Scheeßeler Trachtensommer: Stimmige Kostüme, bebende Bühne

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Scheeßeler Trachtensommer: Stimmige Kostüme, bebende Bühne

Stand: 27.07.2026, 06:30 Uhr

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Die schottischen Dunedin Dancer Edinburgh zeigen faszinierende Tänze, auch Soli, zur Dudelsackmusik.

Die schottischen Dunedin Dancer Edinburgh zeigen faszinierende Tänze, auch Soli, zur Dudelsackmusik. © ULLA HEYNE

Fünf Gruppen aus ganz Europa tanzen am Wochenende beim Trachtensommer auf dem Scheeßeler Meyerhof. Es ist ein völkerverbindendes Ereignis für alle Generationen.

Scheeßel – Fünf Gruppen aus ganz Europa, zwei, für viele Scheeßeler sogar drei fulminante Tage mit Tanz und Musik, vielen Begegnungen, Gesprächen und gemeinsamem Feiern über Landes- und Sprachbarrieren hinweg – das ist die Bilanz des diesjährigen Scheeßeler Trachtensommers. Alle zwei Jahre lädt die „Original Scheeßeler Trachtengruppe“ auf den Meyerhof. Zum zweiten Mal mit dem „Bierfest“ am Samstagabend und dem traditionellen großen Bühnenprogramm am Sonntagnachmittag, das auf den internationalen Gottesdienst, Frühschoppen und einen Empfang im Rathaus für die Gäste aus Schottland, Irland, Schweden, Belgien und Deutschland folgt.

Bei den „Celtic Roots“ aus Irland bebt die Bühne.

Bei den „Celtic Roots“ aus Irland bebt die Bühne. © ULLA HEYNE

Bereits am Samstagabend waren die Plätze auf den Bierbänken vor der Bühne schon lange vor dem offiziellen Start des Bühnenprogramms mit hunderten Zuschauern aller Altersklassen besetzt, die Schlangen an den Ständen für Getränke und Gaumenfreuden lang. Der „Trachtensommer“ der Scheeßeler „Originalen“ punktet – nicht mit Gruppen aus Fernost, gewagten Kostümen oder akrobatischen Bühnenshows, sondern mit familiärem Ambiente und Liebe zum Detail. Die findet sich an jeder Ecke: ein mit Blumen geschmückter Meyerhof, in Kleinarbeit gebastelte Deko auf den Tischen, illuminierte Bäume oder ein Geburtstagsständchen mit Akkordeonist Manfred Küppers.

Das gut aufgelegte Bläserensemble Funny Blech als „musikalischer Haftstoff“ der Veranstaltung hält für viele Gruppen passende Stücke parat – den „Highland Cathedral“ für die Schotten, für die Belgier immerhin „Champs-Élysées“. Bereits im Vorfeld hat die für diesen Anlass auf ein Dutzend Bläser angewachsene Truppe um die Familie Rudolph nicht nur mit Märschen und Polkas eingestimmt, sondern auch ein Queen-Medley zum Besten gegeben.

Würdevolle Schweden, rasante Schotten

Im Mittelpunkt stehen, wie sollte es anders sein, auf der Bühne die Trachten und Tänze. Während die Schweden und die Belgier, beides Gruppen in eher gesetztem Alter, mit stimmigen Kostümen und viel Würde überzeugen, geht es bei den Schotten und später den Iren rasanter zu. Bereits beim „Appetithäppchen“-Programm am Samstagabend legen die Dunedin Dancer Edinburgh eine beeindruckende stepptänzerische Sohle zum Dudelsack aufs Parkett. Bei den 1998 gegründeten „Celtic Roots“ aus Wexford beben die Bühnenbretter unter dem Céilí der 18 Akteure zwischen 13 und 80. Auch sie tanzen zu Livemusik – heute längst nicht mehr die Regel. Das Programm, das laut den Moderatoren des Abends, dem Vereinsvorsitzenden Heiko Klee und seiner Tochter Celine, das Nachmittag füllende Programm am Sonntag „anteasert“, macht Lust auf mehr.

„Morgen zeigen wir zwei Mal fünf Tänze“, verspricht Helene Hörberg von der Foksdanslaget Värendsgillet. Beim letzten Besuch der Schweden 2010 war ihre Tochter als Geigerin dabei, nun sind die Eltern an der Reihe, die mit der Gruppe schon die USA und Shanghai bereist haben. Sie und ihr Mann Sven freuen sich, privat untergebracht zu sein: „Da kriegt man noch mal mehr davon mit, wie die Leute leben.“ In Scheeßel seien alle sehr herzlich, „wir werden toll aufgenommen.“ Angetan hat es ihr der Scheeßeler Blaudruck, aber auch das eigens für dieses Wochenende wenige hundert Meter weiter gebraute Bier: „So lecker!“

Die schwedische Gruppe aus Växjö ist nach 2010 zum zweiten Mal zu Gast in Scheeßel.

Die schwedische Gruppe aus Växjö ist nach 2010 zum zweiten Mal zu Gast in Scheeßel. © ULLA HEYNE

Oliver Tobies hatte seine Kapazitäten mit einigen Tricks für dieses Wochenende auf 600 Liter hochgeschraubt. Und der schwedischen Gruppe als ersten internationalen Gästen bei einer Besichtigung sogar Einblicke in seine Braukunst gegeben, inklusive Probe der „Roten Moorhexe“ und des obergärigen Sommerbiers direkt vom Tank. Sein „Scheeßeler Buntes“ ist auch für viele Gäste ein Anziehungspunkt, die neben dem Bühnenprogramm vor allem die Geselligkeit schätzen. Claudia Pahl ist mit ihrer gesamten Freundesgruppe mit dem Rad hier. Sie freut sich vor allem auf die irische Gruppe. „Wenn es was in Scheeßel los ist, sollte man das auch unterstützen“, findet die Geschäftsfrau.

Das sieht auch das Ehepaar Spieker aus Veersebrück so, das an diesem Tag seinen 57. Hochzeitstag begeht. Besucherin Ingrid Uhle aus Westervesede weiß besonders die Völkerverständigung bei der Veranstaltung zu schätzen: „Gerade heute ist es wichtiger denn je, dass die Nationen zusammenkommen, sei es beim Sport, der Musik oder beim Tanzen!“ Das kommt auch am Samstag nicht zu kurz, als DJ Lauritz ab 22 Uhr auflegt – bevor der Trachtensommer am Sonntag mit Gottesdienst, Frühschoppen und am frühen Nachmittag, etwas getrübt von gelegentlichen Schauern, seinen Höhepunkt findet.

Das eigens gebraute „Scheeßeler Bunte“ erfreut sich großer
Beliebtheit.

Das eigens gebraute „Scheeßeler Bunte“ erfreut sich großer Beliebtheit. © ULLA HEYNE