Was Hessen im Kampf gegen Waldbrände künftig braucht - Feuerwehren fordern mehr Vorbereitung
Zahlreiche Waldbrände haben diesen Sommer die Feuerwehren in Hessen und darüber hinaus stark gefordert - und durch den Klimawandel dürfte die Belastungen weiter steigen. Hessen müsse sich besser rüsten, drängt daher der Landesfeuerwehrverband - und stellt konkrete Forderungen an die Politik.
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Bilanz des Sommers Waldbrand-Großlagen: Hessens Feuerwehren fordern bessere Vorbereitung
Zahlreiche Waldbrände haben diesen Sommer die Feuerwehren in Hessen und darüber hinaus stark gefordert - und durch den Klimawandel dürfte die Belastungen weiter steigen. Hessen müsse sich besser rüsten, drängt daher der Landesfeuerwehrverband - und stellt konkrete Forderungen an die Politik.
Löscharbeiten in dem brennenden Waldstück zwischen Bad Schwalbach und Hohenstein-Breithardt Bild © 5vision.news
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00:51 Min.|Stefanie Küster
Bild © hessenschau.de| zur Audio-Einzelseite
Waldbrände waren diesen Sommer allgegenwärtig: Warnmeldungen vibrierten auf den Smartphones - etwa weil Brandgeruch aus dem Hohen Venn und Nordrhein-Westfalen nach Hessen zog. Aus den Landkreisen Waldeck-Frankenberg, Kassel und Schwalm-Eder rückten Einsatzkräfte ins Sauerland aus, um überlastete Kollegen bei einem Flächenbrand zu unterstützen. Und auch in den Wäldern in Hessen selbst brannte es wieder und wieder.
Im Main-Kinzig-Kreis und im Taunus etwa rückten Feuerwehren zeitweise zu mehreren Waldbränden gleichzeitig aus. Anstrengende Monate liegen hinter den Brandbekämpfern - das lässt auch die Bilanz des Landesfeuerwehrverbands Hessen erkennen.
"Vegetationsbrandbekämpfung ist keine Randaufgabe mehr", heißt es dort. Solche Brände können über Stunden oder Tage Personal binden, Einsatzkräfte körperlich an ihre Grenzen bringen und ganze Regionen fordern. Die aktuellen Einsätze seien "ein deutlicher Auftrag, Vorsorge weiterzudenken". Deshalb fordern die Feuerwehren Bund, Land und Kommunen auf, sich selbst und ihre Feuerwehren besser vorzubereiten.
Klimawandel heizt Waldbrandgefahr an
"Wenn mehrere Brände gleichzeitig auftreten, geraten die Ressourcen Personal, Fahrzeuge und Spezialtechnik auch über Kreis- und Landesgrenzen hinweg unter erheblichen Druck", warnen die Feuerwehren - und solche Situationen könnten künftig zunehmen.
Der Klimawandel löse zwar selbst keine Waldbrände aus - Brandursache sei oft "menschliches Fehlverhalten". Aber er sorge dafür, dass Brände schneller entstehen und sich ausbreiten können: "Längere Hitze- und Trockenphasen lassen Böden und Vegetation austrocknen. Wind, schwer zugängliches Gelände und große Entfernungen zu Wasserentnahmestellen können die Brandbekämpfung zusätzlich erschweren."
Aus Sicht der Feuerwehren muss sich daher einiges ändern, um solchen Lagen auch künftig Herr werden zu können. Dass es in Hessen seit 2024 digitale Waldbrandeinsatzkarten gibt, sei ein Anfang. Auch die Ausrüstung sei in den vergangenen Jahren aufgestockt worden, lobt der Verband. Die Feuerwehren fordern aber viel mehr: Es brauche eine "kontinuierliche Vorbereitung in Städten, Gemeinden und Landkreisen".
Gemeinden sollen Risikogebiete kennen
Dabei gehe es nicht nur um Ausrüstung: Kommunen sollten ihre Risikogebiete kennen, deren Erreichbarkeit und mögliche Wasserentnahmestellen ausloten, kritische Infrastruktur schützen - und all dies immer wieder prüfen. Auch "befahrbare Waldwege, gekennzeichnete Rettungspunkte, zugängliche Wasserstellen und gepflegte Einsatzkarten" müssten Teil der Vorsorge sein.
Nicht jede Kommune brauche die selbe Ausstattung. Trotzdem fordert der Verband konkrete Einsatzmittel wie Geländefahrzeuge, leichte Löschtechnik, Schläuche, passende Schutzausrüstung und Digitalfunk.
Knackpunkt Wasserversorgung
Besonders wichtig seien "Löschwasserversorgung und Durchhaltefähigkeit". Wo Hydranten fehlen oder der Weg lang sei, brauche es "vorbereitete Wasserentnahmestellen, leistungsfähige Wasserförderung, mobile Speicher und abgestimmte Pendelverkehre". Außerdem müssten Verpflegung, Maßnahmen gegen Hitzebelastung, medizinische Absicherung sowie rechtzeitige Ablösungen organisiert sein.
Für sich selbst und andere Rettungskräfte bei THW, Rettungsdienst und Polizei fordern die Feuerwehren "praxisnahe Schulungen" - auch, damit die Helfer besser zusammenarbeiten. "Vegetationsbrände werden nicht allein an der Feuerlinie entschieden, sondern ebenso durch eine belastbare Logistik im Hintergrund", so die Bilanz und Mahnung der hessischen Feuerwehren.
Weitere Informationen
hr zeigt hessenschau extra zur Bilanz des Hitze-Sommers
Wie widerstandsfähig ist Hessen gegen die zunehmenden Extremtemperaturen? Nach einem Sommer, der Mensch, Natur und Infrastruktur an ihre Grenzen gebracht hat, zieht der Hessische Rundfunk Bilanz und fragt zugleich nach konkreten Lösungen für die Zukunft. Die Sendung "hessenschau extra: Hitzerekorde, Hitzetote, Hitzeschäden – Bilanz eines Sommers. Und jetzt?" ist am heutigen Montag ab 20.15 Uhr im hr-fernsehen und im Anschluss jederzeit in der ARD Mediathek zu sehen.
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