Vom Ballmädchen zur Siegerin: Kathi Weichsberger gewinnt 1974 ihr Heimturnier
Kathi Weichsberger wuchs neben dem Tennisplatz auf und durfte zweimal beim Schlierseer Turnier antreten. 1974 gewann sie als Lokalmatadorin das Finale – und ging damit in die Annalen des Turniers ein.
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Stand: 17.07.2026, 07:05 Uhr
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Kathi Weichsberger wuchs neben dem Tennisplatz auf und durfte zweimal beim Schlierseer Turnier antreten. 1974 gewann sie als Lokalmatadorin das Finale – und ging damit in die Annalen des Turniers ein.
Schliersee – Heutzutage ist das Schlierseer Tennisturnier um die Monte Mare Masters in der DTB-Premium-Tour angesiedelt, einem der höchstklassigen Preisgeldturniere in Deutschland und Sprungbrett für junge Talente. In früheren Zeiten schlugen Größen aus aller Welt an der Perfallstraße auf, brachten große Namen und bisweilen auch Glamour ins Schlierachtal. Mittendrin ein junges Mädchen, das am Schlierseer Tennisplatz aufgewachsen war, zweimal im Finale stand und dieses 1974 auch gewann: Kathi Weichsberger.
„Wir haben gleich neben dem Tennisplatz in der Perfall-Villa gewohnt“, erzählt ihre Schwester Gertrud Harrer von den Anfängen einer Leidenschaft, die die beiden Mädchen mit ganzem Herzen lebten, obwohl die Anfänge alles andere als einfach waren. Die Mama früh verstorben, der Vater alleinerziehend und die finanziellen Voraussetzungen nicht dazu geeignet, dass die Kinder das damals noch sehr elitäre Tennis hätten spielen können.
Die Weichsberger-Schwestern ließen sich davon nicht abhalten. „Wir haben immer auf der Straße Tennis gespielt“, erzählt Harrer, dass irgendwann jemand von der Gemeinde bei ihnen vorstellig wurde, weil das viel zu gefährlich sei. Den Tennisplatz betraten sie erstmals als Ballkinder. „Mit dem Bälle aufklauben sind wir reingewachsen“, beschreibt die ältere der beiden Schwestern den unter Schlierseer Kindern beliebten Zugang zum weißen Sport. Bei dem war lange selbst beim ganz normalen Tennisspielen auf jedem Feld ein Ballbub oder -mädchen fürs Einsammeln der Filzkugeln zuständig. „Fast wie in Wimbledon“, sagt die 73-Jährige lachend und erzählt, wie glücklich sie waren, als es doch mit eigenem Schläger und Tennisschuhen klappte.
„Mit dem Bälle-Aufklauben sind wir reingewachsen“, beschreibt die ältere der beiden Schwestern den unter Schlierseer Kindern beliebten Zugang zum weißen Sport. Bei dem war lange selbst beim ganz normalen Tennisspielen auf jedem Feld ein Ballbub oder -mädchen fürs Einsammeln der Filzkugeln zuständig. „Fast wie in Wimbledon“, sagt die 73-Jährige lachend und erzählt, wie glücklich sie waren, als es doch mit eigenem Schläger und Tennisschuhen klappte.
Die Schwestern waren nicht nur begeistert, sondern auch gut. Der Tennisplatz war ihr Leben. Dass Kathi zweimal beim Heimturnier antreten durfte, war eine besondere Ehre. Und sie rechtfertigte ihren Startplatz, zog beide Male ins Finale ein, das sie 1974 auch gewann. So ging die Lokalmatadorin neben Herren-Sieger Pavel Hutka, der damaligen Nummer fünf in Tschechien, in die Turnierannalen ein. Im Jahr darauf erreichte Kathi Weichsberger erneut das Finale, das allerdings Bärbel Madlindl gewann.
„Sie war die beste Spielerin, die Schliersee hatte“, sagt Harrer stolz. Ihre zwei Jahre jüngere Schwester wechselte früh zum damals rührigen TC Bad Wiessee, weil es in ihrem Heimatverein keine Frauenmannschaft gab. Mit den Wiesseerinnen wurde Weichsberger Bayerische Mannschaftsmeisterin. Danach ging sie zum TC Grün-Weiß Luitpoldpark, weil man der Bayerischen Juniorenmeisterin nahegelegt hatte, sich einem Klub mit guten Trainern und Fördermöglichkeiten anzuschließen. Zweimal hatte sie schon das große Sport-Scheck-Turnier gewonnen, das als der Treffpunkt der Talente galt und später auch von Steffi Graf gewonnen wurde.
So zogen die Schülerin und die junge Studentin nach München, wo die eine an die Uni ging, die andere neben dem Tennisspielen am Sophie-Scholl-Gymnasium ihr Abitur machte und im Anschluss ein Sportstudium begann. Kathi Weichsberger trainierte viel, spielte viel und erfolgreich und hatte schon ein Bein auf dem heiligen Rasen von Wimbledon, als sie an der allerletzten Qualifikationshürde scheiterte. Es sollte das kleinere Scheitern sein.
Denn während Kathi Weichsberger fürs Tennis brannte wie eh und je, machten Arm und Rücken nicht mehr mit. Nicht nur die Karriere, sondern auch das Sportstudium fanden ein jähes Ende. Zum Schlierseer Turnier ist sie nie mehr gekommen. Zu schmerzlich war der zerplatzte Traum – und Schwester Gertrud leidet noch heute mit ihr, wenn sie mit Interesse das Turnier verfolgt oder mit derselben Leidenschaft wie einst selbst auf dem Platz steht.