Ukrainerin in Hessisch Lichtenau: „Ich konnte kaum glauben, dass mir solches Glück zuteil wurde"

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Ukrainerin in Hessisch Lichtenau: „Ich konnte kaum glauben, dass mir solches Glück zuteil wurde"

Stand: 16.07.2026, 13:32 Uhr

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Die Ukrainierin flüchtet im August 2023 vor dem Krieg und kam so nach Hessisch Lichtenau. Dafür ist sie sehr dankbar.

Verliebt in ihre neue Heimat: Die Ukrainerin Olha Iliuk ist sehr dankbar, in Hessisch Lichtenau gelandet zu sein. © Evelyn Ludolph

Olha Iliuk floh im Juli 2023 vor dem Krieg in der Ukraine und landete in Hessisch Lichtenau. Die 47-Jährige will jetzt ein Buch über ihre neue Heimat schreiben.

Hessisch Lichtenau – Auf der Flucht vor dem Krieg in der Ukraine verschlug es Olha Iliuk nach Hessisch Lichtenau. Heute ist die Ukrainerin sehr dankbar, dass sie im Werra-Meißner-Kreis aufgenommen worden ist, und fühlt sich hier wohl. Im Gespräch mit unserer Zeitung hat sie uns ihre Geschichte erzählt.

Im Juli 2023 kam Iliuk nach Deutschland. Zunächst wohnte sie in einem Flüchtlingslager im hessischen Alsfeld. „Von dort wurde ich nach Hessisch Lichtenau verteilt“, berichtet Iliuk, wo sie in der Gemeinschaftsunterkunft auf dem Gelände der Blücherkaserne untergekommen ist. „Ich habe Hessisch Lichtenau vorher nicht gekannt, es hat mich sehr überrascht“, sagt die 47-Jährige. „Zuerst konnte ich kaum glauben, dass mir ein solches Glück zuteil wurde und ich ausgerechnet in Hessisch Lichtenau gelandet bin – dort, wo die Legende von Frau Holle auf ihren eigenen Pfaden, im Frau-Holle-Park und an vielen anderen Orten, noch so lebendig und greifbar ist“, sagt sie.

Schon mit vierzehn Jahren träumte Iliuk vom Leben in Deutschland. „Auch wenn der traurige Anlass meiner Ankunft – der Krieg in der Ukraine – mich jeden Tag durch Nachrichten aus der Heimat schmerzlich erinnert, zeigte mir gerade dieses Schicksal, dass mein Traum Wirklichkeit geworden war“, sagt die Ukrainerin.

Ankommen in Deutschland nicht leicht

Dabei war das Ankommen in Deutschland nicht immer einfach. „Früher wusste ich nicht, was Migration wirklich bedeutet.“ In ihrer Heimat habe sie praktisch keine Migranten gesehen, abgesehen von ausländischen Studenten aus Indien und Afrika. Nun ist sie selbst Migrantin. Damit gelten neue Lebensregeln, neue Menschen umgeben Iliuk und sie muss eine neue Sprache lernen – all das faszinierte sie von Anfang an. „Besonders berührte mich, wie viel Herzlichkeit und Unterstützung mir entgegengebracht wurde, sowohl von der Awo als auch von anderen Migranten“, sagt Iliuk.

Zunächst vermutete Iliuk noch, Glück zu haben. „Doch es stellte sich heraus, dass genau hier, in Hessisch Lichtenau und im Werra-Meißner-Kreis, besonders im Jobcenter in Witzenhausen, echte Anteilnahme und Empathie gegenüber den Menschen herrschen“, ist die 47-Jährige überzeugt und ergänzt: „Das ist geradezu das Markenzeichen dieser Region – die Fähigkeit, echte Fürsorge zu zeigen.“

Iliuk selbst hat schon einiges erlebt – allein schon beruflich. Als Journalistin hat sie für ukrainische Zeitungen gearbeitet sowie in einem Fernsehstudio. Zudem studierte sie an der Akademie für Staatsverwaltung und machte unter anderem ein Praktikum im Sekretariat des Ministerkabinetts der Ukraine. Auch arbeitete sie in der Bezirksverwaltung und in der Partei „Jedynyj Zentr“.

Dann erkrankte ihr Vater 2008 an Krebs. Olha Iliuk zog deswegen aus Kiew zurück in ihre kleine Heimatstadt, in der es keine Stellen für Journalisten gibt. So wechselte Iliuk die Branche, arbeitete als Buchhalterin im Krankenhaus, anschließend im Czernowitzer Lyzeum und schließlich in einem Kindergarten.

Im Hotel arbeiten ist ihr Traumjob

In Deutschland würde sie nun auch gerne arbeiten, allerdings sind ihre Sprachkenntnisse noch nicht ausreichend. Die B1-Prüfung hat sie bereits bestanden, die B2-Prüfung jedoch noch nicht geschafft. Ihr Ziel ist es nun, weiter zu üben, bis sie im Hotel arbeiten kann. „Ich bin sehr kundenorientiert. Deshalb denke ich, dass mir die Arbeit im Hotel gefallen könnte“, sagt die 47-Jährige.

Abseits von der Arbeit ist sie kreativ. Neben dem Malen mit Plastilin, also Knetmasse, schreibt sie Gedichte und Romane. In der Ukraine hat sie zwei Bücher veröffentlicht. Ein Gedichtband mit dem Namen „Der Weg der Rose“ und einen Roman „Die Wunderhände“, in dem es um die innere Welt zweier Künstler geht. Auch ein Buch über ihre neue Heimat Hessisch Lichtenau kann sich Iliuk vorstellen. Dort könnte sie auf Deutsch ihre Erfahrungen im künstlerischen Stil verarbeiten. (Evelyn Ludolph)