Verein will Strafanzeige wegen Mountainbike-Weg in Kreuth erstatten

Die Gemeinde Kreuth hat einen steilen Abschnitt der Erzherzog-Johann-Klause zum Forstweg ausgebaut. Der Verein Wildes Bayern wirft ihr nun massive Umweltschäden in einem Schutzgebiet vor.

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Verein will Strafanzeige wegen Mountainbike-Weg in Kreuth erstatten

Stand: 05.08.2026, 07:30 Uhr

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Zerstörter Trail zur Erzherzog-Johann-Klause

Verbreitert und aufgeschottert wurde der Weg ab der Bayralm in Richtung Süden. Auf diesem Bild könne man auf der Hangseite ganz klar die Entnahme von Material für den Wegebau erkennen, erklärt der Verein Wildes Bayern. © Wildes Bayern

Die Gemeinde Kreuth hat einen steilen Abschnitt der Erzherzog-Johann-Klause zum Forstweg ausgebaut. Der Verein Wildes Bayern wirft ihr nun massive Umweltschäden in einem Schutzgebiet vor.

Kreuth – Der Radrundweg von der Valepp über die Erzherzog-Johann-Klause zur Bayralm nach Kreuth und Rottach-Egern gehört wohl zu den meistbefahrenen Strecken im Tegernseer Tal. Ein schmales Teilstück, das von der Bayralm in Richtung Süden führt, hatte es für manche Radler allerdings in sich: Viele konnten den teils sehr steilen Abschnitt nur schiebend überwinden. „Bei der Gemeinde sind immer wieder Beschwerden über den schlechten Zustand eingegangen“, sagt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU). Die Gemeinde ließ den Weg daher instandsetzen, aufschottern und verbreitern.

Maßnahmen wohl größer als abgesprochen

Wie das Landratsamt auf Nachfrage mitteilt, habe es bereits im Vorfeld einen Ortstermin mit einem Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) gegeben. „Bei diesem wurden die Sanierung des Steilstücks der Strecke unmittelbar vor der Landesgrenze sowie zu glättende Teilstücke im Bereich des Bayerbachtales aus naturschutzfachlicher Sicht als Verbesserungsmaßahmen für den Wegeunterhalt eingestuft und genehmigt“, so eine Sprecherin. „Der Umfang der tatsächlich durchgeführten Maßnahmen ging jedoch über die Absprache mit der UNB hinaus. Hier steht die UNB aber bereits mit der Gemeinde Kreuth in Kontakt.“ Ob tatsächlich Umweltschäden entstanden sind, dazu könne sich die UNB derzeit noch nicht äußern.

Doch nicht alle freuen sich über den neuen Komfort. Wie Leserbriefe in der Tegernseer Zeitung zeigten, bedauern einige Nutzer die Tatsache, dass der schmale Pfad – unter ambitionierten Mountainbikern als kleine Herausforderung geschätzt – zur Forststraße umgebaut wurde. Auch der Verein Wildes Bayern, eine anerkannte Umweltschutzorganisation mit Sitz in Miesbach, sieht hier einen „touristisch bedeutsamen Single-Trail“ unwiderbringlich zerstört. In erster Linie aber beklagt der Verein massive Umweltschäden, die durch den Wegebau entstanden seien.

„Die Vegetation entlang des Bachs und am Hang wurde komplett zerstört“, sagt Wildes-Bayern-Vorsitzende Christine Miller. Geschützte Arten und Biotope sowie eine Reihe seltener Vogelarten seien durch den „08/15-Straßenbau“ massiv geschädigt worden. „Hier ist überhaupt nicht nachgedacht worden“, zürnt Miller. In einem ausführlichen Dossier legt die Vorsitzende dar, dass der gesamte betroffene Wegeverlauf im FFH- und Natura-2000-Schutzgebiet „Mangfallgebirge“ liege. Miller sieht daher durch den Wegebau Straftatbestände gemäß dem Naturschutzgesetz erfüllt, „die wir umgehend anzeigen werden“.

Dabei allein will es der Verein aber nicht belassen: Nachdem sie bereits bei der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Landratsamtes wegen der Genehmigung nachgehakt hatte, wandte sich Miller mit der Angelegenheit auch an die Regierung von Oberbayern. Weil sie durch die Zerstörung des Single-Trails für die Radler zudem einen Schaden für die gesamte Tourismusregion sieht, will sie auch die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) und den Deutschen Alpenverein (DAV) einschalten. Ein derartiges Vorgehen, sagt Miller, sollte nicht nur für den verantwortlichen Bürgermeister juristische und politische Folgen haben, sondern müsse auch zu einer Aberkennung des Gütesiegels „Bergsteigerdorf“ führen.

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Bürgermeister Bierschneider erklärt auf Nachfrage, dass im Rathaus bislang nur zwei Beschwerden wegen der Sanierung des Weges eingegangen seien – „aber zahlreiche positive Rückmeldungen von Bürgern, die sich bedankt haben, dass die Gemeinde den Weg wieder instandgesetzt hat“. Bei der Strecke handle es sich um einen ehemaligen Rückeweg, der immer schon eine gewisse Breite gehabt habe, um dort auch Holz transportieren zu können, sagt Bierschneider. Von einem ehemaligen Single-Trail könne seiner Ansicht nach nicht die Rede sein. Im Übrigen sei der Weg vor gut 20 Jahren schon einmal saniert worden. „Er ist seitdem aber ziemlich ausgeschwemmt worden.“ Die Frage, inwieweit die UNB am Landratsamt in den Wegebau involviert gewesen war, beantwortet Bierschneider so: „Im Vorfeld der Maßnahme gab es Kontakt mit der Unteren Naturschutzbehörde.“

Der Bürgermeister zeigt sich angesichts der Entwicklung ein Stück weit resigniert. Als öffentliche Verwaltung habe man heutzutage die Wahl, meint Bierschneider: Entweder lasse man Beschwerden über sich ergehen, weil die Infrastruktur in schlechtem Zustand sei. Oder man nehme Beschwerden von Leuten hin, die sich an den Auswirkungen einer Instandhaltungsmaßnahme stören. Bei fast allen Projekten gebe es in der heutigen Zeit Befürworter und Gegner – „und vielfach ist es so, dass jede Seite nur ihre Meinung als die einzig richtige ansieht und nicht mehr bereit ist, auch die Sichtweise der anderen Seite zu hören oder darüber nachzudenken“.

Vertreter der Unteren Naturschutzbehörde haben sich mittlerweile vor Ort ein Bild von der Sanierungsmaßnahme gemacht.