Wie Maria Tönsing Jugendlichen den Weg in die Zukunft zeigt

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Wie Maria Tönsing Jugendlichen den Weg in die Zukunft zeigt

Stand: 27.07.2026, 06:30 Uhr

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Eine Frau steht an einen Pfeiler vor der Schule am Geestmoor gelehnt

Seit 2024 ist Maria Tönsing Leiterin der Oberschule Rehden. Zuvor koordinierte sie acht Jahre lang die Berufsorientierung an der Schule. © Katia Backhaus

Maria Tönsing wusste früh, welchen Weg sie einschlagen möchte. Heute hilft die Leiterin der Oberschule Rehden Jugendlichen dabei, ihren eigenen beruflichen Weg zu finden. Mit dem von ihr entwickelten Berufekarussell bringt sie Schülerinnen und Schüler mit Betrieben zusammen – und macht Ausbildungsmöglichkeiten dort erlebbar, wo sie am meisten wirken: beim Ausprobieren. Für ihr Engagement ist Tönsing als „Zukunftsmacherin 2026“ nominiert.

Rehden – Manche Menschen werden aktiv, weil sie für andere etwas aufbauen wollen, was sie selbst nicht erfahren haben, aber sich gewünscht hätten. Und manche engagieren sich, weil sie erkennen: Was für mich eine Selbstverständlichkeit war, ist es für andere nicht. Maria Tönsing fällt in die zweite Kategorie. Sie habe sehr früh gewusst, welchen Beruf sie einmal wählen wolle, erzählt sie: „Ich habe mich in der Schule immer wohlgefühlt.“ Heute arbeitet die 40-Jährige als Lehrerin mit Kindern und Jugendlichen, die oft gar nicht so richtig wissen, was sie einmal machen möchten – außer vielleicht Influencer werden.

Tönsing ist eine von zehn Frauen, die für die „Zukunftsmacherin 2026“ nominiert sind. Sie hat das Berufekarussell an der Oberschule Rehden zu einem Netzwerk-Event zum Anfassen umgebaut. Mittlerweile kommen immer im Februar zwei Dutzend Betriebe an die Schule und bieten den Jugendlichen an, unterschiedliche Ausbildungsberufe ganz praktisch kennenzulernen. „Ein Handgriff, eine Tätigkeit, etwas, das bei den Schülerinnen und Schülern im Kopf bleibt.“ Das, sagt Tönsing, sei viel hilfreicher als 100 Info-Stände.

Dank des Internets seien inzwischen zwar unglaublich viele Informationen über Berufe verfügbar, aber: „Wir stellen oft fest, dass die Jugendlichen die Firmen kennenlernen und dann immer noch fragen: Was macht eigentlich ein Tischler?“ Was eigentlich in einem Beruf „drinstecke“, werde erst deutlich, wenn man ihn – zumindest im Kleinen – ausprobiere, sagt Tönsing. Und so hat sie seit 2016, als sie als Lehrerin für Wirtschaft und Geschichte an die Oberschule kam und dort zugleich Koordinatorin für Berufsorientierung wurde, dafür gearbeitet, dass das möglich wird. Dafür überarbeitete sie das bereits bestehende Modell des Berufekarussells.

Eine Frau steht vor einer Platte, in der mit rot auf schwarzem Grund steht „We still need money for a porsche“

Zukunftsträume und Realität zusammenbringen, das ist die Aufgabe von Maria Tönsing. Dieses Wandbild hat eine der aktuellen Abschlussklassen der Oberschule Rehden gestaltet. © Katia Backhaus

Am Tag des Berufekarussells laufen an der Schule zwei Großveranstaltungen parallel: Für die Jahrgänge fünf bis acht gibt es ein großes Sportfest in der Halle, für die neunten und zehnten Klassen das Berufs-Event, an dem auch Interessierte aus dem Jahrgang darunter teilnehmen dürfen. Die Unterrichtsräume werden zu Mini-Standorten der Betriebe: Das Deutsche Rote Kreuz bringt eine große Liege mit, in der Schulküche wird Essen zubereitet, und ein Landwirtschaftsbetrieb rollt schon mal mit großen Maschinen auf den Schulhof. Und die Jugendlichen schnippeln, stehen im Rollenspiel vor einem Bankkunden, der ein Konto eröffnen will, oder bekommen Werkzeug in die Hand gedrückt: Probier du mal. „Das fordert die Schülerinnen und Schüler heraus“, sagt Tönsing.

Ihre eigene Aufgabe ist nicht minder anspruchsvoll. „Es ist absolut herausfordernd, die Jugendlichen dahin zu bringen, eine Berufswahlentscheidung zu treffen. Wir fangen im Grunde schon im Jahrgang fünf mit dem Girls und Boys Day an.“ Zwischen den bekannten Berufen und Klischees – Jungs in der Pflege? Mädchen als Dachdeckerin? – und den Vorstellungen, die über Tiktok vermittelt werden, zu navigieren, sei nicht einfach.

Offen zu sein, das Gespräch zu suchen, helfe sehr, sagt Tönsing. Herauszufinden, was Jugendliche zum Beispiel am Influencer-Dasein wirklich reizt: die Arbeit mit Medien, die Flexibilität und Selbstständigkeit, oder das Geld, das sich damit angeblich verdienen lässt? Dann könne man darüber sprechen, ob und wie sich diese Erwartungen auch in einem anderen Berufsbild erfüllen lassen – und ob die Noten dafür reichen. Praktika, Termine beim Jobcenter, Feedbackgespräche und Unterstützung beim Bewerbungsverfahren gehören ebenso zum schulischen Angebot.

„Liebevoll engmaschig begleiten“ nennt Tönsing diesen Ansatz. Der lässt sich in der kleinen Oberschule, in der ein Durchschnittsjahrgang 50 Jugendliche umfasst, gut umsetzen. Eine Aufgabe für alle: „Alle Kolleginnen und Kollegen sind an eine Berufsbildungsmaßnahme gekoppelt.“ Das Ziel sei gar nicht unbedingt, alle Jugendlichen direkt nach der Schule an einen Ausbildungsbetrieb zu übergeben. Viele machten noch ein freiwilliges Jahr oder wechselten an eine Berufsbildende Schule, ein kleinerer Anteil auch an eine Fachhochschule.

„Zukunftsmacherin 2026“

Zum ersten Mal kürt die Mediengruppe Kreiszeitung im Landkreis Diepholz eine „Zukunftsmacherin“ – also eine Frau, die aktiv Ideen voranbringt, innovativ Projekte anschiebt und positiv Menschen mitreißt. Die Idee: Weibliches Engagement in den Fokus stellen und auszeichnen. Bei einer Gala am 23. September wird bekannt gegeben, wer die „Zukunftsmacherin 2026“ wird. In dieser Serie stellen wir die Top-Ten-Kandidatinnen vor.

„Die Jugendlichen hatten noch nie so viele Möglichkeiten, auf ganz unterschiedlichen Wegen zum Ziel zu kommen – wenn sie eines haben“, sagt Tönsing. „Das ist das Entscheidende.“ Sie dabei zu unterstützen, die Klarheit zu gewinnen, die sie selbst schon früh hatte: Das ist ihre Aufgabe. Auch, wenn sie vor zwei Jahren die Rolle als Koordinatorin abgegeben und dafür die Schulleitung übernommen hat. Nun könne sie auf andere Art und Weise gestalten, sagt Tönsing. Immer im Sinne der Jugendlichen und ihrer Zukunft.