Waldbrandgefahr steigt auf Stufe 4: „Wer das nicht beachtet, ist verantwortungslos“
StartseiteLokalesGeretsried-WolfratshausenWolfratshausenStand: 14.07.2026, 18:56 UhrKommentareUns auf Google folgenAlbtraum-Szenario: Der jüngste Waldbrand im Norden des Landkreises brach im Frühjahr 2017 in de...
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Stand: 14.07.2026, 18:56 Uhr
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Extreme Hitze und fehlender Regen lassen die Wälder im Landkreis austrocknen. Besonders gefährdet ist die Pupplinger Au – dort ist der Waldboden extrem leicht entflammbar.
Wolfratshausen – Extreme Hitze und wenig Regen lassen die Wälder in der Region ungewöhnlich stark austrocknen. In der Folge ist die Waldbrandgefahr massiv gestiegen. Robert Nörr, Förster der Bayerischen Forstverwaltung in den Gebieten Wolfratshausen, Egling und Icking, warnt im Interview vor einem realen Risiko. Leichtsinn und die Missachtung von Verboten könnten in diesen Tagen verheerende Folgen haben.
Herr Nörr, wie schätzen Sie die Waldbrandgefahr in der Region ein?
Der Waldbrandgefahrenindex liegt bei 3, stellenweise auch bei 4 von 5. Das entspricht einer mittleren bis hohen Gefahr und ist nicht zu unterschätzen. Vor allem im Osten des Landkreises, in den Isarauen und an ausgetrockneten Südhängen haben wir auf jeden Fall eine hohe Gefahr. Besonders gefährdet ist beispielsweise die Pupplinger Au. Unter den lichten Kiefern wachsen Wacholder und Gras. Der Waldboden ist hier besonders leicht entflammbar.
Ist die Gefahr für diese Jahreszeit ungewöhnlich groß?
Auf jeden Fall. Normalerweise gibt es ein Hoch im Spätwinter und den nächsten Peak erst im August, wenn die Wälder ausgetrocknet sind. In der Regel wird die Warnung nach kräftigen Niederschlägen wieder aufgehoben. In diesem Frühjahr und Sommer haben wir besonders hohe Temperaturen und besonders lange keinen Regen – das ist eine ungewöhnliche Kombination. Dort, wo es gewittert hat, ist die Lage trotz der Rekordtemperaturen besser. Der Regen war aber sehr ungleich verteilt. Die zunehmenden Extreme sind ganz klar auf den Klimawandel zurückzuführen. Selbst dann, wenn wir am Jahresende im Vergleich zu den Vorjahren durchschnittlich gleich viel Niederschlag hatten, hilft uns das nichts, wenn längere Dürreperioden dazwischen waren.
Hat diese Kombination schon einmal zu Waldbränden in der Region geführt?
Den letzten großen Waldbrand im Norden des Landkreises hatten wir 2017 in der Ascholdinger Au. In den vergangenen Jahren gab es mehrere, kleinere Brände, die aber immer rechtzeitig entdeckt wurden. Letztes Jahr erst habe ich eine abgesengte Stelle auf einer trockenen Wiese entdeckt. Dort muss kurz zuvor ein Auto mit heißem Auspuff geparkt haben. Solche Fälle zeigen, dass wir oft riesiges Glück hatten.
Parken auf trockenem Gras sollten Autofahrer unbedingt vermeiden. Worauf sollten Waldbesucher noch achten?
Bis Ende Oktober gilt in allen Wäldern grundsätzlich Rauchverbot. Wer das nicht beachtet, ist verantwortungslos. Das Gleiche gilt für offenes Feuer und Grillen. An Erholungsschwerpunkten wie in den Isarauen ist beides ohnehin verboten. Auch für Waldbesitzer gilt: Keine Daxnfeuer zur Borkenkäferbekämpfung entzünden, sondern das Gehölz aus dem Wald rausfahren. Häufig unterschätzt wird außerdem die Gefahr, die von Glasscherben ausgeht. Zerbrochene Glasflaschen führen immer wieder zu Bränden.
Was können Sie als Förster zur Vermeidung von Bränden tun?
Es gibt Überwachungsflüge, an denen auch Kollegen von mir beteiligt sind (siehe Infobox), um Brände möglichst schnell zu entdecken. Gegen den Klimawandel können wir nichts machen, aber wir können die Wälder darauf vorbereiten. In dunklen, dichten Nadelwäldern bekommen junge Bäume nicht genug Licht. Dort entsteht eine sehr dicke Nadelstreu, die extrem leicht entflammbar ist. Um das zu verhindern, lichten wir die Wälder und bauen sie zu Mischwäldern um. Laubbäume brennen nicht so leicht wie Nadelbäume.
Falls es doch zu einem Ausbruch kommt: Was ist zu tun?
Das Wichtigste ist, sofort die Feuerwehr zu alarmieren. Da geht es um jede Sekunde. Ob man selbst einen Löschversuch wagen sollte, hängt von der Situation ab. Eine kleine Stelle können Autofahrer mit einer Fußmatte ausschlagen, wenn sie nicht genug Wasser dabei haben. Bei größeren Bränden empfehle ich: Finger weg. Ein Waldbrand kann eine dermaßen krasse Dynamik entwickeln, die man völlig unterschätzt. Ab einer gewissen Größe kann nur noch die Feuerwehr helfen. nap
Überwachungsflüge mit Luftbeobachtern
Die Regierung von Oberbayern kann bei akuter Waldbrandgefahr Überwachungsflüge anordnen. Organisiert vom Katastrophenschutz des Landkreises starten auch in dieser Woche Männer wie Sebastian Schlenz mit Piloten der Luftrettungsstaffel vom Flugplatz in Königsdorf. Aus der Luft sucht der Königsdorfer Revierförster nach Rauchsäulen. „Wenn wir etwas entdecken, fliegen wir näher hin, um die Gefahr zu kontrollieren“, erklärt Schlenz. Im Landkreis wurde heuer noch niemand fündig. Über dem Kreis Erding hingegen entdeckte der Förster erst kürzlich eine Rauchentwicklung. Dank seiner Meldung konnte die Stelle schnell gelöscht werden.
Für die Gefahrenkontrolle ließ sich Schlenz zum Luftbeobachter ausbilden. Geschult werden in dem einwöchigen Kurs etwa Funkdisziplin und Grundzüge des Fliegens, um die Maschine bei einem Ausfall des Piloten in der Luft halten zu können.