„Queers and Friends" bringt queere und nichtqueere Menschen zusammen

Der neue Frankfurter Verein organisiert Afterwork-Treffen, Wanderungen und Museumsbesuche. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und queeres Leben das ganze Jahr über sichtbar zu machen.

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„Queers and Friends" bringt queere und nichtqueere Menschen zusammen

Stand: 13.07.2026, 17:27 Uhr

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Frankfurt. 03.07.2026.  Der Verein QAF – Queers and Friends bringt queere Menschen LGBTQIA+* und Allies bewusst und gleichwertig zusammen. Ziel ist es queeres Leben in Frankfurt sichtbar zu machen – nicht nur zum CSD oder im Pride Month.Vorstandsfrau Shana Vierheilig und Andreas Chiocchetti auf dem Friedberger Platz.TAGESHONORAREinwilligung (nach DS-GVO) liegt nur muendlich vor.Veroeffentlichung nur zur aktuellen Berichterstattung, unter Beachtung des Medienprivilegs.Vereinbarung ueber Abtretung von Persoenlichkeitsrechten der abgebildeten Person(en), Model / Product Release liegt nicht vor. Foto: Renate Hoyer,  60316 Frankfurt.

Shana Vierheilig und Andreas Chiocchetti zeigen Präsenz bei Aktionen wie auf dem Friedberger Platz. © Renate Hoyer

Der neue Frankfurter Verein organisiert Afterwork-Treffen, Wanderungen und Museumsbesuche. Ziel ist es, Vorurteile abzubauen und queeres Leben das ganze Jahr über sichtbar zu machen.

Im Mittelpunkt stehen echte Begegnungen: von Afterwork über Wanderungen bis zu Museumsbesuchen. Der neue Frankfurter Verein „Queers and Friends“ verbindet queere und nichtqueere Menschen. Zum Austausch und um Vorurteile abzubauen. Im Interview erklärt Vorsitzende Shana Vierheilig, warum der CSD allein nicht reicht, um queeres Leben in Frankfurt sichtbar zu machen.

Zur Person

Shana Vierheilig (38) arbeitet als Diversity Managerin in einer Kanzlei.

Der Verein Queers and Friends will queere Menschen (LGBTQIA+) und nichtqueere Menschen zusammenbringen.

Mehr Infos und Anmeldungen zum kostenlosen Afterwork-Event und anderen
Veranstaltungen gibt es
unter: https://queersandfriends.org/

Frau Vierheilig, wie kamen Sie und Andreas Chiocchetti auf die Idee, „Queers and Friends“ zu gründen?

Wir hatten festgestellt, dass es in der heteronormativen Mehrheitsgesellschaft selbst in einer Stadt wie Frankfurt, die als vermeintlich sehr offen und tolerant gilt, doch noch viele Vorurteile und Berührungsängste gibt. Oft sind diese nicht mit bösem Willen hinterlegt, sondern haben einfach mit Unwissenheit zu tun. Viele Menschen sind beispielsweise in ihrem Alltag nie einer nichtbinären Person oder einer Trans*person begegnet. Wir wollen deshalb Angebote schaffen, die niedrigschwellig sind, so, dass man jetzt eben nicht gleich als heterosexuelle Person in die Kneipen im Regenbogenviertel gehen muss, um queere Menschen kennenzulernen. An der Stelle gab es eine Lücke in der Stadt, die wir füllen wollten. Wir wollen einen Safe Space schaffen, wo sich queere Menschen und nichtqueere Menschen begegnen und austauschen können.

Wie divers sind Sie im Vorstand besetzt?

Ich selbst bin ein Ally (für die LSBTIQ*-Community ist ein Ally eine heterosexuelle und cisgeschlechtliche Person, die queere Menschen unterstützt). Andreas und die sechs weiteren Vorstandsmitglieder des Vorstands sind queer. Ich arbeite als Diversity Managerin bei einer Rechtsanwaltskanzlei und bin schon länger in der queeren Community aktiv, unter anderem bin ich auch CSD-Fördermitglied. Andreas und ich hatten uns über gemeinsame Freunde kennengelernt. Irgendwann dachten wir: „Warum gibt es nicht mehr Freundschaften wie unsere?“

Was für Aktivitäten unternehmen Sie im Verein?

Einmal im Monat treffen wir uns zum Afterwork in einer Hotelbar. Das ist ein lockeres Zusammenkommen. Wir beginnen immer mit einem Netzwerkspiel, so dass man, egal ob man schon jemanden kennt, ob man schüchtern oder extrovertiert ist, die Chance hat, mit anderen ins Gespräch zu kommen. In unregelmäßigen Abständen bieten wir auch Sonder-Events an. Wir waren bereits wandern, bei einer Führung im Senckenberg-Museum oder haben eine Veranstaltung der Dresden Dance Company besucht und auch ein Meet-and-Greet mit den Tänzer:innen organisiert. Jetzt bieten wir einen gemeinsamen Besuch des CSD und im August ein Picknick an.

Wie alt und divers sind die Leute, die bislang dabei sind?

Im Durchschnitt sind sie zwischen 25 und 55. Bei uns sind viele Facetten queeren Lebens aus der LSBTIQ*-Community vertreten. Tendenziell sind derzeit etwas mehr Männer dabei. Das ist ein Phänomen, was man bei allen queeren Vereinen beobachten kann. Woran das liegt, kann ich nicht sagen.

Und wie hoch ist der Anteil der nichtqueeren Community?

Die Allies sind bislang noch in der Minderheit. Aber wir arbeiten gerade daran, bekannter zu werden.

Wie sieht das konkret aus?

Als wir 2024 begonnen haben mit „Queers and Friends“, waren wir eine Privatinitiative. Seit diesem Juni sind wir aber ein gemeinnütziger Verein, so dass wir mehr Möglichkeiten haben. Als Teil des Pride Month haben wir beispielsweise so auch Fördergelder von der Stadt erhalten, so dass wir Aktionen an der Hauptwache mit einem Stand und am Friedberger Platz machen können. Dort verteilen wir Flyer und sprechen Leute an. Denn es ist wichtig, nicht nur in der queeren Szene im Regenbogenviertel unterwegs zu sein, sondern auch an Orten inmitten der Gesellschaft sichtbar zu sein.

Warum ist das wichtig?

Wenn die Community unter sich bleibt, ist sie eben nicht sichtbar und wird auch nicht von der Mehrheitsgesellschaft akzeptiert. Wir glauben zudem, dass es auch für viele Menschen, die noch nicht geoutet sind, einfacher ist, wenn Netzwerke von vornherein offen sind. Bei uns können sie erst mal entspannt Leute kennenlernen, ohne das Gefühl zu haben, sich gleich outen zu müssen.

Was wünschen Sie sich für die nahe Zukunft?

Zunächst einmal bekannter als Verein zu werden. Unser langfristiges Ziel ist es, queeres Leben das ganze Jahr in Frankfurt sichtbar zu machen. Also nicht nur, wenn der CSD im Sommer gefeiert wird. Unser größter Wunsch ist es, dass sich queere Menschen weniger isoliert fühlen und mehr Allies aktiv Diskriminierung widersprechen, wenn sie sie wahrnehmen. Das ist gerade jetzt, wo es weltweit politisch rauer wird, sehr wichtig. Das haben wir aus der Geschichte im eigenen Land, aber auch in anderen Ländern gelernt: Gerade marginalisierte Minderheiten brauchen Menschen, die zu ihnen stehen und ihnen helfen.