Protest der „Kakerlaken“-Bewegung: Bildungsminister in Indien beugt sich Druck der Jugend und tritt zurück
Ein Skandal um geleakte Dokumente einer Hochschul-Zugangsprüfung löst massive Straßenproteste aus und entwickelt sich zu einer Herausforderung für Premier Modi. Jetzt gibt es Konsequenzen.
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Erfolgreicher Protest: Indiens Bildungsminister Dharmendra Pradhan hat sich dem Druck der „Kakerlaken“-Bewegung gebeugt und ist zurückgetreten. Er habe großen Respekt vor den berechtigten Erwartungen der Jugend dieses Landes, schrieb Pradhan auf X. Er habe Premierminister Narendra Modi sein Rücktrittsgesuch vorgelegt.
Der Schritt war eine Kernforderung der jungen „Kakerlaken-Volkspartei“ und ihrer Anhänger. Aus ihrer Sicht sollte der Minister die politische Verantwortung für einen Skandal um geleakte Dokumente einer Hochschul-Zugangsprüfung übernehmen.
Die Proteste, die seit Juni andauern, hatten sich zugespitzt, nachdem die Polizei am Montag mit Schlagstöcken und Tränengas Dutzende Demonstranten verletzt hatte. Sie hatten versucht, zum Parlament zu marschieren.
Wir haben es geschafft!
Abhijeet Dipke, Gründer der Kakerlaken-Partei
Abhijeet Dipke, der Gründer der Kakerlaken-Partei, die die Proteste anführt, sagte in Neu-Delhi: „Wir haben es geschafft!“ Die Nachricht von Pradhans Rücktritt löste am Protestort Jantar Mantar in der Hauptstadt Jubel aus. Die Demonstranten am Protestort riefen „Jai Hind“, eine patriotische Losung, die „Sieg für Indien“ bedeutet.
Ausgelöst wurde die Protestwelle, als eine Vorabveröffentlichung von Prüfungsunterlagen für den Medizinertest bekannt geworden war. Mehr als zwei Millionen Bewerberinnen und Bewerber mussten den Test wiederholen. Die Proteste spiegeln eine tiefe Wut über Arbeitsplatzmangel, Korruption und mangelnde Rechenschaftspflicht der Regierung wider. Die Behörden schränkten auch am Samstag den Zugang zum Internet und zu 18 U-Bahn-Stationen in der Hauptstadt ein, um die Proteste einzudämmen.
Es sind die größten Straßenproteste seit Jahren in dem Land mit seinen geschätzt 1,47 Milliarden Einwohnern. Sie führten zur Gründung der Kakerlaken-Partei. Die Situation ist nach Einschätzung von Beobachtern eine der größten Herausforderungen für Premierminister Narendra Modi in dessen dritter Amtszeit.

© AFP/Arun Sankar
Parteigründer Dipke verlangte, dass auch zwei weitere Forderungen der Bewegung erfüllt werden müssten, bevor die Proteste enden könnten. So müssten Familien von Kindern, die nach dem Durchsickern von Prüfungsaufgaben Selbstmord begingen, entschädigt werden. Außerdem müsste gegen Polizisten vorgegangen werden, die an der Niederschlagung der Proteste am Montag beteiligt gewesen seien.
Der Name der Kakerlaken-Partei (Cockroach Janta Party CJP) geht nach deren Angaben auf Äußerungen eines führenden Richters zurück. Dieser hatte einige arbeitslose Jugendliche mit Kakerlaken (auf Englisch „cockroaches“) verglichen. (Reuters, dpa)