "Wir haben in den letzten drei Jahren hart daran gearbeitet, unsere CDU wieder aufzubauen. Dieser Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Ich will ihn fortsetzen", sagte er zur Begründung.
Dort hatte er in den ersten knapp 15 Monaten der schwarz-roten Koalition allerdings keinen leichten Stand. Im Schatten von Parteichef und Kanzler Merz konnte er sich nicht so richtig entfalten. Für die sinkenden Umfragewerte der Union ist zwar eher die Bundesregierung verantwortlich. Sie bleiben aber auch an ihm als Parteimanager hängen. Die AfD hat die Union inzwischen in den bundesweiten Umfragen weit abgehängt. Wäre Linnemann Generalsekretär geblieben, hätte er bei krachenden Niederlagen der CDU bei den Landtagswahlen im September um seinen Posten bangen müssen.
Der Experte für Wirtschaft und Soziales hat sich auch als Generalsekretär schon mit kernigen Aussagen zur Gesundheitspolitik hervorgetan. Zum Beispiel mit seiner Forderung nach einer drastischen Reduzierung der 90 gesetzlichen Krankenkassen. "Riesen Verwaltungsvolumen, da müssen wir ran", sagte er bei ntv. "Ich finde, zehn Krankenkassen in Deutschland reichen."
Quelle: ntv.de, toh/rts/dpa/AFP