Tour de France: Tom Pidcock ist jetzt im Spiel - oder doch nicht?

Der Brite Tom Pidcock wollte die 13. Etappe in Belfort gewinnen. Das gelang ihm nicht, aber dafür machte er einen gewaltigen Satz in der Gesamtwertung. Es stellt sich die Frage, welche Gefahr er für die Podiumskandidaten wie Florian Lipowitz darstellt.

  • 4 min read
Tour de France: Tom Pidcock ist jetzt im Spiel - oder doch nicht?
Tom Pidcock

Tourreporter

Stand: 17.07.2026 • 21:03 Uhr

Der Brite Tom Pidcock wollte die 13. Etappe in Belfort gewinnen. Das gelang ihm nicht, aber dafür machte er einen gewaltigen Satz in der Gesamtwertung. Es stellt sich die Frage, welche Gefahr er für die Podiumskandidaten wie Florian Lipowitz darstellt.

Michael Ostermann

Tom Pidcock stand auf dem Podium in Belfort und war sichtlich bemüht, ein Lächeln auf sein Gesicht zu legen. Es kostete ihn einige Mühe und wollte ihm am Ende auch nicht recht gelingen. Denn Pidcock stand nun zwar dort nach der 13. Etappe der Tour de France, aber eben nicht wie erhofft als Etappensieger, sondern als kämpferischster Fahrer des Tages.

Pidcock hatte den Trostpreis zurecht erhalten. Er hatte am Ballon d'Alsace, dem schwersten Anstieg knapp 40 Kilometer vor dem Ziel, alle Attacken der Konkurrenten gekontert und zum Schluss sogar selbst noch versucht, alleine wegzukommen - vergeblich. Und am Ende waren ihm der spätere Etappensieger Mauro Schmid und der Kolumbianer Harold Tejada entwischt.

"Eine Schande, dass ich nicht gewinnen konnte"

"Als Team haben wir das Rennen heute diktiert, wir waren in der Lage, ein Ticket für die Ausreißergruppe zu lösen", sagte Pidcock später. "Es ist eine Schande, dass ich die Etappe nicht gewinnen konnte." Dafür hatte der Mountainbike-Olympiasieger einen großen Sprung im Gesamtklassement gemacht.

Als Gesamtzehnter mit mehr als elf Minuten Rückstand war Pidcock am Mittag in Dole gestartet, in Belfort war sein Rückstand auf Tadej Pogacar auf 4'15 Minuten geschrumpft. Pidcock liegt jetzt auf Rang vier der Gesamtwertung und ist mittendrin unter jenen Konkurrenten, die hinter dem Slowenen um die Plätze kämpfen. "Es besteht jetzt erstmal Chancengleichheit", sagte Pidcock.

Pidcock war im vergangen Jahr Dritter der Vuelta

Der 26 Jahre alte Radprofi vom Team Pinarello Q36.5 hat schon auf dem Podium einer der drei großen Landesrundfahrten gestanden. Im vergangenen Jahr beendete er die Spanien-Rundfahrt als Dritter. "Das ist ein weiterer starker Gegner", sagte der Spanier Juan Ayuso, den Pidcock in Belfort von Rang vier verdrängt hatte. "Er hat bereits letztes Jahr bei der Vuelta bewiesen, dass er in der Lage ist, über die gesamten drei Wochen hinweg gut abzuschneiden."

Tom Pidcock

Dass die Konkurrenz ihn auf der ersten Etappe in den Vogesen gewähren ließ, hatte auch mit der Rennkonstellation an diesem Tag zu tun, im langen Kampf um eine Ausreißergruppe hatte es schließlich fast ein Drittel des Pelotons nach vorne geschafft. Unter den 57 Fahrern an der Spitze waren neben Pidcock noch drei seiner Teamkollegen.

Verschnaufpause für das UAE-Team

Für das zweite Feld um das Gelbe Trikot wäre es deshalb ein großer Kraftakt gewesen, die Ausreißergruppe, die mehr ein erstes Fahrerfeld war, zu kontrollieren. "Wenn am Ende 50 Leute vorne sind, kann man nicht viel machen", sagte Patxi Vila, der Sportliche Leiter des Teams Red Bull-Bora-hansgrohe. "Wir haben erst angefangen zu arbeiten, als wir dachten, es wird zu gefährlich. Wir haben so viel wir konnten dazu beigetragen, ihn unter Kontrolle zu halten."

Die meiste Arbeit an der Spitze der Verfolger machte das Bahrain-Victorious-Team, das mit dem Franzosen Lenny Martinez einen Anwärter auf die Top Ten in seinen Reihen hat. Das UAE-Team von Tadej Pogacar kam die Konstellation dagegen insgesamt sehr gelegen. Das Gelbe Trikot ruht so ungefährdet auf Pogacars Schultern, dass der seiner Mannschaft eine Verschnaufpause gewähren konnte, weil andere Teams eher um ihre Platzierung fürchten mussten.

Deren Kapitäne hoffen nun, dass Pidcock in den kommenden schweren Tagen einen Preis bezahlen muss für die Kraftanstrengungen. "Es war jetzt vielleicht nicht ganz so optimal", sagte der deutsche Co-Kapitän des Red Bull-Teams, Florian Lipowitz, mit Blick auf Pidcocks Zeitgewinn. "Aber mit den harten Etappen, die jetzt kommen, hat er sicher auch ein paar Körner liegen lassen. Mal schauen, was morgen passiert."

Die 14. Etappe? "Ein Monster"

Auf der 14. Etappe am Samstag steht in den Vogesen ein enorm herausfordernder Abschnitt in den Vogesen an. Auf den 156 Kilometern von Mulhouse nach Le Markstein stehen vier kategorisierte Anstiege auf dem Programm, darunter drei Anstiege der ersten Kategorie. Insbesondere der Col du Haag, bei dem es über einen Radweg durch den Wald hinauf geht, ist extrem steil.

"Ein Monster", nennt Lipowitz' Sportlicher Leiter Patxi Vila die Etappe. "Wir stehen vor einem der Schlüsselmomente der Tour. Wir alle warten darauf." Danach habe man eine klare Vorstellung davon, wie der Kampf um das Podium tatsächlich aussehen werde.

Ob Pidcock dabei eine Rolle spielen wird, wird sich dann zeigen. Er selbst sieht sich auf den Bergetappen nicht so sehr in Gefahr, seine Sorge gilt einer anderen Etappe in der dritten Tourwoche. "Top Ten ist jetzt sehr realistisch, aber im Zeitfahren werde ich vermutlich viel Zeit verlieren."