Mitarbeiterwohnen: Wie Werkswohnungen wieder zum Standortfaktor für Unternehmen werden

Mehr als eine Million Wohnungen fehlen in Deutschland. Mieten und Kaufpreise steigen, vor allem in Großstädten. Bezahlbarer Wohnraum wird dadurch zum Standortfaktor für Arbeitgeber. MDR AKTUELL-Hörer Kurt Hertwig fragt sich deshalb, ob es noch Unternehmen gibt, die für ihre Angestellten Werkswohnungen bauen.

  • 3 min read
Mitarbeiterwohnen: Wie Werkswohnungen wieder zum Standortfaktor für Unternehmen werden
In einer modern eingerichteten Werkswohnung steht ein Bett, ein Nachttisch, ein Schreibtisch und ein Kleiderschrank

AUDIO: Schaffen Unternehmen noch Wohnraum für ihre Mitarbeiter? (3 Min)

Mitarbeiterwohnen

Stand: 22.07.2026 06:29 Uhr

Mehr als eine Million Wohnungen fehlen in Deutschland. Mieten und Kaufpreise steigen, vor allem in Großstädten. Bezahlbarer Wohnraum wird dadurch zum Standortfaktor für Arbeitgeber. MDR AKTUELL-Hörer Kurt Hertwig fragt sich deshalb, ob es noch Unternehmen gibt, die für ihre Angestellten Werkswohnungen bauen.

von Till Ganswindt, MDR AKTUELL

  • Fast 10 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind inzwischen auf dem Wohnungsmarkt für ihre Mitarbeiter aktiv.
  • Mit möblierten Wohnungen will ein Klinikbetreiber Fachkräfte aus dem Ausland unterstützen.
  • Auch in Mitteldeutschland gewinnen Werkswohnungen wieder zunehmend an Bedeutung.

Es gibt einige Wohnungsbauprojekte für Beschäftigte, die in Ost und West Stadtgeschichte geschrieben haben: Die Siemensstadt in Berlin etwa, die Krupp-Siedlungen in Essen oder auch die Gartenstädte in Dresden-Hellerau und Wittenberg-Piesteritz.

Die damalige Zeit habe das erfordert, sagt Michael Voigtländer, Immobilienmarktexperte des Instituts der deutschen Wirtschaft, kurz IW: "Mit der Industrialisierung haben viele Unternehmen angefangen, auch Wohnungen für ihre Mitarbeiter zu bauen. Das lag einfach daran, dass die Betriebsstätten oftmals weiter draußen lagen. Es gab nicht viel und man baute dann eigene Siedlungen auf."

Video: Wie vor 100 Jahren: Werkswohnungen wieder im Kommen (9 Min)

Werkswohnungen immer gefragter

Diese klassischen Werkswohnungen gebe es heute kaum noch, so Voigtländer. Überhaupt habe das Thema Mitarbeiterwohnen bis in die 2010er-Jahre erheblich an Bedeutung verloren.

Das habe sich aber in den vergangenen Jahren geändert, besonders durch den angespannten Wohnungsmarkt in den Städten: "Jetzt sind es vor allen Dingen so die Dienstleistungsunternehmen in den Städten, die große Probleme haben, Mitarbeiter zu gewinnen, weil die ihnen auch spiegeln 'München, Stuttgart, Hamburg oder Köln sind alles tolle Städte mit tollen Jobs, aber den Wohnungsmarkt tue ich mir nicht an.'"

Immer häufiger würden deshalb Unternehmen wieder Wohnraum für ihre Angestellten anbieten. Meistens arbeiteten die Arbeitgeber dabei aber mit Wohnungsunternehmen zusammen, erklärt Voigtländer. Inzwischen sind nach IW-Schätzungen etwa acht Prozent der deutschen Unternehmen für ihre Beschäftigten auf dem Wohnungsmarkt aktiv. Bundesweit umfasst das etwa 700.000 Wohnungen.

Michels-Gruppe: Fachkräftegewinnung durch Werkswohnungen

Eines dieser Unternehmen ist die Michels-Gruppe, die mehre Kliniken in Nord- und Ostdeutschland betreibt, darunter eine Reha-Klinik in Bennewitz bei Leipzig. Das Unternehmen besitzt einen Komplex mit 19 Dienstwohnungen und acht WGs auf dem Klinikgelände.

Dazu sagt Kurt-Johannes Michels aus der Klinikleitung: "Wir haben schon lange verstärkt auf Fachkräfte aus dem Ausland gesetzt. Da ist es noch viel essenzieller, dass wir ihnen direkt Wohnraum anbieten können, wenn sie ankommen. Das heißt, nicht nur Wohnraum, sondern auch möbliert, mit WLAN, Tellern, Tassen – also das Komplettprogramm. Das bieten wir an, um ein attraktiver Arbeitgeber zu sein."

Video: Fachkräfte gesucht: Wie weltoffen ist Sachsens Arbeitswelt? (2 Min)

Mitarbeiterwohnen auch in Mitteldeutschland wieder populärer

Die Wohnung zum Job als Standortfaktor – das werde auch für Firmen in der Region immer wichtiger, sagt Moritz John von der Industrie- und Handelskammer Leipzig, die interessierte Unternehmen dabei berät: "Das Thema Mitarbeitendenwohnen gewinnt hier in der Region Leipzig klar an Bedeutung."

Das betrifft laut John aber nicht nur das Stadtgebiet: "Wenn wir in den ländlichen Raum schauen, in die Landkreise rund um Leipzig, wo es jetzt nicht diesen sehr angespannten Wohnungsmarkt gibt, ist das auch ein Thema für die Firmen. Denn da geht es darum, Mitarbeiter und Fachkräfte in diese ländlichen Räume zu locken und da kann Mitarbeitendenwohnen ein Instrument sein."

Video: Großer Bedarf: Gemeinden im Dresdner Umland entwickeln Pläne für Wohnungsbau (3 Min)

John zufolge ist es aber auch hier so, dass die Unternehmen weniger als Bauherren auftreten. Auch im ländlichen Raum gehe es vor allem darum, mit der Wohnungswirtschaft zusammenzuarbeiten, um etwa Wohnraum für die Beschäftigten anzumieten.