Verdener Kaserne lag einst vor der Stadt – alte Karten zeigen die Entwicklung

Das Katasteramt Verden bewahrt historische Karten, die zeigen: Die heutige Kaserne am Holzmarkt stand vor 200 Jahren noch außerhalb der Stadt. Damals hieß das Gelände „Vor dem Osterthore" – drumherum nur vereinzelte Häuser.

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Verdener Kaserne lag einst vor der Stadt – alte Karten zeigen die Entwicklung

Stand: 20.07.2026, 06:30 Uhr

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alte Karte

Der Bau staatlicher Gebäude beschleunigte den Stadtausbau in vergangenen Jahrhunderten. Die Holzmarkt-Kaserne lag ursprünglich deutlich vor dem Osterthore, wie es heißt. © Kracke

Das Katasteramt Verden bewahrt historische Karten, die zeigen: Die heutige Kaserne am Holzmarkt stand vor 200 Jahren noch außerhalb der Stadt. Damals hieß das Gelände „Vor dem Osterthore" – drumherum nur vereinzelte Häuser.

Verden – Sie gewähren tiefe Einblicke in Verdens Stadtentwicklung, die uralten Karten, allesamt noch gut erhalten. Jene vom heutigen Holzmarkt beispielsweise, die in den Archiven des Katasteramtes schlummert, das dieser Tage das 150. Jubiläum begeht. „Vor dem Osterthore“ hieß das skizzierte Gelände damals, und das war wörtlich zu nehmen. Nicht in, sondern vor der Stadt lag sie, die Kaserne, die bereits knapp 200 Jahre alt ist, vor der Stadt auch die Eisenbahnlinie, die um 1848 in die Landschaft gesetzt wurde. Um beides herum nur ganz vereinzelte Häuser. Die Hohe Leuchte war noch als schnöder Feldweg tituliert, der Brunnenweg begann nahezu an der Zollstraße. Ulanenstraße? Lindhooper Straße? Alles noch nicht erfunden.

Altes Backsteinhaus

Vor knapp 140 Jahren als Standort der Lehrer-Ausbildung errichtet, seit 100 Jahren Heimat des Katasteramtes: das Behördenhaus an der Eitzer Straße. © Kracke

Dafür galten die Karten schon als maßstabsgetreu. Erst kurz vor Eröffnen des ersten Katasteramtes zog der Meter als Einheit in die Skizzen ein. Bis dahin quälten sich die Staatsdiener mit krummen Werten. In Hannover etwa machten 12 Zoll einen Fuß aus, knapp 30 Zentimeter; 16 Fuß ergaben eine Rute, und die hannoversche Quadratrute kam auf 21,8 Quadratmeter. „Das erklärt heute noch die zuweilen ungewöhnlichen Maßstäbe, die auf den Karten ausgewiesen sind“, sagt die heutige Katasteramtsleiterin Marion Schwacke.

Ihr allererster Vorgänger war der Katasteramtskontrolleur Meiners, und der unterhielt seine Amtsstube am Rande der Stadt, wie er damals meinte. Im jetzigen Landgericht hatte er sein Revier bezogen. Bis ins Behördenhaus an der Eitzer Straße war es noch ein 50 Jahre andauernder Weg. Wieder so ein Beispiel für die treibenden Kräfte beim Ausweiten der Stadt. Mitten in die unbebaute Landschaft wurde das mächtige Behördenhaus im Jahr 1891 gesetzt, als Lehrerseminar diente es. Volksschullehrer erhielten ihren letzten Schliff. Erst vor hundert Jahren zogen die Katasterbeamten hier ein. Ihre Zahl wuchs durchaus. Zehn bis zwanzig Beamte mögen es schon gewesen sein, die hier um das Jahr 1930 herum in Lohn und Brot standen. Das ergibt sich aus den Entlassungen, die die britischen Streitkräfte nach Ende des zweiten Weltkriegs tätigten. Bis in die 80er-Jahre stieg die Zahl der Katasteramts-Mitarbeiter auf landesweit rund 6.000, heute sind es noch 1.600.

Die Aufgaben wandelten sich rasch. Das Steuerkataster übernahmen andere, das Katasteramt lieferte zunehmend Daten für die auch heute noch sehr enge Zusammenarbeit mit den Grundbuchämtern bei den Amtsgerichten. Sehr früh schon wurden die Katasterämter angewiesen, für die Aufgaben der Besteuerung Kauf- und Pachtpreise von Grundstücken zu sammeln und seit 1928 war den Katasterämtern die Erstattung von Gutachten und gutachtlichen Äußerungen als amtliche Arbeiten zugewiesen. Vor 50 Jahren zog die elektronische Datenverarbeitung (EDV) ein.

Auch heute landen sämtliche Gebäude und Flurstücke mit ihren Grenzpunkten aktuell und penibel im Liegenschaftskataster. Damit wird sichergestellt, dass zum Beispiel niemand ein falsches Grundstück verkauft, ein Haus an der falschen Stelle baut oder einfach eine Grundstücksgrenze verschiebt. Basis aller Arbeiten ist jetzt das Amtliche-Liegenschaftskataster-Informationssystem ALKIS. Dort werden jede Hausecke, jeder Grenzstein, jeder Teich und vieles mehr als sogenannte Objekte geführt. In Niedersachsen gibt es Abermillionen solcher digitalen Objekte, die gepflegt werden wollen. All diese Punkte dienen in verschiedenen Kombinationen als Grundlage analoger und digitaler Karten, die wiederum dafür sorgen, dass beispielsweise Navigationssysteme, Polizei, Feuerwehren, Rettungsdienste, Energieversorger und viele andere mit präzisen Kartengrundlagen arbeiten können.

Und dann arbeitet doch wieder alle Welt nur mit Google-Maps und ähnlichen Systemen? Mag sein, eine Besonderheit gibt es aber dennoch. Der Internet-Riese verspricht per Klick Satellitenbilder. Das trifft nicht ganz zu. Tatsächlich verwendet werden aber Luftbilder der Katasterbehörden. „Sonst wäre beim Hineinzoomen die Auflösung zu gering“, sagt Schwacke. Demnächst sei das Foto-Flugzeug wieder über dem Landkreis Verden unterwegs.