Weil der Kommandeur in Litauen ist: Steuerberater führt plötzlich Jägerbataillon

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Weil der Kommandeur in Litauen ist: Steuerberater führt plötzlich Jägerbataillon

Stand: 31.07.2026, 21:00 Uhr

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Im Gespräch: Oberstleutnant Christian Risse, Kommandeur des Jägerbataillons 1 aus Schwarzenborn und Brigadegeneral Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos Hessen.

Im Gespräch: Oberstleutnant Christian Risse, Kommandeur des Jägerbataillons 1 aus Schwarzenborn (links) und Brigadegeneral Holger Radmann, Kommandeur des Landeskommandos Hessen. © Foto: Johannes Siebert

Oberstleutnant Christian Risse übernahm als Reservist die Führung des Jägerbataillons 1. Für den 47-jährigen Steuerberater bedeutet das einen großen Spagat.

Schwarzenborn – Reservistinnen und Reservisten sind quer durch alle Dienstgradgruppen wieder ein wichtiger Bestandteil der Bundeswehr-Planung. Der altbekannte Spruch „Reserve hat Ruh“ geht völlig an der sicherheitspolitischen Wirklichkeit vorbei: Der „Bund“ benötigt seine Reserve dringender denn je. Ein Paradebeispiel dafür ist Oberstleutnant Christian Risse.

In den vergangenen Monaten stand der Offizier mit allen Rechten und Pflichten als Kommandeur an der Spitze des Jägerbataillons 1 in Schwarzenborn (Schwalm-Eder-Kreis). Risse vertrat Oberstleutnant Sebastian Hagen, der die Multinational Battlegroup Lithuania noch bis August führt. Dann endet die 19. Rotation und das Panzerlehrbataillon 93 aus Munster übernimmt.

Oberstleutnant Risse plötzlich als Kommandeur an der Spitze

Da auch der reguläre stellvertretende Kommandeur des Jägerbataillons 1 als Chef des Stabes der Multinationalen Kampfgruppe nach Litauen abkommandiert ist, wurde Hagens Dienstposten im Rahmen einer Reservedienstleistung besetzt.

Oberstleutnant Risse nahm die Aufgaben des Bataillonskommandeurs auf einem sogenannten Spiegeldienstposten wahr. Dieses Verfahren ermöglicht es Reservisten, Führungsaufgaben realitätsnah auszuüben und ihre militärischen Fähigkeiten in der Praxis anzuwenden – selbst auf Kommandeursebene.

Wir sprachen mit Oberstleutnant Christian Risse über seine Zeit am Knüll an der Spitze eines modernen Kampfverbands des Heeres.

Die Führung eines Bataillons gilt als einer der Höhepunkte in der Laufbahn eines Offiziers. Warum ist das so und was nehmen Sie aus Ihrer Zeit am Knüll mit?

Nach meinen Verwendungen als Zugführer und Kompaniechef ist die Führung des Bataillons tatsächlich der Höhepunkt, weil ich hier zum einen noch nah genug an meinen Männern und Frauen bin, um sie ein Stück weit „persönlich“ führen zu können, ich zum anderen aber auch sechs Kompanien mit dementsprechenden Aufträgen führe, die über das kleinere Lagebild der einzelnen Kompanie hinausgeht.

Im Zusammenwirken mit den Kompaniechefs ist das Ziel, die Aufträge der übergeordneten Führung, die an das Bataillon gegeben werden, so zu erfüllen, dass der Tagesbetrieb und die Ausbildung sichergestellt sind und die einzelne Kompanie ihren Teilbeitrag leisten kann.

Hatten Sie bei Dienstantritt Respekt vor der anstehenden Aufgabe?

Ja, das hatte ich und habe ich weiterhin, da ich hier mehrere Hundert Menschen führe und auch über die Tagesdienstzeiten hinaus verantwortlich bin für meine Soldaten. Gleichzeitig bin ich meinen Vorgesetzten sehr dankbar, dass sie mir die Führung des Bataillons anvertraut haben und mir damit auch vertrauen, meine Aufgabe gut zu erfüllen. Das ist für mich etwas ganz Besonderes und prägt auch persönlich.

Was war bislang Ihr schönstes Erlebnis?

Es gibt bisher nicht „das“ schöne Erlebnis, sondern jeder Tag, an dem ich mit „meinen Jungs“, meinen Soldatinnen und Soldaten, zusammen unseren Auftrag erfüllen kann, ist ein guter Tag.

Aber draußen zu sein, bei der Ausbildung, zuzusehen, wie meine Ausbilder dort arbeiten, und natürlich auch im Gespräch mit den Soldaten selbst ein Stück weit auszubilden, ist nicht nur schön, sondern erfüllend.

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Sind mehrmonatige Reservedienstleistungen ungewöhnlich und wie lässt sich so etwas mit dem zivilen Berufs- und Privatleben vereinbaren?

Mehrmonatige Reservedienstleistungen sind nicht mehr so ungewöhnlich wie vielleicht noch vor zehn bis fünfzehn Jahren. Dennoch ist es immer eine Herausforderung, die militärisch bedingte und notwendige Abwesenheit mit meinem Zivilberuf als Steuerberater zu vereinbaren.

Bislang war mein Arbeitgeber dort aber sehr kooperativ, verbunden natürlich mit der Auflage, dass ich dann abends und am Wochenende das ein oder andere im Büro erledige, um nach wie vor auch Verbindung zu meinen Mandanten zu halten. Dabei bleibt dann das Privatleben mitunter ein Stück weit auf der Strecke – aber dafür ist die Verwendung als Bataillonskommandeur eben auf andere Weise erfüllend.

Das Einzige, worauf ich privat Wert lege, ist, genügend Zeit auch für meine Mutter zu haben und mit ihr am Wochenende oder zumindest am Sonntag etwas zu unternehmen oder einfach zuhause alles in Ordnung zu halten. So kann ich ihr zumindest ein wenig Dank für das zurückgeben, was sie und mein Vater mir ermöglicht haben.

Im zivilen Leben ist Christian Risse Steuerberater und lebt in Nordrhein-Westfalen. Erste Berührungspunkte mit der Bundeswehr hatte der 47-Jährige im Jahr 1999, als er seinen Grundwehrdienst beim Heeresmusikkorps in Kassel leistete.

Es folgte die Ausbildung zum Reserveoffizier der Infanterie. Später absolvierte Risse mehrere Auslandseinsätze: dreimal im Kosovo (KFOR), einmal im Niger (MINUSMA) und zweimal in Litauen (eFP BG LTU).