Wildkamera filmt rätselhaftes Tier in Pöcking

Eine Familie stellt Katzenfutter auf die Terrasse und filmt per Wildkamera, wer nachts kommt. Das Landratsamt tippt auf einen Goldschakal, der Jagdverein auf einen Jungfuchs mit Räude.

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Wildkamera filmt rätselhaftes Tier in Pöcking

Stand: 17.07.2026, 07:07 Uhr

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Armer Kerl: Ein Jungfuchs mit Räude ist in einem Garten in Pöcking unterwegs.

Armer Kerl: Wohl ein Jungfuchs mit Räude ist in einem Garten in Pöcking unterwegs. © privat

Eine Familie stellt Katzenfutter auf die Terrasse und filmt per Wildkamera, wer nachts kommt. Der Jagdverein ist sich sicher: Das ist ein Jungfuchs mit Räude. Erste Annahmen, es könnte sich um einen Goldschakal handeln, weist der Vorsitzende strikt zurück.

Pöcking – Das Tier ist so groß wie ein Fuchs. Es kommt vorsichtig herbeigetapst. Schnuppert und schnüffelt, geht auf der Terrasse um einen Tisch mit Stühlen herum. Schnüffelt wieder. Nach eineinhalb Minuten landet es beim Futternapf, den die Familie Radermacher auf dem Grundstück an der Hindenburgstraße in Pöcking eigentlich für eine Katze aufgestellt hat. Seither rätseln auch Experten, was für ein Tier dort in der Nacht unterwegs war. Im Landratsamt tippt man vorsichtig auf Goldschakal. Hartwig Görtler, 1. Vorsitzende des Jagdvereins Starnberg, geht sicher von einem an Räude erkrankten Jungfuchs aus.

Fuchshoch, lange Beine, und vor allem ein kahler Schwanz: Dieses Tier lief in Pöcking vor einer Wildkamera herum. Hartwig Görtler ist sich sicher: Das ist ein Jungfuchs mit Räude.

Fuchshoch, lange Beine, und vor allem ein kahler Schwanz: Dieses Tier lief in Pöcking vor einer Wildkamera herum. Hartwig Görtler ist sich sicher: Das ist ein Jungfuchs mit Räude. © privat

„Auf unserer Terrasse entdeckten wir neulich eine scheue, ausgehungerte Katze. Wir hatten den Eindruck, dass sie trächtig ist“, erklärt Stephan Radermacher. „Meine Schwester war überzeugt, ich sollte mich um die Katze kümmern. Und die kennt sich aus.“ Also stellte Radermacher einen Napf mit Futter auf die Terrasse und einen kleinen Unterschlupf für eventuelle Katzenbabys. Weil er sicher gehen wollte, dass die Katze zurückkehrt, installierte er eine Wildkamera, die mehrere Videos machte.

Wie sich das Tier bewegt, seine Neugier, all das weist auf einen schwer an Räude erkrankten Jungfuchs hin.

Tage vergingen. Und auf der Terrasse entwickelte sich ein Zoo. Katzen schauten vorbei, eine ganze Igelfamilie. Und schließlich dieses seltsame Tier. Radermacher dachte erst: Das ist ein kleiner Fuchs. Zur Verwirrung trägt vor allem die lange, kahle Rute bei. Irgendwie passen die Bilder im Kopf nicht mit dem Aussehen eines Fuchses zusammen. Ein Fuchs mit Räude vielleicht?

Auch im Landratsamt Starnberg machte eins der Videos, auf dem das Tier zu sehen ist, die Runde. Und hinterlässt Fragezeichen. „Unsere Wolfsexpertin hat auf Goldschakal getippt“, berichtet Pressesprecher Stefan Diebl. Doch unter Vorbehalt: Denn der lange kahle Schwanz passe gar nicht ins Bild.

Der Goldschakal ist eine mit dem Wolf verwandte Hundeart. Er ist der einzige Schakal, der auch in Europa zu finden ist. Sein Kernverbreitungsgebiet ist allerdings der Balkan. Seit einigen Jahrzehnten breitet er sich aber auch nach Westen und Osten aus. Auch in Deutschland werden regelmäßig Goldschakale gesichtet. Bis Januar 2021 wurden allein aus Deutschland 80 Einzelnachweise erbracht, davon 60 nicht älter als ein Jahr. Auf Sylt soll ein Goldschakal tatsächlich im Mai 2025 mehr als 90 Schafe gerissen haben, so ist es in Wikipedia vermerkt, sein Abschuss wurde daraufhin genehmigt. Nachweise gibt es auch in den Niederlanden, in Dänemark und bis hinauf nach Norwegen. Sein Schutzstatus ist in Europa sehr unterschiedlich.

Goldschakale leben als Einzelgänger oder in Paaren, sind ortsansässig mit festem Revier, ihre Lebenserwartung liegt zwischen acht und 14 Jahren. Ihr einziger natürlicher Feind ist der Wolf. Sie fressen kein Aas, sondern sind sehr flinke Jäger, zu ihrem Beutespektrum zählen Insekten, Nagetiere, Vögel und Amphibien. Das Tier in Pöcking allerdings machte sich mit Begeisterung über den Napf mit Katzenfutter her.

Görtler will nichts hören von einem Goldschakal. „Der braucht ein ganz anderes Habitat.“ Er bekomme regelmäßig Meldungen angeblicher Goldschakale. „Den, der mir im Landkreis den ersten echten Goldschakal zeigt, den lade ich gerne zum Essen ein“, sagt Görtler. Ihn ärgern diese Aufregung und die Spekulationen über Wölfe oder Schakale im Landkreis. „Wie sich das Tier bewegt, seine Neugier, all das weist auf einen schwer an Räude erkrankten Jungfuchs hin.“ In so einem Fall empfiehlt er, Kontakt zur Unteren Jagdbehörde aufzunehmen und eine Entnahme zu beantragen. Diese geschehe mit einer Lebendfalle durch den Jäger vor Ort. Der Fuchs werde ansonsten spätestens, wenn die Kälte komme, eingehen.

Seine Futterstelle hat Radermacher längst entfernt. Denn das Tier sei dazu übergegangen, den ganzen Napf ins Maul und mitzunehmen. „Das wurde mir dann doch zu bunt.“ Die scheue Katze habe er dann an anderer Stelle beim Haus versorgt. Dorthin hat sich der Geselle dann nicht mehr verirrt.