Traumjob Bademeister? Die Realität hinter dem Mythos

Rund 600 öffentliche Frei-, See- und Flussbäder gibt es in der Schweiz. Während der Hitzewelle wurden diese überrannt. Bademeisterinnen und Bademeister hatten alle Hände voll zu tun. Wie stressig ist der Sommer...

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Traumjob Bademeister? Die Realität hinter dem Mythos

Rund 600 öffentliche Frei-, See- und Flussbäder gibt es in der Schweiz. Während der Hitzewelle wurden diese überrannt. Bademeisterinnen und Bademeister hatten alle Hände voll zu tun. Wie stressig ist der Sommer 2026 für sie? Michel Kunz, Präsident des Schweizerischen Bademeisterverbands, weiss es.

Michel Kunz

Präsident des Schweizerischen Bademeisterverbands

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Michel Kunz (68) ist Präsident des Schweizerischen Bademeisterverbandes. Er war 32 Jahre selbst Bademeister und Schwimmbad-Betriebsleiter. Selbst badet er am liebsten im Schwarzsee im Kanton Freiburg.

SRF: Viele sind in den Ferien und aktuell ist es nicht mehr so heiss. Können Bademeisterinnen und Bademeister etwas durchatmen?

Michel Kunz: Wir können wieder Arbeiten erledigen, die vorher nicht möglich waren, und die Anlagen für die nächste Hitzeperiode parat machen.

Was sind das für Arbeiten?

Wir können etwa die Filter länger rückspülen, um sie wieder in einen einwandfreien Zustand zu versetzen. Auch für die Überprüfung des Abwassers und die Justierung der Regeltechnik können wir uns mehr Zeit nehmen.

Der Badebetrieb ist sehr herausfordernd.

Zudem führen wir in den Durchschreite- und Planschbecken eine Grundreinigung durch, damit auch da wieder alles im grünen Bereich ist.

Das Technische ist ein wesentlicher Faktor. Welche Aufgaben fallen sonst noch an?

Den Rasen müssen wir derzeit kaum mähen, da er nicht wächst. Aber im Beckenbereich saugen wir Stellen von Hand ab, die für den Reinigungsroboter schwer zugänglich sind. Auch die Sprunganlage kann gründlich gereinigt werden.

Läuft etwas aus dem Ruder, müssen wir einschreiten.

Wir kontrollieren den Chemikalienbestand, lösen Nachbestellungen aus und ergänzen die Tagesprotokolle, um alle erledigten Arbeiten sauber zu dokumentieren.

Gibt es bei so viel Betrieb auch entsprechend mehr Stress und Konflikte mit Badegästen?

Der Badebetrieb ist sehr herausfordernd. Unser Ziel ist es, dass die Gäste einen schönen Tag erleben und das Bad wieder gesund verlassen. Läuft etwas aus dem Ruder, müssen wir einschreiten und Aufklärungsarbeit leisten oder einen Riegel vorschieben. Etwa beim unvorsichtigen Springen vom Sprungturm.

Personenspringen von einem hohen Sprungbrett ins Wasser, umringt von wartenden Menschen.
Legende:

Sicherheit geht vor: Bei Sprungtürmen achten die Bademeister darauf, dass niemandem etwas passiert.

Keystone/Laurent Gillieron

Auch das Badewasser müssen wir durchgehend im Auge behalten. Wir führen vermehrt manuelle Messungen durch und schicken regelmässig Wasserproben ins Labor. So gewährleisten wir, dass die Wasserqualität absolut in Ordnung ist.

Bäder, die den Zutritt für Auswärtige sperren oder Badeverbote erteilen, waren in den Schlagzeilen. Ist das in der Branche ein Tabuthema?

Spezifische Badeverbote für bestimmte Gruppierungen sind eher ein regionales Thema, etwa im Raum Basel oder im Jura. Was hingegen für alle Bäder neu ist, sind generelle Zutrittsbeschränkungen.

Wenn die Leute frei haben, sind die Bademeister am Arbeiten.

Das hat mit dem verfügbaren Personal zu tun, aber auch mit der Wasserqualität, die wir ab einer gewissen Personenzahl schlicht nicht mehr garantieren können. Dieses Thema steht heute generell im Vordergrund.

Im Sommer arbeiten, den ganzen Winter frei. Stimmt das?

Das Personal hat lange Arbeitszeiten. Wir müssen bereits vor der Öffnung für Vorbereitungsarbeiten da sein und nach Betriebsschluss aufräumen und putzen. Wenn andere frei haben und das schöne Wetter geniessen, arbeiten Bademeister durch.

Man muss sich der extremen Arbeitszeiten und der Belastung sehr bewusst sein.

Im Winter arbeiten viele in Hallenbädern oder übernehmen andere kommunale Aufgaben. Manche reisen auch ins Ausland, um beispielsweise als Tauchlehrer zu arbeiten.

Ist es unter diesen Bedingungen schwierig, genügend Personal zu finden?

Ja, es ist schwierig. Der Sommer ist eine attraktive Zeit für die Leute. Man muss sich der extremen Arbeitszeiten und der Belastung sehr bewusst sein, wenn man diesen Beruf wählt.

Zudem sind wir in den Freibädern vom Wetter abhängig. Wenn es tagelang regnet, müssen wir die Anlage trotzdem in Schuss halten.

Das Gespräch führte Michael Brunner.