Wie eine mRNA-Impfung Rückfälle bei Brustkrebs verhindern kann
Hoffnung für Brustkrebs-Patientinnen: In einer neuen Studie konnten Forschende zeigen, dass das Rückfallrisiko durch eine spezielle Impfung erheblich gesenkt werden kann. Und zwar ausgerechnet bei einer besonders tückischen Brustkrebs-Form, die nicht auf Hormon- oder Antikörpertherapien reagiert. Im Interview erklärt der Co-Autor der Studie, Marcus Schmidt, wie der Impfstoff funktioniert.
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AUDIO: Studie: mRNA-Impfung wirkt gegen Brustkrebs-Rezidiv (5 Min)
Neue Studie
Stand: 15.07.2026 07:09 Uhr
Hoffnung für Brustkrebs-Patientinnen: In einer neuen Studie konnten Forschende zeigen, dass das Rückfallrisiko durch eine spezielle Impfung erheblich gesenkt werden kann. Und zwar ausgerechnet bei einer besonders tückischen Brustkrebs-Form, die nicht auf Hormon- oder Antikörpertherapien reagiert. Im Interview erklärt der Co-Autor der Studie, Marcus Schmidt, wie der Impfstoff funktioniert.
von Daniela Schmidt, MDR AKTUELL
MDR AKTUELL: Herr Professor Schmidt, was genau haben Sie in dieser Studie untersucht und was ist da rausgekommen?
Marcus Schmidt: Wir wissen, dass das Immunsystem bei Brustkrebs eine wichtige Rolle spielt. Unser Gedanke war, dass man mit einer personalisierten Impfung gegen Brustkrebs Rückfälle verhindern könnte – zumindest bei einer ganz speziellen Form von Brustkrebs, dem sogenannten triple-negativen Brustkrebs. Das sind Tumore, die allgemein eine eher ungünstige Prognose haben, also ein erhöhtes Rückfallrisiko. Daher war unser Ansatz, dass wir das Immunsystem durch die Impfung individuell stimulieren, um eben Rückfälle zu verhindern.
Zur Person
Marcus Schmidt ist Professor für Molekulare Onkologie an der Universitätsmedizin Mainz. Dort leitet er seit 2021 das Universitäre Brustzentrum. Schmidt gilt als einer der wichtigsten Experten in Deutschland für die Behandlung von Brustkrebs und anderen gynäkologischen Tumoren wie Eierstock- oder Gebärmutterkrebs. In seiner Forschung untersucht er unter anderem, wie das Immunsystem gezielt gegen Tumoren aktiviert werden kann und welche Patientinnen besonders von personalisierten Immun- oder Hormontherapien profitieren können.
Das Ganze funktioniert ja über die Messenger-RNA, kurz mRNA. Das dürfte manchen noch aus der Corona-Pandemie ein Begriff sein. Können Sie mir erklären, wie diese Therapie genau funktioniert?
Diese Studie lief eigentlich vor der Pandemie, auch wenn sie nun erst deutlich später publiziert worden ist. Man könnte gewissermaßen sagen, dass dieses mRNA-Prinzip auf Forschungsansätzen beruht, die im Grunde schon vorhanden waren. Deswegen war Biontech auch so schnell mit dem Corona-Impfstoff.
Der ganz große Vorteil ist, dass wir für jede Patientin eine ganz individuelle Impfung entwickeln. Marcus Schmidt, Universitätsmedizin Mainz
Letztlich ist es so, dass jeder Tumor oder jedes Gen eine sogenannte mRNA hat. Damit kann man gewissermaßen die Blaupause dieses Gens spritzen. Der ganz große Vorteil ist, dass wir für jede Patientin eine ganz individuelle Impfung entwickeln.
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Das heißt, der jeweilige Tumor wird quasi ganz genau angeschaut und die Informationen, die man daraus gewinnt, werden dann in mRNA verpackt. Die wird dann gespritzt und so das Immunsystem der Patientin auf die perfekte Weise gegen den Tumor aktiviert, könnte man sagen?
Ich hätte es nicht besser sagen können – wunderbar zusammengefasst. Das ist genau der Punkt. Es ist eine absolut personalisierte, also individualisierte Impfung. Gewissermaßen der Fingerabdruck eines jeden Tumors. Und dagegen werden diese individuellen Krebsvakzine entwickelt.
Hat diese Therapie Nebenwirkungen?
Ja, leider gibt es keine wirksame Therapie, die ganz ohne Nebenwirkungen ist. Hier ist es so, dass das Immunsystem natürlich hochreguliert wird. Das ist zwar einerseits der Sinn der Sache, das erklärt andererseits aber auch die Nebenwirkungen. Nahezu alle Patientinnen haben nach ein paar Stunden über eine leichte Temperaturerhöhung geklagt oder über leichten Schüttelfrost. Das ist aber wiederum innerhalb von ein paar Stunden von selbst vergangen. Aber man muss eben ehrlich sagen, ein gewisses Maß an Nebenwirkungen hat diese Therapie schon.
Das hält man ja aber vielleicht aus, wenn man dafür eben kein Rezidiv, also keinen Rückfall, bekommt.
Eben, so sehen wir das auch.
Sie haben es bereits gesagt, wir sprechen hier über eine bestimmte Form von Brustkrebs, nämlich den triple-negativen, der zum Beispiel nicht hormonsensibel ist. Inwiefern kann diese Studie auch Patientinnen mit anderen Brustkrebsformen oder auch generell Patienten mit anderen Krebsformen Hoffnung machen?
Also das sind frühe Daten, die gezeigt haben, es ist machbar. Wir haben eine starke immunologische Antwort bei eigentlich allen Patientinnen beobachten können. Wir haben es geschafft, dass die Mehrzahl der Patientinnen bis zu sechs Jahre lang rückfallfrei ist. Das sieht schon alles sehr positiv aus.
Wir haben es geschafft, dass die Mehrzahl der Patientinnen bis zu sechs Jahre lang rückfallfrei ist. Marcus Schmidt
Aber das ist eine Phase-1-Studie gewesen mit 14 Patientinnen. Es ist zumindest ein neuer Weg – und es ist aus meiner Sicht für die Patientinnen auch ein sehr aussichtsreicher Weg.
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