"Er hasst uns wirklich": Russen fürchten Selenskyjs neuen Armeechef
Die Ernennung von Mychajlo Drapatyj zum neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte löst in Russland ungewöhnlich offene Reaktionen aus. Militärblogger warnen – der Kreml gibt sich dagegen demonstrativ gelassen.
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Russen fürchten neuen Ukraine-Armeechef
"Jetzt wird es ein Armageddon"
Aktualisiert am 23.07.2026 - 18:09 UhrLesedauer: 3 Min.
Die Ernennung von Mychajlo Drapatyj zum neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte löst in Russland ungewöhnlich offene Reaktionen aus. Militärblogger warnen – der Kreml gibt sich dagegen demonstrativ gelassen.
Russische Militärblogger und Nutzer sozialer Netzwerke haben mit Sorge auf die Ernennung von Mychajlo Drapatyj zum neuen Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte reagiert. Mehrere prominente kremlnahe Stimmen bezeichneten den 43-Jährigen als gefährlicheren Gegner als seinen Vorgänger Olexandr Syrskyj.
Besonders deutlich äußerte sich der prorussische Blogger Jurij Podoljaka. "Drapatyj ist erst 43 Jahre alt. Und er hat diesen Krieg als Bataillonskommandeur begonnen!", schrieb er auf Telegram. "Das ist schlecht für uns." Ein General, der "in diesem Krieg aufgestiegen ist und ihn versteht", sei "ein sehr schwieriger Gegner".
Ähnlich äußerte sich der russische Militärblogger Kirill Fjodorow. "Er hasst uns, und er hasst uns konsequent", schrieb er auf Telegram über Drapatyj. Das bedeute, "dass er versuchen wird, uns zu töten – ungeachtet irgendwelcher moralischer Einschränkungen."
"Gefährlicherer Gegner als Syrskyj"
Auch andere russische Kriegsbefürworter halten Drapatyj für gefährlicher als Syrskyj. Der kremlnahe Telegram-Kanal Rybar schrieb, der 43-Jährige wirke "wie ein gefährlicherer Gegner als Syrskyj". Zugleich schränkte der Verfasser ein, dass ein Austausch des Oberbefehlshabers die grundlegenden Probleme der ukrainischen Armee nicht lösen werde. Ein Wechsel an der Spitze behebe weder Personalmangel noch Engpässe bei Flugabwehrraketen, so Rybar.
Der Militärblogger Alexej Semzow zog auf Telegram ebenfalls einen Vergleich zum ehemaligen ukrainischen Armeechef Syrskyj. "Im Gegensatz zu diesem Dummkopf Syrskyj, der einfach nur Befehle befolgt, hasst Drapatyj uns wirklich", sagte er. Gleichzeitig zeigte er sich überzeugt: "Wir glauben, dass Drapatyj nicht lange bleiben wird. Er wird seine eigene Linie verfolgen, und Selenskyj wird ihn absetzen."
In sozialen Netzwerken überwogen ebenfalls besorgte Stimmen. Ein Nutzer mit dem Pseudonym "SV" verwies darauf, dass Syrskyj russische Wurzeln habe und Angehörige weiterhin in Russland lebten. Nun aber habe "Madyar" – wie Robert Browdi, Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, genannt wird – freie Hand. "Jetzt wird es ein Armageddon", schrieb der Nutzer laut "Kyiv Independent" auf Telegram.
Ein anderer Nutzer zog mit Blick auf die Proteste zur Wiedereinsetzung des ukrainischen Verteidigungsministers Mychajlo Fedorow einen Vergleich zwischen Russland und der Ukraine. "Ich beneide die Ukrainer. Diese Menschen haben vor überhaupt nichts Angst und gehen schon beim kleinsten Anlass auf die Straße, damit die Regierung nicht übermütig wird", schrieb er laut "Kyiv Independent". "Aber wir – wir ertragen alles. Wir schlucken alles."
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Russland setzt Drapatyj auf Fahndungsliste
Kurz nach Drapatyjs Ernennung reagierten auch die russischen Behörden. Das Innenministerium setzte den neuen ukrainischen Oberbefehlshaber auf die Fahndungsliste. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Ria Nowosti wurden dabei keine neuen Vorwürfe genannt. Bereits 2023 hatte das russische Ermittlungskomitee Anklage gegen Drapatyj erhoben.
Der Sprecher des russischen Präsidenten, Dmitri Peskow, spielte die Personalie dagegen herunter. "Das ist nicht etwas, was wir kommentieren sollten", sagte er. Er glaube nicht, "dass dies zu Veränderungen an der Front führen wird". Die russischen Streitkräfte setzten ihre Offensive entlang der gesamten Front fort. Zugleich behauptete Peskow, das "Kiewer Regime" werde "von innen erschüttert".
Mit dem abrupten Generationswechsel an der Armeespitze will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj den eskalierten Streit zwischen Modernisierern und Traditionalisten beenden. Dem Austausch des Verteidigungsministers vor wenigen Tagen und des Militärchefs am späten Dienstagabend folgte am Mittwoch auch die Ablösung des Generalstabschefs.
Es handelt sich um den größten Umbau der Militärführung seit dem russischen Großangriff im Februar 2022. Drapatyj kündigte eine Verstärkung unter anderem der Drohnenangriffe tief im Inneren Russlands an.