Schon Zweijährige betroffen: Harvard-Professorin warnt vor schädlichem Erziehungsirrtum

StartseitePanoramaStand: 24.07.2026, 06:49 UhrKommentareUns auf Google folgenEine Professorin der Uni Harvard erklärt, was Kindern beim Erwerb wichtiger Fähigkeiten hilft – und welche Eltern-Reaktionen „schädli...

  • 3 min read
Schon Zweijährige betroffen: Harvard-Professorin warnt vor schädlichem Erziehungsirrtum

Stand: 24.07.2026, 06:49 Uhr

Kommentare

Uns auf Google folgen

Eine Professorin der Uni Harvard erklärt, was Kindern beim Erwerb wichtiger Fähigkeiten hilft – und welche Eltern-Reaktionen „schädlich“ sein können.

Frankfurt – Viele Eltern gehen davon aus, dass Sprache sich bei Kindern von selbst entwickelt und das Lesen erst mit der Einschulung beginnt. Catherine Snow widerspricht dieser Annahme klar: „Beides ist falsch“, sagt die Professorin für Kognition und Bildung an der Harvard-Universität gegenüber der Frankfurter Rundschau von Ippen.Media. Snow forscht zum Spracherwerb und dessen Auswirkungen auf die spätere Lesekompetenz in der Schule.

Kleines Kind im Einkaufswagen

Eine Harvard-Professorin verrät, was sie am Umgang von Eltern mit ihren Kindern im Supermarkt stört. (Symbolbild) © Depositphotos/IMAGO

Manche Kinder haben Vorteile: „Kinder, die Zugang zu reichen Sprachumgebungen haben, entwickeln am Ende viel reichere Wortschätze und ausgeklügeltere Fähigkeiten, Geschichten zu erzählen und sich zu erklären“, so Snow. Was einen solchen „sprachreichen Haushalt“ ausmache, seien viele Gespräche mit Erwachsenen, viele Gelegenheiten, Fragen zu stellen, das gemeinsame Lesen von Lieblingsbüchern, das Erstellen von Einkaufslisten oder das Ausfüllen von Kalendern sowie das Sprechen über gelesene Bücher oder erlebte Ereignisse. All das helfe Kindern bei ihrer Leseentwicklung.

Wann eine Harvard-Professorin bei der Kindererziehung „zusammenzuckt“

Besonders eine alltägliche Situation bereitet Snow Sorgen: „Wenn ich Eltern in Supermärkten sehe, die auf ihren Handys scrollen, während ihre ein bis zwei Jahre alten Kinder plappern und gestikulieren und eindeutig versuchen zu kommunizieren und dem Elternteil Gelegenheiten bieten, ein Gespräch zu beginnen – da zucke ich zusammen“, sagt Snow. Auch diese frühen Gespräche, in denen Kinder sehr wenig anbieten könnten, seien „extrem wichtig“.

Ebenso stört die Forscherin eine andere verbreitete Reaktion von Eltern: das Korrigieren der Grammatik kleiner Kinder, die darum kämpfen, eine komplexe Idee zu artikulieren. „Der Inhalt sollte immer wichtiger sein als die Form“, sagt die Harvard-Professorin. Kinder, deren Eltern eher auf effektive statt grammatikalisch perfekte Kommunikation setzten, entwickelten am Ende bessere Sprachfähigkeiten.

Sprachentwicklung: Interessen des Kindes zu ignorieren, ist das schädlichste

Das größte Problem sieht Snow darin, wenn Eltern die Interessen ihrer Kinder beim Lernen außer Acht lassen. „Es ist demotivierend und weitaus weniger effektiv, ein Kind hinzusetzen und zu sagen, dass es 20 Mal seinen Namen schreiben soll, als mit ihm ein Namens-Schild für sein Zimmer zu basteln“, erklärt sie. „Kinder haben ihre eigenen Ziele und kommunikativen Absichten, und wir sind besser darin, wenn wir von ihren Interessen ausgehen und nicht von unseren eigenen.“ Wie Eltern Sprache beibringen, sollte daher weniger vom Alter des Kindes abhängen als davon, was es bereits wisse und wofür es sich interessiere.

Wie eine altersgerechte Sprachförderung konkret aussehen kann, verdeutlicht Snow am Beispiel des gemeinsamen Bilderbuch-Anschauens. Das Anschauen eines Bilderbuches mit einem 14 Monate alten Kind könne hauptsächlich darin bestehen, Bilder zu benennen und das Kind zu bitten, vertraute Gegenstände zu finden – etwa mit Fragen wie „Welches Geräusch macht der Hund?“ oder „Hast du eine Zahnbürste wie diese hier?“. „Mit anderen Worten, die Sprache ist ziemlich einfach, auf das Hier und Jetzt fokussiert“, sagt Snow. Bei etwas älteren Kindern im Vorschulalter könnten dann Fragen wie „Was denkst du, wird als Nächstes passieren?“ oder „Warum denkst du, hat sie das getan?“ folgen. „Das Gespräch bewegt sich vom Hier und Jetzt zu spekulativerem, abstrakteren, hypothetischem Inhalt“, so die Forscherin. (Quelle: eigene Recherche)