Tour de France Femmes: Hoffentlich nicht bald allein

<strong>Linda Riedmann muss aufpassen, bald nicht die einzige Fahrerin ihres Teams bei der </strong><span lang="fr"><strong>Tour de France Femmes</strong></span><strong> zu sein. Das liegt auch an der großen Hitze, mit der alle zu kämpfen haben. So auch Franziska Koch.</strong>

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Tour de France Femmes: Hoffentlich nicht bald allein
Riedmann Linda (GER) von Lotto Intermarche Ladies

Tourreporterin

Stand: 03.08.2026 • 22:40 Uhr

Linda Riedmann muss aufpassen, bald nicht die einzige Fahrerin ihres Teams bei der Tour de France Femmes zu sein. Das liegt auch an der großen Hitze, mit der alle zu kämpfen haben. So auch Franziska Koch.

Da waren es nur noch drei. Man möchte Profi-Sportlerinnen eigentlich nicht mit kleinen Jägermeistern vergleichen. Aber irgendwie erinnert das, was gerade dem Team von Linda Riedmann passiert, dann doch an den Song der Toten Hosen, in dem nach und nach einer nach wegfällt. Denn waren Lotto Intermarché zum Auftakt noch mit sieben Fahrerinnen am Start, sind es nach der dritten Etappe nur noch drei.

Allein auf dem zweiten Teilstück nach Genf verlor das Pro-Team mit Elisabeth Ebras, Marieke Meert und Sterre Vervloet drei seiner Athletinnen. Dina Boels, die heute ebenfalls das Rennen aufgeben musste, sowie Romina Hinojosa – die erste Mexikanerin in der Geschichte der Tour – schafften es gerade so vor dem Besenwagen ins Ziel und lagen sich anschließend weinend in den Armen.

Gemischte Gefühle bei Riedmann

So nah können Freud und Leid sogar innerhalb eines Teams zusammenliegen. Denn mit ihrem zehnten Platz fuhr Linda Riedmann gestern nicht nur das beste deutsche Ergebnis der bisherigen Tour-Ausgabe ein, sondern auch ihr persönlich bestes. Ein Wechselbad der Gefühle, wie sie im Interview kurz vor dem Start in Genf erzählt. "Natürlich ist das für uns als Team ein Rückschlag. Aber ich habe gestern trotzdem ein bisschen meinen zehnten Platz genießen können. Insgesamt aber war die Stimmung im Team natürlich trotzdem nicht so toll."

Bereits 2024 nahm die 23-Jährige an der Frankreich-Rundfahrt teil, damals für das Team Visma – Lease a Bike. Seit diesem Jahr ist sie Teil von Lotto Intermarché. Die Freude über ihre Rückkehr zum bedeutendsten Rennen im Frauenradsport sieht man ihr an. "Ich habe es letztes Jahr schon vermisst und es vorm Fernseher verfolgt. Aber jetzt wieder selbst dabei zu sein, ist selbstverständlich sehr viel cooler. Und meine Form wird auch von Tag zu Tag besser."

Zum Auftakt in die Schweiz reiste sie mit einem Etappensieg bei der Volta a Portugal Feminina im Gepäck an. Dementsprechend selbstbewusst gibt sich Riedmann auch. Und im Gegensatz zu ihrer ersten Teilnahme hat sie in ihrem neuen Team auch hier und da die Freiheit, auf eigene Kappe zu fahren. Jetzt wahrscheinlich noch mehr als je zuvor.

Starke Hitze in Frankreich

Doch was ist eigentlich in ihrem Team los, wieso hat Riedmann nur noch zwei Kolleginnen? "Sterre hatte einen Hitzschlag. Elisabeth hat sich schon am Tag davor nicht so gut gefühlt und musste wegen muskulärer Probleme aussteigen und Marieke ist leider gestürzt", zählt Riedmann auf. "Dina ist schon am ersten Tag gestürzt, ist aber hiergeblieben und hat sich noch gerettet." Sterre Vervloet ist nicht die Einzige bei der diesjährigen Tour, die unter der Hitze leidet. Mittlerweile ist es der dritte Tag in Folge, bei dem das Thermometer Temperaturen jenseits der 35 Grad anzeigt.

Schon die Tour de France der Männer hatte mit dieser extremen Hitze zu kämpfen. So verkürzten die Rennverantwortlichen die neunte Etappe um mehr als 30 Kilometer, während der Startort der finalen Etappe aufgrund der schweren Waldbrände zu der Zeit von Thoiry direkt nach Paris verlegt wurde. Von solchen Maßnahmen ist derzeit noch keine Rede, den Fahrerinnen und Teams ist es also selbst überlassen, sich gegen die hohen Temperaturen zu wappnen.

Auch Koch mit Problemen

Das betrifft auch Top-Fahrerinnen wie Franziska Koch, die in diesem Jahr – trotz ihres Sieges bei Paris-Roubaix – als Edelhelferin von Demi Vollering bei der Tour unterwegs ist. Doch auf den ersten beiden Etappen, als ihr Abstand im Gesamtklassement auf 19 Minuten anwuchs, fühlte sich die 26-Jährige nicht wie sie selbst. "Das war sehr hart und unerwartet. Meine Herzfrequenz war zu hoch und ich hatte keine Power in den Beinen", so Koch gegenüber der Sportschau. "Wir vermuten stark, dass es an der Hitze liegt. Das war ein Schock für das System. Es zeigt einfach, dass wir auch nur Menschen und keine Maschinen sind."

Und das alles trotz Maßnahmen wie Eiswesten, Eiswürfeln im Trikot oder Eisbädern. "Ich versuche noch mehr, mich herunterzukühlen und habe in den ersten beiden Tagen auch darauf geachtet", sagt Koch. "Man muss einfach jede Flasche, die man bekommt, über den Kopf schütten. Und sich eine gute Portion Schlaf holen, mit einer Klimaanlage." Erklären, wieso sie auf einmal so große Probleme mit der Hitze hat, kann sie nicht. "Ich wünschte, ich könnte das. Aber manchmal reagiert der Körper halt anders."

Noch keinen Plan für das Zeitfahren

Für das morgige Zeitfahren, bei dem Koch eigentlich angreifen wollte, kann sie dementsprechend noch keine Prognose geben. "Ursprünglich war der Plan, Vollgas zu geben. Wir schauen mal, wie es mir heute geht. Vielleicht muss ich dann morgen einen Ruhetag einlegen", so die deutsche Meisterin. "Es wäre natürlich schade, aber die fünfte Etappe ist auch mega hart und ich hoffe einfach, dass ich dem Team so gut wie möglich helfen kann."

Zumindest auf der dritten Etappe von Genf nach Poligny war das schon einmal der Fall. Beim Ausreißer-Sieg der Norwegerin Sigrid Ytterhus Haugset leistete Koch wichtige Anführarbeit, um die Lücke zum Gelben Trikot für ihre Kapitänin Demi Vollering nicht zu groß werden zu lassen. Ein Aufschwung ist also erkennbar. Linda Riedmann muss dagegen den vierten Ausfall in ihrem Team verkraften. Sie meinte im Ziel: "Es ist kein schönes Gefühl. Aber wir geben zu Dritt alles." Im Song der Toten Hosen überlebt am Ende übrigens ein kleiner Jägermeister.