Krise in Ceuta: Empörung in Spanien über Sánchez-Urlaub – "Kennt weder Scham noch Würde"
"Kennt weder Scham noch Würde" Sánchez fliegt mitten in der Krise in den UrlaubAktualisiert am 04.08.2026 - 07:39 UhrLesedauer: 4 Min.Pedro Sánchez verbringt seinen Sommerurlaub auf Lanzarote – während Spanien ...
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"Kennt weder Scham noch Würde"
Sánchez fliegt mitten in der Krise in den Urlaub
Aktualisiert am 04.08.2026 - 07:39 UhrLesedauer: 4 Min.
Pedro Sánchez verbringt seinen Sommerurlaub auf Lanzarote – während Spanien massiv unter Druck steht. Opposition und Bürger zeigen sich empört.
Pedro Sánchez ist mit seiner Familie im Sommerurlaub auf Lanzarote. Dort erhole er sich drei Wochen lang an seinem üblichen Ferienort, der Staatsvilla "La Mareta" im Touristenort Costa Teguise, wie spanische Medien berichten. Er sei am Samstag mit dem Privatjet auf den Kanarischen Inseln gelandet.
In Spanien kommt das allerdings nicht bei allen gut an. In den sozialen Medien, Kommentarspalten und von der Opposition des Landes wurde scharfe Kritik daran laut, dass der Ministerpräsident inmitten der Ceuta-Krise in den Urlaub gefahren ist. Diese wurde umso schärfer, als Sánchez sich nach seiner Ankunft auf Lanzarote gut gelaunt auf Instagram meldete und seine Lieblingssongs für den Sommer empfahl, darunter Madonna und die Rolling Stones.
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"Es gibt nichts Grausameres, als die Realität zu leugnen"
So wird Carmen Fúnez, Abgeordnete der konservativen spanischen Volkspartei (PP), vom britischen "The Telegraph" zitiert: "Während Ceuta leidet, macht Sánchez Urlaub. Es gibt nichts Grausameres, als die Realität zu leugnen."
Nach dem Ansturm Zehntausender Migranten auf Ceuta ist die Lage vor Ort weiter angespannt. In der vergangenen Woche hatten vorübergehend bis zu 60.000 Menschen von Marokko aus die spanische Nordafrika-Exklave erreicht – die meisten schwimmend, andere kletterten über den sechs Meter hohen Grenzzaun.
Einsatzkräfte bergen Dutzende Leichen in Ceuta
Nach Angaben der Regierung soll der größte Teil der Migranten mittlerweile zwar nach Marokko zurückgekehrt sein, Berichten zufolge halten sich jedoch noch einige Tausend vor Ort auf. Die Unterbringung und Rückführung verbliebener Migranten sowie die Suche nach weiteren Todesopfern dauere an, hieß es auch von örtlichen Behörden. Nach Angaben des Innenministeriums in Madrid wurden bislang 72 Leichen geborgen. Unter den Geflüchteten sollen sich zudem auch Hunderte unbegleitete Minderjährige befinden.
Der Vorfall hat auch diplomatische Spannungen ausgelöst. Die Mehrheit der Staats- und Regierungschefs der EU kritisierte die spanische Migrationspolitik. Spaniens Regierung warf den anderen Mitgliedsländern wiederum vor, die Krise politisch auszuschlachten. Zuletzt hat die Regierung in Madrid zudem Vorwürfe zurückgewiesen, sie habe Warnungen des Geheimdienstes CNI vor einer Massenankunft ignoriert. Man habe keine Geheimdienstberichte erhalten, die vor einer Migrationskrise dieses Ausmaßes gewarnt hätten, hieß es.
EVP-Chef Weber zu Ceuta-Krise: Spanien muss Kurs ändern
Am heutigen Dienstag wollen die EU-Innenminister über die Konsequenzen beraten. Bei einer Videokonferenz, an der auch Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) teilnimmt, soll es auch darum gehen, wie die EU ihre Außengrenzen besser schützen kann. CSU-Europapolitiker und Chef der Europäischen Volkspartei (EVP), Manfred Weber (CSU), forderte Spaniens Regierung vor dem Treffen in der "Bild" zu einer Kehrtwende in der Migrationspolitik auf.
"Die breite Unterstützung des Protests gegen die Regierung von Premierminister Pedro Sánchez und dessen Alleingänge belegten, dass "die linke Sánchez-Regierung isoliert" sei. Weber warf Sánchez Wahlkampf-Kalkül vor und sagte: "Ceuta zeigt uns auch, dass eine ungesteuerte Zuwanderung auch die Zahl der Todesopfer erhöht. Niemand hätte hier sterben müssen.
Auch der spanische Oppositionsführer Alberto Nuñez Feijóo kritisierte Sánchez: Die Regierung dürfe "nicht wegsehen, denn wir befinden uns in einer Krise der nationalen Sicherheit".
Urlaub befeuert den Ärger
Der Bürgermeister von Toledo, Carlos Velázquez, zeigte sich fassungslos über Sánchez Entscheidung, inmitten dieser Krise zu verreisen. In einem Interview mit "Europa Press" sagte der Politiker der oppositionellen Partei Partido Popular (PP): "Was mich als Bürgermeister und als Mensch am meisten beunruhigt, ist, dass wir einen Premierminister haben, der bereits im Urlaub ist und der sich einen Tag nach einer der größten Krisen, die Spanien in den letzten 25 oder 30 Jahren erlebt hat, damit beschäftigt, uns Lieder zu empfehlen, die wir diesen Sommer hören sollen." Sánchez denke an nichts anderes, als durch "Konfrontation und weitere Spaltung" an der Macht zu bleiben, so Velázquez weiter.
In der Kommentarspalte eines Artikels der spanischen Zeitung "El Mundo" zu Sánchez Urlaub reagierten zahlreiche Einheimische mit scharfer Kritik. "Wir bezahlen ihren ewigen Urlaub", schrieb ein Leser. Eine andere Person kommentierte: "Er kennt weder Scham noch Würde und kümmert sich einen Dreck um Spanien und das spanische Volk. Das ist die größte Katastrophe, die Spanien je erlebt hat."
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"Genießen Sie Ihre wohlverdiente Ruhepause, Herr Präsident"
Auf den Instagram-Beitrag von Sánchez reagierten neben der Kritik aber auch einige Nutzer mit Wohlwollen. "Genießen Sie Ihre wohlverdiente Ruhepause, Herr Präsident", schrieb etwa ein Spanier in der Kommentarspalte. Ein anderer kommentierte: "Er ist volksnah, daher sollten wir ihn unterstützen und nicht kritisieren".
Kurz vor seinem Urlaub hatte Sánchez tatsächlich alle Hände voll zu tun: Die beispiellosen Waldbrände der vergangenen Wochen und der wachsende Migrationsdruck in Ceuta bestimmten seine Agenda in den vergangenen Tagen. Am Freitag reiste er persönlich in die spanische Exklave, um sich vor Ort ein Bild von der Lage zu machen.
Die luxuriöse Villa "La Mareta", in der er nun Urlaub macht, wurde ursprünglich für König Hussein von Jordanien erbaut und Ende der 1980er-Jahre dem spanischen König Juan Carlos I. geschenkt. Dieser stellte sie 1989 dem spanischen Staat als offizielle Residenz zur Verfügung. Der nachfolgende König Felipe VI. ordnete 2015 an, dass "La Mareta" nicht mehr primär als königliche Ferienresidenz, sondern als diplomatischer und touristischer Ort genutzt werden sollte.
In der Vergangenheit übernachteten dort bereits zahlreiche Staats- und Regierungschefs – darunter die deutschen Bundeskanzler Helmut Kohl und Gerhard Schröder oder der ehemalige KP-Vorsitzende der Sowjetunion, Michail Gorbatschow.
Spanien wählt 2027 ein neues Parlament
Der Sozialist Sánchez ist seit 2018 Regierungschef. Er kam durch ein erfolgreiches Misstrauensvotum gegen seinen Vorgänger Mariano Rajoy an die Macht. Allerdings führt er Spanien in einer der prekärsten Regierungskonstellationen der jüngeren Geschichte: Seine Minderheitsregierung ist seit dem Rückzug der formellen Unterstützung durch die katalanische Partei Junts auf Ad-hoc-Deals mit Kleinparteien angewiesen. Zudem steht er wegen Korruptionsskandalen im Umfeld seiner Partei und gescheiterter Haushaltsverhandlungen in der Kritik.
Spanien wählt 2027 ein neues Parlament. Sánchez selbst hat angekündigt, erneut anzutreten – ob er bis dahin durchhält, hängt von der Frage ab, ob seine Partner ihm nach den verlorenen Regionalwahlen im ersten Halbjahr weiter die Stange halten.
Die konservative Oppositionspartei PP führt in aktuellen Umfragen mit rund 32 Prozent. Sánchez linke Regierungskoalition aus Sozialisten (PSOE - rund 27 Prozent) und der Sumar-Bewegung (rund 6 Prozent) käme laut aktuellen Umfragen zusammen auf rund 34 Prozent und hat somit keine Mehrheit.
