Sophie von La Roche: Schriftstellerin, Vermittlerin und außergewöhnliche Persönlichkeit

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Sophie von La Roche: Schriftstellerin, Vermittlerin und außergewöhnliche Persönlichkeit

Stand: 01.09.2026, 08:07 Uhr

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Ein Graffiti von Sophie von La Roche ziert das Trafohäuschen am Büsingpark.

Ein Graffiti von Sophie von La Roche ziert das Trafohäuschen am Büsingpark. © Ingrid Walter

Die Schriftstellerin lebte von 1788 bis zu ihrem Tod 1807 in der Domstraße 23 in Offenbach – ein Gedenkstein im Büsingpark erinnert bis heute an sie

Offenbach – Der Gedenkstein von Sophie von La Roche im Offenbacher Büsingpark ist etwas weiter nach hinten gerückt. Er steht nicht mehr vorn an der Berliner Straße, wo vor dem Zweiten Weltkrieg die Domstraße verlief. In der damaligen Domstraße 23 befand sich ihr Haus, das sie mit ein wenig Selbstironie „Grillenhütte“ nannte. Hier konnte sie als Witwe ihre „Grillen“, ihre Flausen, ausleben – nämlich ihre Schreibtätigkeit.

Goethe nannte La Roche „die wunderbarste Frau, und ich wüsste ihr keine andre zu vergleichen“

Als Sophie von La Roche von ihrer Englandreise heimkehrte, war ihr Gatte 1786 nach Offenbach umgesiedelt, wo er ein Haus in der Domstraße gefunden hatte. Sie kam später nach. Nach seinem Tod 1788 blieb sie in Offenbach, wo sie bis zu ihrem Tod 1807 lebte und arbeitete. Immerhin steht der Gedenkstein noch und erinnert an eine bemerkenswerte Frau und Schriftstellerin, die viele Offenbacher dem Namen nach kennen. Persönlich kannte sie kein Geringerer als Johann Wolfgang von Goethe. „Sie war die wunderbarste Frau, und ich wüsste ihr keine andre zu vergleichen“, schrieb er über die Zeitgenossin. Für ihn war sie eine außergewöhnliche Persönlichkeit und Gesprächspartnerin.

Goethe wird auch mit der Rezension ihres Romans „Geschichte des Fräuleins von Sternheim“ in Verbindung gebracht, die am 14. Februar 1772 in den Frankfurter gelehrten Anzeigen erschien. Die Rezension wird heute eher Johann Heinrich Merck zugeschrieben, möglicherweise mit einem Einschub Goethes. Ihr zentraler Gedanke: Die Kritiker verfehlten das Wesentliche, denn „sie beurteilen ein Buch – es ist eine Menschenseele“.

Briefroman über Geschichte der Sophie von Sternheim anonym veröffentlicht

La Roche veröffentlichte ihren Briefroman 1771 anonym, herausgegeben von Christoph Martin Wieland. Er erzählt die Geschichte der tugendhaften Sophie von Sternheim, die am Hof zur Mätresse des Fürsten gemacht werden soll, eine Scheinehe mit Lord Derby eingeht und schließlich entführt wird. Statt zu verzweifeln, widmet sie sich der Bildung und Erziehung junger Frauen. Der Roman gilt als möglicher Einfluss auf Goethes Werther.

Die Lebensgeschichte von La Roche liest sich beinahe ebenso spannend. Sie wuchs bei einem strengen, aber bildungsfördernden Vater auf. Nach unglücklichen Liebesbeziehungen folgte die Vernunftheirat mit dem kurmainzischen Hofrat La Roche, die der wissbegierigen jungen Frau aus bürgerlichen Verhältnissen die höfische Welt eröffnete. Ihr schriftstellerisches Tun brachte ihr große Anerkennung. Sie lebte zeitweise im Allgäu und in Augsburg, in Lindau, Oberschwaben und am mittleren Neckar, in Mainz, Koblenz, Speyer und Offenbach.

Gedenkstein Sophie von La Roche im Büsing Park

Der Gedenkstein von Sophie von La Roche steht im Büsingpark. © Ingrid Walter

Während ihrer Zeit in Speyer gab sie eine der ersten deutschen Frauenzeitschriften heraus: die Pomona für Teutschlands Töchter. Ab 1783 erschienen insgesamt 24 Hefte mit Beiträgen über Erziehung und Haushalt, aber auch über Reisen, Kunst und Literatur. Von Speyer aus unternahm die damals über 50-Jährige große Reisen und wurde damit zur ersten Reiseschriftstellerin Deutschlands.

In Offenbach, wo sie länger lebte als an jedem anderen Ort, war sie nicht untätig. Sie schrieb weiter und empfing Gäste. Es entstanden Briefe über Mannheim, Schönes Bild der Resignation, Erscheinungen am See Oneida, Mein Schreibetisch und Melusines Sommer-Abende. Ihr Haus wurde zu einem gesellschaftlich-literarischen Treffpunkt.

Vermittlerin zwischen Literatur und Musik

Gleich nebenan, in der Domstraße 21, befanden sich der Musikverlag Johann Andrés und die angeschlossene Notendruckerei. Sophie von La Roche kann hier tatsächlich als Vermittlerin zwischen Literatur und Musik gelten. Am 3. März 1787 schrieb sie an Elise Gräfin zu Solms-Laubach: „Herr André will die sanftesten Töne vereinen, um zu Jacobis Lied eine würdige Melodie zu finden …“ Sie bat Elise, das betreffende Lied wieder an sie zu schicken – und vermittelte damit ganz konkret zwischen dem Schriftsteller Johann Georg Jacobi und dem Komponisten Johann André.

Daneben war La Roche eine fürsorgliche Großmutter: 1797 nahm sie drei ihrer minderjährigen Enkelinnen – Bettina, Lulu und Meline – zu sich in die „Grillenhütte“. Bettina war damals zwölf Jahre alt. Später schilderte sie, wie sie mit Sophie den Garten teilte und wie stark sie deren Empfindsamkeit übernahm. Deshalb wird auf dem Gedenkstein auch ihrer gedacht – doch das ist eine andere Geschichte