Zu wenig Futter: Viehbauern ringen mit „historischer Dürre“
Der Klimawandel, der sich seit Monaten durch anhaltende Dürre und seit Wochen durch teils extreme Hitze zeigt, wird für die heimische Landwirtschaft zu einer wirtschaftlichen Gefahr. Davor warnten am Montag Umwelt- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Landwirtschaftskammer-Chef Josef Moosbrugger (beide ÖVP). Viehbauern müssen bereits teilweise das Winterfutter verfüttern.
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Zu wenig Futter
Der Klimawandel, der sich seit Monaten durch anhaltende Dürre und seit Wochen durch teils extreme Hitze zeigt, wird für die heimische Landwirtschaft zu einer wirtschaftlichen Gefahr. Davor warnten am Montag Umwelt- und Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig und Landwirtschaftskammer-Chef Josef Moosbrugger (beide ÖVP). Viehbauern müssen bereits teilweise das Winterfutter verfüttern.
Online seit heute, 19.27 Uhr
Die „anhaltende Dürre infolge des Klimawandels“ stelle die österreichische Landwirtschaft vor eine „historische Belastungsprobe“, so Totschnig und Moosbrugger in einer gemeinsamen Aussendung. Das erste Halbjahr 2026 war demnach das zweittrockenste seit Beginn der Messungen. In Niederösterreich, Oberösterreich und Salzburg sei sogar das trockenste erste Halbjahr überhaupt verzeichnet worden.
Steigende Temperaturen und höhere Verdunstung würden die Auswirkungen noch zusätzlich verschärfen. 2026 könne als neues „Rekord-Dürrejahr in die Geschichte eingehen“, sollte die Trockenheit anhalten.
Besonders bei Heu droht in vielen Regionen bis zur Hälfte der Ernte auszufallen. Viele Betriebe mussten bereits auf ihre Winterfutterreserven zurückgreifen. Sie müssten nun zusätzlich Futter für den Winter zukaufen. Doch die Dürre in weiten Teilen Europas erschwert und verteuert auch den Zukauf von Futter.
Kühe müssen im Stall bleiben
Die Interessengemeinschaft (IG) Milch sieht die Existenz von Milchbauern gefährdet. Der Obmannstellvertreter der IG-Milch aus Pram (Oberösterreich), Andreas Hetzlinger, sprach von einer bisher nicht erlebten Situation. Laut IG Milch sind vor allem Milchviehbetriebe in Salzburg, Oberösterreich und Niederösterreich betroffen – mehr dazu in noe.ORF.at.
Wegen der Hitze und der anhaltenden Trockenheit wachse auf vielen Weiden kaum noch Futter, so Hetzlinger. Die Kühe blieben deshalb im Stall und fräßen bereits jetzt Heu, das eigentlich für den Winter vorgesehen sei – mehr dazu in ooe.ORF.at.
Totschnig will Futtermittelbörsen ausbauen
Totschnig und Moosbrugger verwiesen auf die wichtige Funktion der Futtermittelbörsen. Diese will Totschnig besser miteinander vernetzen und ausbauen. Totschnig kündigte „ehestmögliche Maßnahmen“ in Absprache mit der Bauernkammer und den Ländern an. Beide verwiesen auch auf die Bedeutung der in Österreich existierenden Dürreversicherungen, die von den Bauern offenbar gut angenommen wird.
Totschnig sprach von einem „absoluten Ausnahmejahr“. Eine Trockenperiode dieser Art habe Österreich „noch nie erlebt“, so der Minister. Das Ministerium beobachte die Lage genau und arbeite auch an langfristigen Maßnahmen zur Klimawandelanpassung für die Landwirtschaft. Moosbrugger wiederum forderte angesichts der Dürrefolgen ein „konkretes Maßnahmenpaket“, ohne Details zu nennen.
Tipps für betroffene Betriebe
Auf ihrer Website versucht die Landwirtschaftskammer konkrete Tipps für betroffene Betriebe zu geben. Diese reichen von Nachsaat der ausgetrockneten Wiesen (auch um Aufkommen von Unkraut zu verhindern) über den Anbau rasch wachsender Zwischenfruchtmischungen bis hin zu Änderungen bei der Fütterung und Hinweisen beim Ankauf von Futter.
Grüne fordern Krisenstab
Kritik an Totschnig gab es von den Grünen. Dieser könne die Situation nicht einfach weiter „aussitzen“. Die Grünen fordern die Einsetzung eines Krisenstabs. Totschnig müsse die Bäuerinnen und Bauern bei der Anpassung an den Klimawandel unterstützen – „etwa durch besseren Bodenschutz, den Erhalt von Wasser in der Landschaft und Investitionen in eine klimafitte Landwirtschaft“. „Jeder weitere verlorene Sommer macht die Situation für unsere Landwirtschaft dramatischer“, so die grüne Landwirtschaftssprecherin Olga Voglauer.
Ruf nach anderer Form der Landwirtschaft
Klimaforscherinnen und -forscher fordern – angelehnt an die Pariser Klimaziele – eine starke Reduzierung der CO2-Emissionen im landwirtschaftlichen Sektor. Allein durch die Verringerung von Düngemitteleinsatz und den Einsatz regenerativer Landwirtschaft – etwa den Aufbau von Humusböden – ließen sich die CO2-Emissionen beträchtlich reduzieren.
Hier setzt international etwa die „4-Promille-Initiative“ an, die auf der Pariser Klimakonferenz 2015 ins Leben gerufen wurde. Der Initiative zufolge kann eine weltweite Steigerung des Humusgehalts im Oberboden um vier Promille die weltweiten CO2-Emissionen ausgleichen. Auch wenn die Umsetzung so völlig unrealistisch ist, zeigt sie die Rolle der Landwirtschaft auf. In Österreich arbeitet die Ökoregion Kaindorf in der Oststeiermark an der regionalen Umsetzung dieses Ziels.