Hitzschlag, Sonnenstich, Überhitzung – wann muss man in den Notfall?
Die Berner Gesundheitsdirektion hat öffentlich dazu aufgerufen, bei Überhitzung nicht den Notfall aufzusuchen. Dabei war aber nicht der lebensbedrohliche Hitzschlag gemeint. Ein Notfallarzt erklärt die Unterschiede.
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Publiziert13. Juli 2026, 17:29
Notfall oder nicht?Wie reagieren bei Überhitzung, Sonnenstich und Hitzschlag?
Die Berner Gesundheitsdirektion hat öffentlich dazu aufgerufen, bei Überhitzung nicht den Notfall aufzusuchen. Dabei war aber nicht der lebensbedrohliche Hitzschlag gemeint. Ein Notfallarzt erklärt die Unterschiede.

Darum gehts
- Bagatellfälle belasten die Notfallstationen, weshalb der Kanton Bern zur Zurückhaltung aufruft.
- Notfallarzt Thomas Sauter unterscheidet vier Zustände: Überhitzung, Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag.
- Nur beim Hitzschlag und schwerem Sonnenstich ist ein Transport ins Spital – idealerweise mit der Ambulanz – zwingend.
Der Kanton Bern hat an die Bevölkerung appelliert, bei Überhitzung nicht sofort den Notfall aufzusuchen. Denn dies führe zu Belastungsspitzen in den Notfallstationen. Bagatellfälle würden oft falsch eingeschätzt und die Notfallstation «fast schon automatisch» aufgesucht, sagte der Sprecher der Gesundheitsdirektion.
Doch was ist der Unterschied zwischen Überhitzung, Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag? Und wann ist es wirklich so dramatisch, dass die betroffene Person auf jeden Fall auf eine Notfallstation gehört?
Notfallarzt Thomas Sauter, leitender Arzt der Universitätsklinik für Notfallmedizin am Inselspital Bern, klärt auf. Er betont vorab, dass bei Menschen mit Vorerkrankungen, Personen hohen Alters, Kindern und Menschen mit weniger Reserven grössere Vorsicht angezeigt sei als bei jungen Menschen.
Überhitzung: kein Notfall
Überhitzung ist die erste Stufe. «Es ist ein Kontinuum von der Überhitzung zur Hitzeerschöpfung bis hin zum Hitzschlag», sagt Sauter.
Bei Überhitzung komme es zu Hitzeunwohlsein. «Die Wärmebelastung ist zu hoch, also schwitzt man, hat sehr heiss, fühlt sich unwohl. Das ist aber kein ärztlicher Fachbegriff, eher ein Zustand», sagt Sauter.

Die betroffene Person könne noch normal gehen, es trete auch noch keine Bewusstseinsveränderung auf. Folglich soll die Person die Hitzeexposition meiden, sich an einen kühleren Ort begeben, sich abkühlen – und vor allem viel trinken.
Hitzeerschöpfung: Noch nicht zwingend ein lebensbedrohlicher Notfall
«Verschlimmert sich die Lage, kommt es zu einer Hitzeerschöpfung», erklärt der Notfallarzt. Die betroffene Person erleide einen grossen Flüssigkeits- und Salzverlust. «Dies stellt bereits eine Kreislaufbelastung dar. Die Person schwitzt viel mehr, die Körpertemperatur ist erhöht. Die Person hat zwar einen Leistungsabfall und eine ernsthafte Erschöpfung, ist aber nicht verwirrt oder benommen, sondern klar und orientiert.»

Das sei der Moment, um zu handeln. Erneut gilt: abkühlen, abkühlen, abkühlen.
Hitzschlag: Auf jeden Fall ein lebensdbedrohlicher Notfall

Bleibt die Person an der Hitze, könne dies zu einem «lebensbedrohlichen Krankheitsbild» werden, sagt Sauter. «Erleidet jemand einen richtigen Hitzschlag, kann dies zu Organversagen und folglich zum Tod führen. Die Körpertemperatur ist über 40 Grad angestiegen, der Mensch ist verwirrt, möglicherweise aggressiv, hat eine verwaschene Sprache, Krampfanfälle, wirkt unkoordiniert und es stellen sich Bewusstseinstrübungen ein.» Die Person könnte sogar ins Koma fallen.
Übelkeit, Erbrechen, ausgetrockenete Haut, kein Schwitzen mehr – nichts funktionniert dann noch im Körper, weil alles überhitzt ist und der Körper die Hitze nicht mehr durch Schwitzen abgeben kann.
Lebenswichtige Organe setzen aus: «In solch einem Fall arbeitet das Gehirn und der Kreislauf nicht mehr richtig. Es kommt zu einem schnelleren Puls, einer schnelleren Atmung und einem Kreislaufzusammenbruch und neurologischen Störungen bis zum epileptischen Anfall oder Koma. Das ist ein absoluter Notfall – die Person muss unbedingt in die Notfallaufnahme gebracht werden, idealerweise mit der Ambulanz.»
Sonnenstich: Je nach Schwere ein Notfall
«Ein Sonnenstich ist etwas anderes, dabei ist nicht unbedingt die gesamte Körpertemperatur erhöht, sondern die Sonne hat direkt und zu lange auf Kopf und Nacken gestrahlt», erklärt Sauter.

Die Symptome treten bei einem Sonnenstich teilweise auch erst später auf: Die Person wird lichtempfindlich, bekommt Kopf- und Nackenschmerzen und fühlt sich allgemein unwohl. Die Lösung: Abkühlen und viel trinken. «Ein leichter Sonnenstich ist noch kein Fall für die Notfallstation», sagt Sauter.
Stellen sich allerdings sehr starke Kopfschmerzen ein und kommt es zu Erbrechen, Bewusstlosigkeit, Verwirrtheit und anderen Wesensveränderungen, sei dies laut Notfallarzt «ein Fall für den Notfall». In besonders schlimmen Fällen brauche es auch hierfür einen Transport mit der Ambulanz oder dem Heli ins Spital.
Sauter betont abermals: «Bei schwachen, vorerkrankten Personen muss im Zweifelsfall eher gehandelt werden.»
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Céline Trachsel (ct), arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Sie ist Redaktorin im Ressort Zürich.