Wo bleibt der Klimaschutz mit Hausverstand?

Hitze in Österreich stellt aus der Sicht der Geosphere Österreich mittlerweile die tödlichste Naturgefahr dar. Betroffen sind vor allem die städtischen Gebiete und Ballungsräume. Das ist lebensgefährlich für Al...

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Wo bleibt der Klimaschutz mit Hausverstand?

Hitze in Österreich stellt aus der Sicht der Geosphere Österreich mittlerweile die tödlichste Naturgefahr dar. Betroffen sind vor allem die städtischen Gebiete und Ballungsräume. Das ist lebensgefährlich für Alte und Kranke und all jene, die keine Chance auf Abkühlung durch Klimaanlagen daheim haben. Derzeit leiden wir unter der dritten Hitzewelle, jene im Juni hat uns schon regionale Temperaturrekorde beschert. Möglich, dass der bisherige Hitzerekord von 40,5 °C dieser Tage gebrochen wird.

Klar ist, dass dieser Sommer rückblickend als kühl wahrgenommen werden wird. Es gibt nämlich keine Hinweise und damit auch wenig Hoffnung, dass die Erderhitzung demnächst gestoppt wird. Noch immer blasen wir weltweit jedes Jahr mehr Treibhausgase in die Atmosphäre als im Jahr davor. Auch Österreich hatte zuletzt wieder steigende Emissionen, was der Klimaminister Norbert Totschnig im Mai mit dem Stehsatz quittierte: „Die Reduktion der Treibhausgase bleibt (...) eine gemeinsame Aufgabe für die Bundesregierung und dafür muss in den kommenden Jahren das notwendige Budget zur Verfügung stehen.“ Heute wissen wir, dass vor allem beim Klimaschutz gespart wird. Totschnig legte zuletzt auch ein Klimaschutzgesetz vor, das sogar die SPÖ und die Neos als unambitioniert ablehnen. Es heißt auch nur mehr „Klimagesetz“.

Stattdessen verweist die Regierung gern auf Hitzeschutzpläne und Anpassungsstrategien. Und während gespart wird, sind die Folgen längst da: Die AGES schätzt allein für den Juni 395 hitzeassoziierte Todesfälle. Trinkwasser wird mancherorts knapp. Beim Grünland drohen laut Landwirtschaftsministerium und Landwirtschaftskammer regional Ernteausfälle von bis zu 50 Prozent – viele Betriebe verfüttern schon jetzt ihre Winterreserven. Die Waldbrandgefahr ist extrem hoch, unsere Wälder brennen auch immer wieder, zum großen Glück sind wir (noch?) weit entfernt von Feuerinfernos, wie sie gerade in Spanien und Frankreich wüten – mit so entsetzlichen neuen Phänomenen wie einer Feuerwolke (Pyrocumulonimbus) im Département Gironde im Juli.

Was aber heißt das alles für uns und unsere Zukunft? Vor allem eines: Wir geben uns einer Illusion hin. Wir können uns an diese Krise nicht anpassen, solange wir sie weiter befeuern. Anpassung ist keine Alternative zum Klimaschutz, sondern dessen Folge. Wenn Hitze zur tödlichsten Naturgefahr im Land wird, wenn der Schutz unseres Lebensraums im Budgetpoker geopfert wird und wenn die Politik weiterhin auf unverbindliche Absichtserklärungen setzt, betreiben wir kollektive Realitätsverweigerung. Die Frage ist doch, wie teuer uns das Wegschauen zu stehen kommt. Politiker warben noch vor ein paar Jahren für einen „Klimaschutz mit Hausverstand“. Zu sehen ist derzeit beides nicht.

kurier.at, BerG  |  03.08.2026, 19:20