Nymphenburger Porzellan: Charlotte Lynggaards neue Ära
Eigentlich haben sie genug Schlösser in Kopenhagen: Schloss Amalienborg, die Residenz von König Frederik X., außerdem Schloss Rosenborg, Schloss Frederiksberg, Schloss Charlottenborg. Und weil der Platz da ist,...
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Eigentlich haben sie genug Schlösser in Kopenhagen: Schloss Amalienborg, die Residenz von König Frederik X., außerdem Schloss Rosenborg, Schloss Frederiksberg, Schloss Charlottenborg. Und weil der Platz da ist, sind in Schloss Christiansborg das Parlament, das Staatsministerium und der Oberste Gerichtshof untergebracht. Mit Schlössern kennt sich auch die Marke Ole Lynggaard aus Kopenhagen aus. Seit knapp 20 Jahren ist das Schmuckunternehmen königlicher Hoflieferant für die älteste Monarchie Europas.
An einem warmen Juniabend steht Charlotte Lynggaard, die 60 Jahre alte Tochter des Gründers, die heute das Unternehmen mit ihrem Bruder Søren leitet, trotzdem in einem Seitentrakt am nördlichen Rondell des Münchner Schlosses Nymphenburg. Hier ist die gleichnamige Firma zu Hause mit ihren figurativen Kunstwerken aus bemaltem Porzellan. Charlotte Lynggaard bewundert die Nymphenburger Porzellanmanufaktur schon lange für ihr Handwerk – jetzt wurde sie selbst zur Handwerkerin.

Das ist sie ohnehin, sie ist Goldschmiedin von Beruf. Privat töpfert sie auch gerne. Nun formte Charlotte Lynggaard zum ersten Mal Porzellan, etwa zu Kerzenhaltern. Sie erinnern sie an die Baumstämme, die ihr auf ihren morgendlichen Spaziergängen begegnen, dicke Eichenhölzer, mit Höhlen, als säßen Augen darin. Ihren Nymphenburger Porzellankerzenhaltern verpasste Lynggaard deshalb auch Augen.

Es ist ein wiederkehrendes Motiv in ihrer Arbeit, im Schmuck und auch im Porzellan. Augen hängen etwa an Ketten mit Wimpern, so zurechtgemacht, dass vom bösen Blick keine Rede mehr sein kann. „Das Evil Eye ist eigentlich ein freundliches Auge“, sagt Lynggaard. Anderthalb Jahre lang arbeitete sie an der kleinen Kollektion für ein anderes Haus abseits des Familienunternehmens. In der Nymphenburger Manufaktur begleitete sie dabei jeden Schritt.
Eigentlich bietet Kopenhagen den Lynggaards genug Raum für Kreativität. Aber in Deutschland beginnen sie öfter mit etwas Neuem. Auch den Vater Ole Lynggaard zog es damals nach den ersten Ausbildungsjahren in Dänemark nach Deutschland. 1958 kam er nach Schwäbisch Gmünd, um die Metallgestaltung besser zu verstehen. Danach ging er nach Paris, reiste um die Welt und gründete schließlich 1963 seine Schmuckmarke in Kopenhagen. Vielleicht läutet seine Tochter Charlotte Lynggaard mit dem Porzellanhandwerk von Deutschland aus eine neue Ära ein.