(+) Dauerbaustelle in Ohlsdorf: Anwohner fühlen sich abgehängt

Hamburg „So können wir nicht leben“: Ärger um Dauerbaustelle auf wichtiger Verkehrsader Diese Hamburger Verkehrsader ist bereits seit Jahren eine Baustelle. Florian Quandt ...

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(+) Dauerbaustelle in Ohlsdorf: Anwohner fühlen sich abgehängt

Hamburg

„So können wir nicht leben“: Ärger um Dauerbaustelle auf wichtiger Verkehrsader

Diese Hamburger Verkehrsader ist bereits seit Jahren eine Baustelle.
Florian Quandt

Seit fast zwei Jahren leben die Anwohner der Wellingsbütteler Landstraße mit einer großen Baustelle vor der Tür. Schon im Vorfeld gab es Protest, jetzt hat sich die Lage noch verschärft.

Neue Siele, neue Leitungen, neuer Asphalt: Die Wellingsbütteler Landstraße in Ohlsdorf ist seit Jahren eine Dauerbaustelle. „Wir fühlen uns inzwischen von der Außenwelt abgeschnitten. Besuch kommt kaum noch“, sagt eine Anwohnerin der MOPO. Die Straße dürfen Anwohner nur zu bestimmten Tageszeiten durchfahren – ansonsten versperrt eine Schranke den Weg. Eine Umleitung gibt es zwar, Besucher können sie aber nicht nutzen.

„Wir sind wirklich geduldig und wissen, dass die Bauarbeiten nötig sind“, sagt Stefanie K., die mit ihrer Familie an der Wellingsbütteler Landstraße wohnt. „Aber jetzt ist ein Punkt erreicht, an dem man seinen Alltag nicht mehr bestreiten kann. So können wir nicht leben.“

Seit August 2024 wird die Straße saniert. Die Siele sind laut Hamburg Wasser mehr als 100 Jahre alt und müssen dringend erneuert werden. Auch der Asphalt ist ein Flickenteppich, die Gas- und Stromleitungen haben das Ende ihrer Lebensdauer erreicht. Dazu sind neue Rad- und Fußwege geplant. Bis Ende 2027 sollen die Arbeiten abgeschlossen werden.

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Wellingsbütteler Landstraße: Schranke regelt den Verkehr

In der Zwischenzeit ist die Ausfahrt zur Fuhlsbüttler Straße – Richtung Innenstadt – unter der Woche zwischen 9 und 17 Uhr sowie am Samstag von 7 bis 15 Uhr durch eine Schranke versperrt. Anwohner dürfen täglich von 6 bis 23 Uhr ausnahmsweise eine Umleitung über den benachbarten Ohlsdorfer Friedhof nehmen – mit einer Chipkarte für die dortige Schranke. Besucher und Mitarbeiter ansässiger Firmen dürfen diesen Weg nicht nutzen.

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Digitaler Kartenausschnitt mit grün markierten Flächen und rot eingezeichneter Route.
Auf diesem Abschnitt der Wellingsbütteler Landstraße befindet sich die Baustelle. Der gelbe Teil ist im Rahmen der Erweiterung seit April 2026 hinzugekommen.
Screenshot/Apple Karten/ Darstellung: MOPO

Laut Hamburg Wasser kam es beim Sielbau in diesem Jahr auch noch zu „unvorhersehbaren Verzögerungen“. Der erste Bauabschnitt wurde im April auf die gesamte Länge der zwei Kilometer langen Landstraße vergrößert, um fristgerecht fertig zu werden. Damit sind allerdings mehr Haushalte zeitgleich betroffen.

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Anwohner bekommen kaum noch Besuch

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Stefanie K. sagt, dass ihre betagten Eltern und auch viele Freunde inzwischen kaum noch zu Besuch kämen. Ähnliches schildern weitere Anwohner der MOPO. Offen möchte niemand sprechen. „Warum bekommen wir keine Chipkarte für die Schranke an der Baustelle?“, fragt Stefanie K. „Und warum dürfen Besucher den Weg über den Friedhof nicht nehmen?“

Baustelle an der Wellingsbüttler Landstraße/Fuhlsbüttler Straße mit Absperrungen und Auto
Diese Schranke regelt an der Wellingsbütteler Landstraße die Zufahrt Richtung Fuhlsbütteler Straße.
Florian Quandt

Hamburg Wasser schreibt auf Anfrage, dass es wegen des hohen Durchgangsverkehrs vermehrt zu gefährlichen Situationen auf der Baustelle gekommen sei. Darum habe man die Schranke im Sommer 2025 nach Rücksprache mit der Polizei aufgestellt. Der Friedhof sei ein „besonders schutzbedürftiger Ort“, die Durchfahrt für Anwohner lediglich eine Ausnahmeregelung.

U-Bahn-Baustelle sorgt für weitere Sperrungen

Seit Mitte Juli wird zusätzlich an der nahegelegenen U-Bahnlinie und am Bahnhof Ohlsdorf gebaut. Die Zufahrt zum Friedhof wurde geändert, weil zwei Straßen im Zuge der Arbeiten zu Sackgassen wurden. „Die Hochbahn führt diese Maßnahme parallel durch, da sich die U1-Brücke in einem schlechten Zustand befindet“, heißt es bei der Verkehrsbehörde. Die Ersatzhaltestelle liegt für die Anwohner der Wellingsbütteler Landstraße zu Fuß etwa zehn Minuten weiter entfernt als die U-Bahnstation. Anders sei es wegen der Baustelle nicht gegangen, sagt die Hochbahn.

Protest schon vor den Baumaßnahmen

Das Verständnis der Anwohner sinkt. Dabei ist die aktuelle Situation bereits ein Kompromiss: Ursprünglich sollte der gesamte Abschnitt Wellingsbütteler Landstraße/Wellingsbüttler Weg zwischen Fuhlsbüttler Straße und Rolfinckstraße für fünf Jahre voll gesperrt werden.

Dagegen regte sich 2021 massiver Protest. Vor allem die ansässigen Händler in Klein Borstel fürchteten wegen der Insellage um ihre Existenz. Ohne die Wellingsbütteler Landstraße sei das Viertel nur über große Umwege durch Wohngebiete erreichbar, argumentierten sie.

Im vierten Quartal 2026 sollen die Arbeiten im Wellingsbüttler Weg beginnen. Über den genauen Termin und die Verkehrsführung will Hamburg Wasser informieren, sobald die Planungen feststehen. Stefanie K. und die anderen Anwohner müssen wohl noch eine Weile ausharren.