Was passiert, wenn die AfD nach der NRW-Landtagswahl größer wird?

wa.deNRWStand: 06.08.2026, 17:42 UhrKommentareUns auf Google folgenHeute Chef einer Fraktion mit elf Männern und einer Frau: Martin Vincentz, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag, kann 2027 auf Zuwachs hoff...

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Was passiert, wenn die AfD nach der NRW-Landtagswahl größer wird?

Stand: 06.08.2026, 17:42 Uhr

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Martin Vincentz (AfD), Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag Nordrhein-Westfalen spricht zu den Delegierten im Veranstaltungssaal ein Grußwort. Die nordrhein-westfälische AfD beginnt mit der Aufstellung der Kandidatenliste zur Landtagswahl 2027. (zu dpa: „AfD schickt Kandidat für Ministerpräsidenten-Amt ins Rennen“)

Heute Chef einer Fraktion mit elf Männern und einer Frau: Martin Vincentz, Vorsitzender der AfD-Fraktion im Landtag, kann 2027 auf Zuwachs hoffen. © Thomas Banneyer/dpa

Die AfD könnte bei der Landtagswahl 2027 von zwölf auf mehr als 30 Abgeordnete wachsen. Die Fraktion will dann einen Vizepräsidenten stellen.

Düsseldorf – Im April 2027 wird in NRW ein neuer Landtag gewählt. Umfragen sahen die AfD zuletzt bei 17 Prozent, gleichauf mit der SPD. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass die Rechtsaußen am Rhein stärkste Oppositionskraft werden. Mit 30 oder mehr Abgeordneten der AfD würde sich mehr als nur das Klima im Landtag weiter verändern. Die Fraktion fordert mehr Platz und Posten.

Im Bundestag ist die AfD bereits Nummer zwei. Nach der Bundestagswahl gab es zwischen ihr und der SPD einen heftigen Streit um einen größeren Fraktionssaal, den die Sozialdemokraten letztlich aber behalten konnten. Und in Düsseldorf? „Wir gehen davon aus, dass der Fraktion entsprechend ihrer Größe angemessene Räumlichkeiten zur Verfügung gestellt werden“, antwortet die AfD auf eine entsprechende Anfrage unserer Zeitung.

Zwölf AfD-Abgeordnete aktuell im NRW-Landtag

Derzeit sitzen „nur“ zwölf AfD-Abgeordnete im NRW-Landtag, laut Umfragen könnten es in der nächsten Legislaturperiode bis zu 33 sein. „Die Frage der räumlichen Unterbringung aller Fraktionen wird nach der Landtagswahl im Einvernehmen mit den Fraktionen entschieden“, teilt die Landtagsverwaltung mit. Und die Sozialdemokraten, derzeit mit 56 Abgeordneten im Parlament? Schweigen lieber. „Zu möglichen Konstellationen und zu möglichen Konsequenzen in der nächsten Legislaturperiode äußert sich die SPD-Fraktion nicht“, erklärt ein Sprecher lapidar.

Nach einer für die AfD erfolgreichen Wahl würde sich auch die Frage nach dem Landtagsvizepräsidenten stellen. Derzeit geht die AfD-Fraktion hier als einzige Fraktion leer aus. Aus Sicht der Rechten muss sich das ändern. „Die AfD könnte im nächsten Landtag mehr als eine Million Wähler vertreten. Diese Bürger verdienen selbstverständlich auch eine angemessene Vertretung im Präsidium des Landtags“, betont die Fraktion.

Jule Wenzel Parlamentarische Geschäftsführerin Grüne Landtag NRW

Wird keine AfD-Abgeordnete zum Landtagsvizepräsidenten wählen: Jule Wenzel,  Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen. © Grüne im Landtag NRW

„Einem Wahlvorschlag der AfD-Fraktion, die immer wieder demonstriert, wie wenig Achtung sie vor dem Parlament hat, werden wir nicht zustimmen“, erklärt Jule Wenzel, Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, gegenüber unserer Zeitung. FDP-Fraktionschef Henning Höne sagt zum Thema: „Über die Mitglieder des Präsidiums entscheidet der Landtag in geheimer Wahl. Keine Fraktion hat automatisch Anspruch auf das Amt eines Landtagsvizepräsidenten. Aus der Größe einer Fraktion folgt keine automatische Zustimmung zu ihrem Personal.“ Die Landtagsverwaltung bestätigt das mit Verweis auf die Geschäftsordnung: Einen Anspruch auf das Amt einer Vizepräsidentin oder eines Vizepräsidenten gebe es nicht.

Vizepräsident hin oder her: Ton und Klima im Landtag dürften mit mehr „blauen“ Abgeordneten noch rauer werden. Das legen zumindest die Zahlen nahe. Die AfD kassierte im vergangenen Kalenderjahr 31 Rügen und Ordnungsrufe, 2026 sind es bisher 25. Die Diskrepanz zu den anderen Fraktionen ist beträchtlich: CDU (2025: 0, 2026: 0), SPD (4, 3), Grüne (1, 1) und FDP (0, 0).

Rhetorische Scharfmacherei und unangemessene Zwischenrufe seitens der AfD

Beim politischen Gegner stellt man sich auf Schlimmeres ein. „Die Hetze der AfD gegen Frauen, Menschen mit Migrationsgeschichte und andere menschenfeindliche Äußerungen und Verhaltensweisen nehmen erschreckend zu. Mit mehr Abgeordneten würde sich das weiter verschärfen“, befindet Grünen-Vertreterin Wenzel. Die AfD-Fraktion sei in dieser Legislaturperiode nicht durch konstruktive Oppositionsarbeit aufgefallen, sondern vor allem durch rhetorische Scharfmacherei und unangemessene Zwischenrufe während der Plenarsitzungen, Massenanfragen an die Landesregierung und fragwürdige Mitarbeiterbeschäftigungen. „Wir nehmen dabei schon jetzt eine zunehmende Radikalisierung am Redepult wahr“, so Wenzel.

Henning Höne

Schließt eine Zusammenarbeit zwischen FDP und AfD aus: Henning Höne, Partei- und Fraktionschef der Liberalen in NRW. © Michael Kappeler

„Eine größere AfD-Fraktion hätte mehr parlamentarisches Gewicht, sicherlich würde sich das auch auf die Debatten auswirken“, meint FDP-Mann Höne. Aber die Größe der AfD-Fraktion verschiebe nicht den Kompass der Liberalen. Man stelle die AfD in der Sache: „Wer Deutschland aus dem Euro und der Europäischen Union führen will, vernichtet Arbeitsplätze und damit Wohlstand“, sagt Höne und stellt klar: „Es gibt keine Zusammenarbeit zwischen FDP und AfD.“

CDU will an Brandmauer festhalten

Womit wir beim Thema Brandmauer sind. Was sagt die CDU-Fraktion zum möglichen Erstarken der AfD im Landtag? „Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über Wahlergebnisse in über acht Monaten und werden nach der Wahl professionell im Parlament mit dem Wahlergebnis umgehen“, sagt Gregor Golland, stellvertretender Fraktionsvorsitzender. Man erwarte, dass sich alle gewählten Abgeordneten und Fraktionen an die parlamentarischen Regeln und demokratischen Umgangsformen halten. Und: „Der Unvereinbarkeitsbeschluss sowohl gegenüber der AfD als auch gegenüber der Linkspartei gilt uneingeschränkt“, so Golland.

Mehr Mandate bedeuten mehr Macht und Möglichkeiten. So kann ein Viertel der Mitglieder des Landtags die Einberufung des Parlaments beantragen. Für die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses ist ein Fünftel der Mitgliederzahl des Landtags notwendig.

Auch wenn die AfD diese Quoren nicht erreicht, wäre eine größere Fraktion in NRW von Bedeutung. So heißt es von der Fraktion: „Unsere parlamentarische Schlagkraft wird sich dadurch deutlich erhöhen – und zwar nicht nur in Düsseldorf. Mit mehr Abgeordneten können wir auch Infostände, Bürgerdialoge sowie Betriebs-, Behörden- und Verbandsbesuche in ganz NRW intensiver betreiben.“