Russland: Tanken nur an geraden Kalendertagen? Autofahrer sind verärgert
Die gute Nachricht für alle, die in Russland mit dem Auto unterwegs sind: Wer vor der Tankstelle etwa in einer Halteverbotszone wartet, muss nicht mit einem Bußgeld rechnen. Darauf wies das russische Innenminis...
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Die gute Nachricht für alle, die in Russland mit dem Auto unterwegs sind: Wer vor der Tankstelle etwa in einer Halteverbotszone wartet, muss nicht mit einem Bußgeld rechnen. Darauf wies das russische Innenministerium extra hin. Die schlechte Nachricht allerdings ist: Die Benzinkrise hält weiterhin an, landesweit gibt es Engpässe.
„An der Tankstelle gab es wirklich schwierige Momente“, sagt die Moskauerin Nastja unserer Redaktion. „Zwei Stunden musste man warten, oder es gab gar kein Benzin.“ Inzwischen informiert sich Nastja per App, wo es noch Sprit gibt und wo nicht. Die staatliche Sber-Bank erfasst die Zahlungsdaten von 29.000 Tankstellen in ganz Russland. Nutzer können dadurch eine passende Tankstelle auswählen. In Moskau nutzen bereits über acht Prozent der Online-Kunden diesen Service. Das ist nicht super, aber das neue Normal in Russland.
Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert
Russland: Tanken nur noch mit QR-Code
Benzin ist knapp, volltanken geht vielerorts nicht mehr. In der Region Orjol beispielsweise dürfen an geraden Kalendertagen nur noch Autofahrer tanken, deren Kennzeichen mit einer geraden Zahl beginnt. An ungeraden Tagen nur diejenigen mit einer ungeraden Zahl. Getankt werden dürfen maximal 30 Liter, das Füllen von Kanistern ist verboten. Diese Regelung gibt es jetzt in vielen Regionen.
In Nischni Nowgorod wurde eine interaktive Karte eingeführt, die die Benzinverfügbarkeit und die Warteschlangen an Tankstellen anzeigt, so die Regionalregierung. Rationiert wird auch digital: In Sewastopol auf der annektierten Halbinsel Krim gibt es QR-Codes für die Tankstelle. „Die Anzahl der täglich verfügbaren QR-Codes entspricht der an diesem Tag verfügbaren Kraftstoffmenge“, erklärte der örtliche Gouverneur Michail Raswoschajew. Wer einen QR-Code bekommt, der muss ihn zwischen 9 und 21 Uhr einlösen – einen neuen Code gibt es erst nach sieben Tagen.
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Benzin ist knapp und teuer geworden
Russlands Autofahrer sind verärgert. Denn Benzin ist nicht nur knapp, es ist auch teuer geworden. Seit Anfang des Jahres stieg der Spritpreis laut Russlands Statistikbehörde Rosstat um 16,4 Prozent. Umgerechnet rund 95 Cent kostet der Liter Diesel jetzt, billig im Vergleich zu Deutschland, aber teuer für Russland. Nicht nur die Autofahrer leiden unter der Benzinkrise, schlimm trifft es auch das Transportgewerbe und vor allem die Landwirtschaft, die kurz vor dem Beginn der Erntezeit steht. Bereits sind Betrüger unterwegs, bieten für Großverbraucher billigen Diesel an, kassieren und liefern nicht. Zwei derartige Fälle registrierten die Behörden in der Region Woronesch, man solle „bei Angeboten unbekannter Anbieter äußerst vorsichtig sein“, wird gewarnt.
In der Region Rostow wird ein Gutteil der landwirtschaftlichen Produkte Russlands geerntet. Für Ernte und Transport etwa von Getreide brauche man 60.000 Tonnen Treibstoff, so Juri Sljusar, der Gouverneur der Region, auf einer Krisensitzung. Inzwischen hat die russische Regierung den Export von Dieselkraftstoff verboten. Der Inlandsmarkt würde jetzt bevorzugt versorgt, sagt Alexander Nowak, der stellvertretende russische Ministerpräsident. „Alle benötigten Mengen werden in die Regionen geliefert, um die Landwirte während der Ernte zu unterstützen“, zitiert ihn die Nachrichtenagentur Interfax. Mit der Bewältigung der Krise beschäftigt sich ein eigens eingerichteter Krisenstab der Regierung. Die russische Zentralbank hatte bereits erklärt, dass der Produktionsrückgang von Treibstoff das Wirtschaftswachstum im zweiten Quartal beeinträchtigt haben dürfte.
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Ukraine-Krieg: Drohnenangriffe auf Ölraffinerien haben massive Auswirkungen
Durch die ständigen ukrainischen Drohnenangriffe auf Raffinerien und andere ölverarbeitende Industrieanlagen würde im Moment 35 Prozent der russischen Treibstoffproduktion ausfallen, weiß das Online-Portal vz.ru. Trotzdem sei die Lage „beherrschbar“. Viele Menschen in Russland allerdings fragen sich, warum trotz der Luftabwehr so viele Drohnen der Ukraine ihr Ziel erreichen. In der Nacht zum Mittwoch griff das ukrainische Militär ein Kraftwerk in Sewastopol an. Die Anlage ist für fast die Hälfte der Stromerzeugung auf der Krim verantwortlich. Stromausfälle über Stunden waren die Folge.

In der Region Samara bombardierten Drohnen vor wenigen Tagen eine Ölraffinerie. Die zum staatlichen Ölkonzern Rosneft gehörende Raffinerie produziert unter anderem Benzin, Diesel und Kerosin mit einer Verarbeitungskapazität von 8,5 Millionen Tonnen. Bereits Ende Mai musste die Anlage nach einem Angriff die Produktion zeitweise einstellen.

Lange Schlangen an russischen Tankstellen: Kreml will Industrieanlagen besser gegen Drohnenangriffe schützen. © AFP | IGOR IVANKO
Putin unter Druck: Kann Schutzsystem für Industrieanlagen helfen?
„Wir müssen die Folgen terroristischer Anschläge auf unsere zivilen Einrichtungen und die Infrastruktur reduzieren“, sagt Russlands Präsident Wladimir Putin. Der Staatskonzern Rostec hat nun ein Schutzsystem für Industrieanlagen vorgestellt, eine Art Stahlnetz. „In seiner einfachsten Form kann es eine 200 Kilogramm schwere Drohne stoppen, die mit 250 Kilometern pro Stunde fliegt“, betont Alexander Nazarow, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Konzerns. Ob das hilft?
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Seit einiger Zeit importiert Russland Treibstoff aus Belarus. Doch das reicht nicht. Laut der Nachrichtenagentur Reuters baten russische Energiekonzerne wie Rosneft, Gazprom und Lukoil Raffinerien in Indien um Benzinlieferungen. Mindestens eine Ladung indischen Benzins sei bereits nach Russland unterwegs und weitere würden erwartet, zitiert Reuters zwei Branchen-Insider. Die genannten Konzerne und das russische Energieministerium äußerten sich dazu nicht.