„Tausend Schutzengel“: Als Kleinkind stürzt Daniel aus 18 Metern Höhe, heute joggt er durch den Wald

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„Tausend Schutzengel“: Als Kleinkind stürzt Daniel aus 18 Metern Höhe, heute joggt er durch den Wald

Stand: 13.07.2026, 17:30 Uhr

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Nach schwersten Verletzungen: Daniel kämpfte sich Stück für Stück zurück ins Leben.

Nach schwersten Verletzungen: Daniel kämpfte sich Stück für Stück zurück ins Leben. © Larissa Kessler

Vor 21 Jahren Daniel überlebt den Sturz aus dem siebten Stock mit schwersten Verletzungen an Gehirn, Lunge und Milz. Doch er kämpft sich zurück ins Leben.

Offenbach – Nur ein leichtes Hinken ist geblieben von dem traumatischen Ereignis vor 21 Jahren. Beim Sturz aus dem siebten Stockwerk eines Wohnhauses erleidet der damals zweijährige Daniel ein schweres Polytrauma mit Verletzungen an Gehirn, Lunge und Milz. Die Verletzungen waren so bedrohlich, dass lange unklar blieb, ob der Junge überhaupt überleben würde. Doch seine Eltern und Geschwister verloren nie die Hoffnung. Wochenlang lag Daniel auf der Intensivstation, seine Mutter betete und sang die ganze Zeit neben ihm. Die Ärzte warnten die Familie, dass er vermutlich ein fokales Anfallsleiden (Epilepsie) entwickeln und möglicherweise nie wieder laufen könne. Davon wollte die Mutter nichts wissen. „Er wird wieder laufen“, beschloss sie kurzerhand.

Drei Jahre nach dem Unfall: Daniel besucht den Kindergarten, trotz schwerem Schädelhirntrauma.

Drei Jahre nach dem Unfall: Daniel besucht den Kindergarten, trotz schwerem Schädelhirntrauma. © Larissa Kessler

Heute läuft Daniel nicht nur, er joggt sogar weite Strecken durch den Stadtwald. Zudem spielt er gern Klavier und erfolgreich Rollstuhlbasketball, ohne je auf einen Rollstuhl angewiesen gewesen zu sein. Als starker Verteidiger gewinnt er zweimal den Landeswettbewerb von „Jugend trainiert für Paralympics“.

Auf wundersame Weise überlebte er den Sturz aus etwa 18 Metern. „Dieser Junge hatte nicht einen Schutzengel, sondern tausende“, sagt der behandelnde Arzt. Mehr als 20 Jahre danach setzt sich Daniel mit der traumatischen Episode auseinander. In der Berufsschule hält er einen Vortrag über Glück und spricht erstmals mit externen Personen über seine Vergangenheit: „Das war aufregend, vor so vielen Menschen zu stehen und über meine Vergangenheit zu sprechen“, sagt er mit einem schüchternen Lächeln. Doch der Ball kommt ins Rollen und immer deutlicher wird ihm: „Wie dankbar ich dafür sein kann, dass ich noch am Leben bin.“

Denn der Weg der Heilung ist lang: Daniel musste nicht nur grundlegende Dinge wie Laufen, Sprechen und Essen lernen, sondern auch seine sozialen Kompetenzen erneut aufbauen. Trotz schwerem Schädelhirntrauma besuchte er zwei Jahre nach seinem Unfall, 2007, den Kindergarten und anschließend die Erich-Kästner-Schule in Langen. Anfangs wird er von Lehrern als eher unsicher beschrieben. Doch mit der Zeit gewinnt er an Selbstbewusstsein und überzeugt auch seine Mitschüler mit seiner offenen Art. Daniel findet Anschluss, schließt Freundschaften und übernimmt immer mehr Eigenverantwortung. Mehrfach wurde er zunächst zum Klassen- und schließlich zum Schülersprecher gewählt. Trotz Lernschwierigkeiten ließ er sich nicht unterkriegen, denn „wenn man es mehrmals erklärt, ist das kein Problem“.

Seine Selbstständigkeit nimmt rasant zu. Mit zwölf kämpft er gegen seinen mangelhaften Orientierungssinn an und geht das erste Mal allein ins Ring-Center: „Auf einmal ploppte in meinem Kopf ein Bild auf, an dem ich mich orientieren konnte, das hatte ich vorher noch nie.“ Durch diese innere Entwicklung und die sportlichen Erfolge wird Daniel immer mehr zu dem Menschen, der er jetzt ist: offen, selbstbewusst, herzlich und interessiert.

Heute sitzt Daniel mit geradem Rücken im Eiscafé und löffelt einen Schokoladenbecher mit Sahne. Er ist 24 Jahre alt und absolviert eine Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. „Ein Leben voller Hoffnung“, beschreibt er die vergangenen Jahre. Es schwingt ein trotziger Stolz mit, als er die Strapazen schildert, mit denen er sich über alle Prognosen hinwegsetzte. „Meine Familie hat immer an mich geglaubt und mich überall unterstützt, dafür bin ich sehr dankbar.“ Wie es nun weitergeht, weiß er auch: „Ich könnte mir vorstellen, ein Buch zu schreiben, ich habe das Gefühl, dass meine Geschichte sehr vielen Menschen Hoffnung geben kann.“