„Vieles passiert im Hintergrund“: Fuldatals Bürgermeister über seine Gemeinde, Bauprojekte und neue Parteien

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„Vieles passiert im Hintergrund“: Fuldatals Bürgermeister über seine Gemeinde, Bauprojekte und neue Parteien

Stand: 22.07.2026, 06:04 Uhr

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Tore Florin, Bürgermeister Fuldatal, Sommerinterview 2026, Reinhardswaldschule

Wie geht es hier weiter? Die Zukunft der Reinhardswaldschule (Hintergrund) wird in der kommenden Zeit ein großes Thema für Fuldatals Bürgermeister Tore Florin werden. © Clara Pinto

Ein Träger aus dem Bereich sonderpädagogische Bildung will die Reinhardswaldschule nach der Schließung übernehmen. Das verrät Tore Florin unter anderem im Sommerinterview.

Fuldatal – Fuldatal steht vor wichtigen Entscheidungen: Von der Zukunft der Reinhardswaldschule über die Dorfentwicklung bis zu Investitionen in Straßen, Schwimmbad und Bauhof laufen zahlreiche Projekte. Im Interview spricht Bürgermeister Tore Florin (CDU) darüber, was hinter den Kulissen geschieht.

Zur Person

Tore Florin (50) war, bevor er 2024 zum Bürgermeister gewählt wurde, 30 Jahre lang Inhaber und Geschäftsführer eines Garten- und Landschaftsbaubetriebes. Kommunalpolitisch ist er allerdings schon viel länger unterwegs gewesen: Seit 1998 war er Mitglied der Fuldataler Gemeindevertretung, seit 2011 dort Vorsitzender der CDU-Fraktion. Zu seinen Hobbys gehören Sportboote, historische Fahrzeuge, Schießsport, wandern und laufen. Florin lebt mit Ehefrau Nadine und Tochter Greta in Ihringshausen.

Herr Florin, es entsteht der Eindruck, dass es in den vergangenen Monaten etwas ruhig um Ihre Gemeinde geworden ist. Ist das tatsächlich so?

Ich kann nachvollziehen, dass dieser Eindruck entsteht. Das liegt zum einen daran, dass ich bewusst nur noch Projekte und Vorhaben öffentlich mache, wenn sie wirklich belastbar feststehen – etwa wenn Förderzusagen vorliegen und die Umsetzung gesichert ist. Viele Projekte sind zwar längst geplant, aber solange wichtige Rahmenbedingungen noch offen sind, halte ich es für sinnvoll, nicht vorschnell Erwartungen zu wecken. Zum anderen brauchen viele Projekte heute einfach Zeit. Investitionen, Baumaßnahmen oder die Vermarktung von Grundstücken ziehen sich oft über Jahre, bis sie sichtbar werden. Insofern kann ich den Eindruck verstehen – tatsächlich passiert aber vieles im Hintergrund.

Welche Projekte werden Fuldatal denn in der nächsten Zeit beschäftigen?

Zum Beispiel die Sanierung der Friedhofshalle in Ihringshausen. Auch größere Vorhaben wie die Sanierung der Bergstraße in Simmershausen sind auf einem guten Weg. Die Planungen stehen, nun warten wir auf die Fördermittelzusage, denn eine Vorfinanzierung in dieser Größenordnung ist für die Gemeinde nicht möglich. Beim Waldschwimmbad verfolgen wir weiterhin das Ziel einer umfassenden Sanierung und haben erneut Fördermittel beantragt. Hinzu kommen zahlreiche Initiativen, die das Ortsbild und das Miteinander stärken – von der Aufwertung von Bolzplätzen und Grünflächen bis hin zu neuen kulturellen Angeboten.

Und wie geht es weiter mit der Reinhardswaldschule? Gibt es, nachdem angekündigt wurde, dass die Schule 2027 geschlossen wird, konkrete Überlegungen zur Nachnutzung?

Ja. Gemeinsam mit dem Land, dem Landkreis und der Stadt Kassel haben bereits Gespräche vor Ort stattgefunden. Aktuell gibt es einen besonders aussichtsreichen Interessenten aus dem Bereich der sonderpädagogischen Bildung und Betreuung. Vorgesehen ist, den Standort weiterhin schulisch zu nutzen und ihn durch Wohn- und Arbeitsangebote für Menschen mit Unterstützungsbedarf zu ergänzen. Das würde gut zum Gebäude passen und ist auch baurechtlich vergleichsweise unkompliziert. In den nächsten Monaten soll eine Grundsatzentscheidung fallen. Stadt und Landkreis haben großes Interesse an einer Lösung, weil der Bedarf an entsprechenden Schulplätzen hoch ist.

Das ist eine gute Nachricht für die Gemeinde, oder?

Absolut. Was ich von Anfang an vermeiden wollte, war, dass das Gelände verkommt.

Das Dorfentwicklungsprogramm läuft seit 2024: Wie geht es dort weiter?

Wir sind aktuell dabei, die Projekte der Dorfentwicklung in die Umsetzung zu bringen. Der Bolzplatz Wahnhausen wird gebaut, und beim Dorfgemeinschaftshaus Knickhagen startet in ein paar Wochen der Bau mit Gerüstbau und Entsorgung. Etwas später folgen der komplette Dachneubau und die Arbeiten am Dachstuhl. Die Ausschreibungen laufen bereits, und die Dorfgemeinschaft hat die Entkernung sowie die Sicherung der Küche in Eigenleistung abgeschlossen. Auch kleinere Projekte in den Ortsteilen gehen voran: Erste Förderbescheide liegen vor, sodass die Umsetzung starten kann.

Lassen Sie uns etwas politisch werden: Mit den Linken und den Freien Wählern sind zwei neue Gruppierungen in das Fuldataler Parlament eingezogen. Welche Impulse erwarten Sie von den neuen Gesichtern?

In der ersten Sitzung war spürbar, dass die neuen Fraktionen und Mitglieder mit viel Engagement und vielen Ideen an die Arbeit gehen. Ich halte es für richtig, dass Wähler diesen neuen Kräften die Möglichkeit gegeben haben, sich einzubringen. Wie bei allen neuen Mandatsträgern wird es darum gehen, Erfahrungen zu sammeln und sich in die bewährte, konstruktive Zusammenarbeit in Fuldatal einzufinden. Nicht jeder Antrag wird eine Mehrheit finden, aber jede Idee ist zunächst einmal ein Beitrag zur politischen Diskussion. Deshalb blicke ich der Zusammenarbeit mit allen Fraktionen und den vielen neuen Gesichtern in der Gemeindevertretung offen und zuversichtlich entgegen.

Aktuell wird die Einführung eines Jugendbeirats geprüft. Wann könnte Fuldatal ein solches Gremium bekommen?

Die Planungen laufen weiter, auch wenn die genaue Bezeichnung noch offen ist – vorläufig sprechen wir weiterhin von einem Jugendbeirat. Die ersten Veranstaltungen haben stattgefunden und die Ergebnisse werden derzeit ausgewertet. Ziel ist es, der Gemeindevertretung im September ein Konzept vorzulegen, wie Kinder und Jugendliche künftig an Entscheidungen beteiligt werden können. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Gremium eher offen und flexibel organisiert werden soll, statt mit festen Mitgliedschaften zu arbeiten. Geplant sind regelmäßige Treffen, bei denen sowohl neue Ideen eingebracht als auch über die Umsetzung früherer Vorschläge berichtet wird. Dabei haben wir gemerkt, dass wir Kinder und Jugendliche noch besser erreichen müssen – gemeinsam mit Schulen, Vereinen und anderen Partnern. Wenn die Gemeindevertretung den vorgeschlagenen Weg mitträgt, möchten wir die Beteiligung ab 2027 dauerhaft etablieren.

Wie ist der aktuelle Stand im Gewerbegebiet Ihringshausen-West? Wie viele Flächen sind noch verfügbar und wie läuft die Vermarktung?

Im neuen Teil des Gewerbegebiets sind die meisten Flächen bereits vergeben oder befinden sich kurz vor dem Vertragsabschluss. Eine Fläche ist bereits vollständig verkauft, mehrere weitere sind reserviert und die notariellen Kaufverträge werden derzeit vorbereitet. Für eine weitere Parzelle liegen aktuell zwei Bewerbungen vor. Die oberste Fläche halten wir vorerst für Gemeindezwecke zurück. Für die große, rund 40.000 Quadratmeter umfassende Fläche werden derzeit die Voraussetzungen für eine Vermarktung geschaffen. Abgesehen von diesem neuen Abschnitt ist das Gewerbegebiet vollständig vermarktet.

Zur Zukunft des Bauhofs läuft derzeit eine Studie, die klären soll, ob saniert oder neu gebaut werden kann. Welche Variante halten Sie für realistisch?

Die Studie soll zunächst objektiv klären, wie der aktuelle Zustand des Bauhofs ist und welcher zukünftige Bedarf besteht. Erst auf dieser Grundlage lässt sich seriös beurteilen, ob eine Sanierung am bestehenden Standort sinnvoll ist oder ob ein Neubau die bessere Lösung darstellt.

Persönlich sehe ich bei einer umfassenden Modernisierung eines über 100 Jahre alten Gebäudes erhebliche Herausforderungen. Um heutige Anforderungen an Energieeffizienz, Arbeitsschutz und Barrierefreiheit zu erfüllen, wären umfangreiche Eingriffe nötig. Hinzu kommt, dass eine Sanierung im laufenden Betrieb meist sehr aufwendig und teuer ist. Ein Neubau könnte da einfacher sein.

Letztlich werden wir aber die Ergebnisse der Studie abwarten und auf dieser Basis gemeinsam mit der Gemeindevertretung entscheiden.

Wir bleiben beim Thema Bauen: Das Seniorenwohnprojekt am Hasenstock hat sich mehrfach verzögert. Wann rechnen Sie mit dem tatsächlichen Baubeginn?

Aktuell liegen mir keine neuen konkreten Termine vor. Die Baugenehmigung ist da und das Grundstück wurde erworben. Deshalb bin ich selbst etwas überrascht, dass bislang noch keine sichtbaren Bauarbeiten begonnen haben. (Clara Pinto)

Die schnellen Sieben

Mit welchem Satz wollen Sie mal in der Gemeindechronik stehen? Er war definitiv ganz und gar Fuldataler.

Wenn ihre Gemeinde ein Promi wäre: Welcher und warum? James Bond. Er ist vielseitig, zielsicher, hat Charakter und den nötigen Charme.

Welche App würden Sie auf Ihrem Handy am meisten vermissen? Gar keine.

Was ist Ihr größter Hot Take, also Ihre unpopulärste Meinung? Menschen sind für sich und ihr Handeln selbst verantworltlich. Das vergessen viele.

Wenn Sie eine Zeitkapsel für die Einwohner in 100 Jahren packen dürften: Welche drei Dinge kämen hinein? Eine HNA, eine Tafel Schokolade und ein paar Fotos von besonderen Orten der Gemeinde.

Wenn Sie eine Straße nach einer Figur benennen dürften: Wer bekäme die Ehre? Helmut Schmidt oder Lucky Luke.

Was war Ihr peinlichster Mode-Fauxpas? Ein fürchterlich hässliches Hawaii-Hemd, das mittlerweile aussortiert wurde.