Jürgen Klopps Vorstellung beim DFB: Der Trainer gibt den Ton an

Bei seiner Vorstellung deutet Jürgen Klopp an, was er als Bundestrainer vorhat. Seinen Auftritt verbindet er mit großer Medienkritik. Und man ahnt, dass beim DFB von nun an vor allem einer das Sagen hat.

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Jürgen Klopps Vorstellung beim DFB: Der Trainer gibt den Ton an

Die erste Frage geht an den ersten Mann. Und Bernd Neuendorf, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), antwortet ausführlich. Er erzählt, dass Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der DFB GmbH & Co. KG am Freitagmorgen einstimmig entschieden haben, dass Jürgen Klopp, 59 Jahre alt, Bundestrainer wird, bis einschließlich der Weltmeisterschaft 2030. Er erzählt, dass Klopp die Assistenztrainer Peter Krawietz, Pepijn Lijnders und Sven Bender mitbringen wird.

Er erzählt, dass er „bis zum gestrigen Tage intensiv“ mit Klopp gesprochen habe und durch diese „persönlichen Gespräche bestärkt“ worden sei. Er erzählt, dass es auch mit Red Bull, wo Klopp bis 2029 unter Vertrag gewesen wäre, „intensive Gespräche“ und schließlich eine Einigung gegeben habe, die beinhaltet, dass der DFB eine Million Euro an die Red-Bull-nahe Stiftung „Wings for Life“ spendet und bis 2030 mindestens drei Spiele der Männernationalmannschaft an den Red-Bull-Standort Leipzig vergeben wird.

Ab 2027 Geschäftsführer Sport beim DFB: Per Mertesacker, der Weltmeister von 2014
Ab 2027 Geschäftsführer Sport beim DFB: Per Mertesacker, der Weltmeister von 2014picture alliance / HMB Media

Das und noch mehr (etwa dass Per Mertesacker am 1. Januar 2027 als Geschäftsführer Sport anfängt) erzählt Neuendorf am Freitagmittag in den ersten zehn Minuten, nachdem er sich im Pressesaal des DFB-Campus in Frankfurt auf das Podium gesetzt hat. Doch als der Präsident dann fast eine Stunde später aufsteht, ahnt man, dass in seinem Verband ab sofort ein anderer das Sagen hat.

Wort für Wort wird aus der Pressekonferenz eine Klopp-Konferenz

„Wer Jürgen holt, kriegt ihn“ – so sagt das Jürgen Klopp selbst, der an diesem Mittag neben Neuendorf sitzt. Nur hätte er das gar nicht sagen müssen, weil alle, die ihm bis dahin zugehört haben, zu dem Zeitpunkt schon einen sehr guten Eindruck davon bekommen konnten, wen sie kriegen.

Auf die erste Frage der DFB-Sprecherin, wie er das Votum der DFB-Gremien für ihn aufgenommen habe und wie er die neue Aufgabe angehe, antwortet der neue Bundestrainer erst noch mit einem Wort: „Erfreut.“ Doch Wort für Wort, Satz für Satz, Monolog für Monolog wird diese Pressekonferenz zu einer Jürgen-Klopp-Konferenz. Er sagt, was in solchen Momenten immer gesagt wird. Etwa, dass es eine große Ehre sei, hier heute zu sitzen. Und auch wenn man ihm das glauben darf und auch wirklich glauben kann, merkt man schnell, dass es eine andere Botschaft ist, die der Bundestrainer in seiner ersten Ansprache senden möchte.

Er spricht schon früh die Journalistinnen und Journalisten im Saal direkt an. Sagt, dass er nicht behaupten könne, dass er diese Pressekonferenzen vermisst hätte. So weit, so gut, zumindest so gewöhnlich, denn welcher Trainer würde ihm da widersprechen? Doch wie er dann weitermacht, das ist nicht mehr gewöhnlich. Er sagt, dass er wegen der Berichterstattung der vergangenen Wochen „nicht verärgert“ sei, „noch nicht“.

Die große Schwäche in Klopps Medienkritik

Und er sagt dann: „Auf dem Weg, auf den wir uns irgendwann einigen müssen, wäre es hilfreich, wenn man richtig vor schnell stellt bei der Berichterstattung, wenn man das Hirn miteinschaltet, wenn wir was erfahren, ob man es wirklich auch raushaut oder ob man auch im Sinne der Sache denkt: Komm, da drücken wir mal ein Auge zu.“ Als Bundestrainer darf und soll man sogar Medienkritik üben. Doch die Schwäche dieser Kritik ist, dass alles danach schreit, was er mit „im Sinne der Sache“ meint: im Sinne seiner Sache.

Er sagt direkt danach, dass er das alles nicht für sich mache. Warum nicht? Es wäre doch nicht schlimm, das alles zumindest ein Stück weit auch für sich zu machen, so funktioniert Sport, auch Mannschaftssport. Doch weil er eben sagt, dass er es nicht für sich mache, ist es dann schon etwas widersprüchlich, als er kurz danach darüber spricht, wie die Aufgabe als Bundestrainer „idealerweise der Höhepunkt meiner Karriere, meines beruflichen Lebens“ werden soll.

Das war’s aber noch nicht mit der Medienkritik. „Wenn ihr euch danebenbenehmt und meine Familie nicht in Ruhe lasst, bin ich weg. Ich mache den Job, obwohl ich mitbekommen habe, wie ihr mit Julian umgeht.“ Auch diese Kritik, die wegen der albernen Diskussionen um das Foto von Nagelsmann und seiner Frau sehr berechtigt wäre, hat eine Schwäche, und zwar keine kleine. Es war nämlich Klopp selbst, der auf eine Art und Weise mit Nagelsmann umgegangen ist, wie er sie gerade kritisiert hat.

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Es soll und wird gleich weiter darum gehen, was Klopp als Bundestrainer machen wird, aber davor muss es kurz darum gehen, was er gemacht hat, damit er zum Bundestrainer gemacht wurde. Die Diskussion ist während der WM von ihm selbst angestoßen worden, als er vor dem ersten Vorrundenspiel der deutschen Mannschaft in der Übertragung von „MagentaTV“ sagte, dass Julian Nagelsmann die Mannschaft aufstelle – und den Satz dann beendete mit: „Noch“. Und dann noch mal: „Noch“. Am Freitag in Frankfurt hat Klopp das noch mal angesprochen und noch mal gesagt, dass er es bereue. Hat Jürgen Klopp damals schon daran gedacht, dass der nächste Bundestrainer Jürgen Klopp sein soll? Das wird man wohl nie mit Sicherheit sagen können.

Eine „schöne Erkenntnis“ der WM

Aber zur Sache: Was will Klopp als Bundestrainer machen? Mit Blick auf die deutschen WM-Spiele sagt er: „Wenn wir uns die Spiele angeschaut haben, ein bisschen intensiver hätte es schon sein können.“ Für Intensität stand Klopp als Vereinstrainer, und dafür will er auch als Verbandstrainer stehen. Er spricht über „Gegenpressing“, über „gute Organisation“, über „stabile Formation“. Darüber, dass er „eine klare Fußballidee erkennbar machen“ wolle.

Und er deutet auch Details an. Etwa, dass es eine Herausforderung werden könnte, dass die beste deutsche Mannschaft, der FC Bayern München, mit Manndeckung spiele, es in der Nationalmannschaft aber keine Manndeckung geben werde. Dafür Flügelstürmer und eine Viererkette. Es sei für ihn eine „schöne Erkenntnis“ gewesen, dass Mannschaften mit Viererkette die WM geprägt haben.

Das will Klopp machen. Und was will Klopp erreichen? „Ich habe dreimal erlebt, wie erfolgreicher Fußball eine Stadt verändern kann. Und ich glaube, wir sind uns alle einig, dass erfolgreicher Fußball ein Land verändern kann.“

Was macht Klopps Berater beim DFB?

Am Freitag hat er angedeutet, wie er das machen will. „Wir wollen tatsächlich jeden Stein umdrehen. Wenn unter dem Stein was Gutes ist, dann legen wir den Stein wieder drauf, und es ist alles gut, und wir machen es wie vorher. Und wenn unter dem Stein was ist, was angepasst werden muss, dann machen wir das.“ Und er hat nicht nur angedeutet, mit wem er es machen will.

An dieser Stelle spricht Kopp dann über einen weiteren Mann, den er mit zum DFB bringen wird, den Neuendorf in seinem Eingangsstatement allerdings nicht erwähnt hat: Marc Kosicke, seinen Berater und Geschäftspartner. Oder wie Klopp sagt: „Mein Ko-Trainer für Strategie, Entwicklung und Innovation.“ Schon am Morgen hat die „Bild“-Zeitung berichtet, dass Kosicke für den Posten beim DFB von seinem Posten als Geschäftsführer der Agentur „projectFIVE“ zurücktreten werde. Das dürfte auch für seinen Posten als Red-Bull-Berater gelten. Doch wie sieht sein Posten beim DFB aus?

Dazu darf Bernd Neuendorf wieder sprechen. Er erzählt, dass Klopp und Kosicke „so eng miteinander verwoben“ seien, dass sie nur zusammen zu haben gewesen seien. Das „war klar“ und „wurde klargemacht“. In dem Moment lässt der Präsident durchblicken, was die Bedingungen des Bundestrainers gewesen sind. Ohne Kosicke kein Klopp. Der DFB hat diese Bedingungen akzeptiert. Und obwohl Kosicke, der an diesem Mittag in der ersten Reihe sitzt, ein „externer Mitarbeiter“ sei, wie Neuendorf weiter erzählt, habe er „jeden Zugang in den Verband“, „bis hoch in mein Büro“.

Als Bernd Neuendorf dann nach etwas mehr als einer Stunde aufsteht und den Pressesaal verlässt, geht auch Jürgen Klopp, der Bundestrainer, der in seinem ersten öffentlichen Auftritt den Eindruck hinterlassen hat, dass es ihm egal sein kann, wer unter ihm Präsident ist.