Ukraine-Krieg aktuell: Ex-Armeechef überrascht mit Einschätzung

Newsblog zum Krieg in der Ukraine Ex-Armeechef Saluschnyj überrascht mit EinschätzungVon S. Cleven, J. Seiferth, F. Michalski, C. Siemer, A. Janzen, C. Cöln, T. Wanhoff, M. Küper, J. Hartung, M. Kloft, J. Fisch...

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Ukraine-Krieg aktuell: Ex-Armeechef überrascht mit Einschätzung

Newsblog zum Krieg in der Ukraine

Ex-Armeechef Saluschnyj überrascht mit Einschätzung

Von S. Cleven, J. Seiferth, F. Michalski, C. Siemer, A. Janzen, C. Cöln, T. Wanhoff, M. Küper, J. Hartung, M. Kloft, J. Fischer


Aktualisiert am 04.08.2026 - 07:56 UhrLesedauer: 7 Min.

Kiew sucht eine neue Vertretung in den USA. Die ukrainischen Drohnenangriffe treffen erneut Wildberries-Lagerhallen. Alle Entwicklungen im Newsblog.

Dienstag, 4. August

Russland: Haben vier von Ukraine genutzte Frachter angegriffen

Russland hat nach eigenen Angaben vier vom ukrainischen Militär genutzte Frachtschiffe angegriffen. Am Montagabend seien zwei Trockenfrachtschiffe in den ukrainischen Häfen Mykolajiw und Piwdennyj getroffen worden, teilt das Verteidigungsministerium in Moskau mit. Zwei weitere Schiffe, die Waffen und militärische Ausrüstung transportiert hätten, seien südlich von Odessa beschossen worden.

Zudem seien in Tschornomorsk im Zuge der Angriffe eine Fabrik für Autoteile und ein Hafenterminal getroffen worden. Dort hätten die ukrainischen Streitkräfte Militärfahrzeuge repariert sowie Munition und Treibstoff gelagert. Unabhängig überprüfen lassen sich solche Angaben zum Kampfgeschehen nicht.

Drohnenangriffe auf Wildberries-Hubs nahe Moskau und St. Petersburg

Die ukrainische Armee startete in der Nacht zu Dienstag weitere Angriffe auf Logistikzentren des russischen Versandhändlers Wildberries. Nach Angaben der Zeitung "Kyiiv Independent" unter Berufung auf russische Telegram-Kanäle wurden dabei Hubs in Tschechow nahe Moskau sowie Krasny Bor nahe St. Petersburg getroffen. Entsprechende Bilder und Videos kursierten in sozialen Medien.

Seit Mitte Juli wurden nach Angaben russischer Behörden mehr als 20 Standorte von Wildberries in verschiedenen Teilen Russlands und auf der Krim angegriffen. Wildberries ist eine der größten Onlinehandelsplattformen Russlands und wird wegen seines breiten Angebots und seines Liefernetzes häufig als "russisches Amazon" bezeichnet. Es übernimmt wichtige Lieferungen für russische Unternehmen und das russische Militär.

Ex-Militärchef Saluschnyj hält Nato-Beitritt der Ukraine für ausgeschlossen

Der ehemalige Oberbefehlshaber der ukrainischen Armee, Walerij Saluschnyj, sieht keine Aussicht auf einen Nato-Beitritt seines Landes. "Leider werden wir niemals wirklich beitreten", wurde der jetzige Botschafter in Großbritannien am Montag vom Medium "Evropeiska Pravda" zitiert. Er habe dies bei einem Treffen ukrainischer Botschafter gesagt. "Ich kenne die Nato sehr gut. Etwa zwölf Jahre lang habe ich persönlich daran gearbeitet, sicherzustellen, dass wir die Nato-Standards erfüllen, und jedes Jahr habe ich Märchen darüber gehört, wie wir jeden Tag der Nato beitreten würden."

Saluschnyj begründete seine Einschätzung damit, dass die Ukraine die militärischen Standards für einen Beitritt in keiner Weise erfülle. Es sei "unmöglich, mit dem Entwicklungsstand der ukrainischen Streitkräfte ... einer Organisation beizutreten, die sich von Doktrinen des Zweiten Weltkriegs leiten lässt". Dem Land fehle die Technologie, die in den Nato-Mitgliedstaaten bereits im Einsatz sei, darunter Raketenabwehr und Weltraumfähigkeiten.

Das strategische Ziel der Mitgliedschaft in der Nato und der Europäischen Union ist in der ukrainischen Verfassung verankert. Saluschnyj war 2024 wegen Meinungsverschiedenheiten mit Präsident Wolodymyr Selenskyj über die Kriegsführung gegen Russland als Oberbefehlshaber entlassen worden. Meinungsumfragen zum Vertrauen der Wähler sehen ihn etwa auf Augenhöhe mit Selenskyj. Russland lehnt eine ukrainische Nato-Mitgliedschaft kategorisch ab.

Montag, 3. August

Türkisches Schiff im Schwarzen Meer von Drohnen angegriffen

Bei einem Drohnenangriff auf ein türkisches Frachtschiff im Schwarzen Meer sind nach Regierungsangaben mindestens drei Seeleute schwer verletzt worden. Der Angriff traf das Schiff "Nadeschda" etwa 20 Seemeilen (37 Kilometer) vom russischen Hafen Noworossijsk entfernt auf der Fahrt nach Samsun in der Türkei. Das teilte die türkische Generaldirektion für Seeverkehr nach Presseberichten mit.

Die Behörde legte sich zur Herkunft der Drohnen nicht fest. Türkische Medien berichteten unter Berufung auf den Kapitän, mehrere ukrainische Drohnen hätten das unter der Flagge von Kamerun fahrende Schiff angegriffen. Den Angaben nach brach ein Brand an Bord aus. Alle 23 Seeleute seien von der russischen Marine nach Noworossijsk in Sicherheit gebracht worden. Die Ukraine und Russland haben in den vergangenen Wochen die gegenseitigen Angriffe auf den Schiffsverkehr im Schwarzen Meer verstärkt.

Selenskyj entlässt Botschafterin in Washington

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat die Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, von ihrem Amt entbunden. Das Präsidialamt in Kiew veröffentlichte den Erlass mit der Veränderung auf dem für die Ukraine überragend wichtigen Posten in Washington. Die frühere Vizeministerpräsidentin Stefanischyna schrieb auf Facebook, sie habe selbst um ihre Entlassung gebeten.

Mit Berichten über eine mögliche Ablösung der Botschafterin hatte in Kiew Mitte Juli Selenskyjs jüngste Regierungsumbildung begonnen. Nachfolgerin hätte demnach die abgelöste Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko werden sollen, die den Posten aber Medienberichten zufolge abgelehnt hat. Derzeit ist über eine Nachfolgeregelung nichts bekannt.

Sowohl Stefanischyna in Washington als auch Swyrydenko von Kiew aus ist es gelungen, einen guten Draht zur Führung von US-Präsident Donald Trump zu halten – trotz der wechselhaften Ukraine-Politik der US-Regierung. Zuletzt versprach Trump der Ukraine eine Lizenz zum Bau von Patriot-Flugabwehrraketen, stellte seine Zusage aber wenig später wieder infrage.

Selenskyj macht Druck auf seine Botschafter

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will Russland bis Herbst so unter Druck zu setzen, dass es einem Ende des Krieges zustimmt. Wann genau dies sein werde, lasse sich nicht vorhersagen, sagte Selenskyj vor den versammelten Botschaftern der Ukraine in Kiew. Ukrainische Drohnenangriffe auf mittlere und lange Distanz, Sanktionen des Auslands und diplomatische Anstrengungen müssten zusammenwirken, "um Russland keine Alternative zu einem Frieden zu lassen", sagte er. "Wir werden hart daran arbeiten, damit das bis zum Herbst passiert."

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Gleichzeitig richtete sich Selenskyj aber auf einen weiteren Kriegswinter ein. Den Diplomaten seines Landes erteilte er den Auftrag, die notwendige technische Unterstützung und Waffen bei den ausländischen Partnern zu organisieren. "Jeder Botschafter muss Waffen für die Ukraine auftreiben." Als wichtiges internationales Projekt der Ukraine nannte er die gemeinsame Entwicklung des Raketenabwehrsystems Freyja mit europäischen Partnern.