Von Meisterregisseur mit Starbesetzung: Einer der besten Western aller Zeiten läuft im Free-TV
tzStars & TVStand: 20.07.2026, 07:30 UhrKommentareUns auf Google folgenDer Mann, der Liberty Valance erschoss - Hallie (Vera Miles) kümmert sich rührend um den Neuankömmling Ransom Stoddard (James Stewart),...
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Stand: 20.07.2026, 07:30 Uhr
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„Wenn die Legende zur Wahrheit wird ...“: John Fords meisterlicher Abgesang auf den unschuldigen Mythos des Wilden Westens.
John Ford hat den Western groß gemacht. Und er hat ihn in seiner klassischen Erzählform zu Grabe getragen. „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ (Montag, 20. Juli, 20.15 Uhr, ARTE) zählt zu den seltenen Fällen der Filmgeschichte, in denen Höhepunkt und Abgesang eines Genres zusammenfielen. In nostalgischem Schwarz-Weiß gedreht, schildert Ford die Geburt der amerikanischen Zivilgesellschaft aus dem Geiste der Revolvermündung. Und vor allem: aus dem der Lüge. Vom Mythos Western bleibt am Ende der zweistündigen Produktion nicht viel mehr als ein schaler Nachgeschmack.

Ein einfacher erzählerischer Kniff ermöglicht es Ford, sich von der mythischen Verklärung des Westerns zu distanzieren. Der ergraute Senator Ransom Stoddard (James Stewart) kehrt mit seiner Frau Hallie (Vera Miles) in das Westernkaff Shinbone zurück. Eine Reise in die eigene Vergangenheit und in die der Vereinigten Staaten. Stoddard ist eine lebende Legende, seit er einst den tyrannischen Outlaw Liberty Valance erschoss. Ein in jeder Hinsicht zweifelhafter Ruhm, der jedoch eine politische Bilderbuchkarriere ermöglichte. Dass Wahrheit und Mythos aber nicht dasselbe sind, das erzählt er nun dem örtlichen Zeitungsreporter. Es ist eine Art Lebensbeichte.
Als junger Mann aus dem Osten kam er einst mit einem Packen Gesetzbücher im Reisegebäck in den Westen. „Anwalt des Rechts“ hatte er sich auf eine Holztafel geschrieben. Doch was nützen ihm Paragrafen, wenn Willkür und rohe Gewalt herrschen? Liberty Valance (Lee Marvin), der Freie, der Gesetzlose, prügelt und demütigt den kultivierten Advokaten, der sich seinen Unterhalt mit Küchenschürze als Tellerwäscher verdienen muss.
Abgesang auf die amerikanische Selbstverherrlichung
Valance steht für den gesetzlosen Wilden Westen, für das Recht des Stärkeren. Stoddard für Rechtstaatlichkeit, Demokratie und humanistische Bildung. Entschieden wird der Kampf zwischen alter und neuer Zeit aber nicht zwischen den beiden, sondern durch eine dritte Instanz: den kernigen Rancher Tom Doniphon (John Wayne), mithin dem einzigen Schützen, der es mit Valance aufnehmen kann.
Den klassischen Showdown, das vermeintlich ehrliche Duell Mann gegen Mann, entscheidet Doniphon unerkannt aus dem nächtlichen Hinterhalt. Ein Frevel, für den er teuer bezahlen muss. Stoddard erntet Ruhm und Verehrung, ja er schnappt seinem heimlichen Lebensretter sogar die Frau weg. Am Ende landet der Revolverheld, für den die neue Ära keine Verwendung mehr hat, aufgebahrt in einer schäbigen Holzkiste. Sogar die Stiefel und den Revolvergürtel haben sie ihm ausgezogen.
„Wenn die Legende zur Wahrheit wird, dann druck die Legende“, heißt es schließlich in einem meistzitierten Sätze der Westerngeschichte. Für eine Rehabilitierung des tragischen Schützen ist es Ford zu ernst mit seinem Abgesang auf die Grundfesten der amerikanischen Selbstverherrlichung. Es war der bis dato böseste, zynischste Western von einem seiner Meisterregisseure. Die unschuldige Schönheit der Prärie sucht man in den gedrängten Innenaufnahmen vergebens. Sie sollte nicht mehr wiederkehren. (Dieser Artikel entstand in Kooperation mit teleschau.)