14 Ehrenamtliche für die schwersten Stunden: Die stille Arbeit der Notfallseelsorge

Sie sind da, wenn Worte fehlen: Die Notfallseelsorger im Landkreis Wittenberg begleiten Menschen nach Unfällen, Gewalttaten und anderen Tragödien. Zum 20-jährigen Jubiläum würdigt der Landkreis die Arbeit der Ehrenamtlichen.

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14 Ehrenamtliche für die schwersten Stunden: Die stille Arbeit der Notfallseelsorge
Symbolbild Notfallseelsorge

AUDIO: 20 Jahre Notfallseelsorge im Landkreis Wittenberg (2 Min)

Ehrenamtliche Helfer

Wenn das Unfassbare geschieht: Seit 20 Jahren helfen Notfallseelsorger im Landkreis Wittenberg

Stand: 16.08.2026 08:19 Uhr

Sie sind da, wenn Worte fehlen: Die Notfallseelsorger im Landkreis Wittenberg begleiten Menschen nach Unfällen, Gewalttaten und anderen Tragödien. Zum 20-jährigen Jubiläum würdigt der Landkreis die Arbeit der Ehrenamtlichen.

von André Damm, MDR SACHSEN-ANHALT

Notfallseelsorger löschen keine Brände, bergen keine Verletzten und sichern keine Deiche. Ihre Aufgabe beginnt dort, wo technische Hilfe allein nicht mehr reicht. Die Ehrenamtlichen vertrösten nicht, aber sie spenden Trost, hören zu und lassen Menschen nicht allein, wenn das Geschehene kaum zu begreifen ist.

Sie werden beispielsweise gerufen, wenn nach einem schweren Verkehrsunfall eine Todesnachricht überbracht werden muss, wenn Angehörige nach einem Suizid plötzlich allein dastehen oder Augenzeugen eine Gewalttat miterlebt haben. Pro Jahr werden sie zu etwa 60 Einsätzen gerufen.

Superintendentin Gabriele Metzner

Wittenbergs Superintendentin Gabriele Metzner lobt die Arbeit der Notfallseelsorger.

Sie bringen keine Feuerlöscher, aber sie haben die Gabe, Hände, Ohren und Augen zu öffnen, aufzunehmen, auszuhalten und das ist ein großes und wunderbares Geschenk. Gabriele Metzner, Superintendentin in Wittenberg

Es ist eine unglaublich wichtige Arbeit, findet Wittenbergs Superintendentin Gabriele Metzner. Der evangelische Kirchenkreis ist Träger der Notfallseelsorge. "Ich habe immer das Bild der offenen Hände vor Augen. Sie bringen keine Feuerlöscher, aber sie haben die Gabe, Hände, Ohren und Augen zu öffnen, aufzunehmen, auszuhalten und das ist ein großes und wunderbares Geschenk."

Video: Ehrenamtlich: Ilsenburgerin kümmert sich um ältere Menschen (4 Min)

Wir müssen den Menschen helfen, die nächsten Stunden zu überstehen. Theresa Pabst-Clemens, Notfallseelsorgerin

Ehrenamtliche geben Halt in den schwersten Stunden

Mit kurzen Unterbrechungen ist Theresa Pabst-Clemens seit 16 Jahren im Einsatz. Sie hat das Schlimmste gesehen, was passieren kann. "Es sind gravierende Situationen, die uns den Boden unter den Füßen wegreißen. Da ist es wichtig, jemanden zu haben, der ein Anker ist, der Halt gibt, einfach da ist und zuhört. Ein Stück weit Orientierung bietet. Wir müssen den Menschen helfen, die nächsten Stunden zu überstehen."

Notfall- Seelsorgerin Theresa Pabst-Clemens

Mit kurzen Unterbrechungen ist Theresa Pabst-Clemens seit 16 Jahren im Einsatz

Das Team der Wittenberger Notfallseelsorger ist bunt gemischt. Sanitäter und Behördenangestellte gehören ebenso dazu wie Theologen, Juristen oder Krankenschwestern. Was die 14 freiwilligen Helfer verbindet, ist die Bereitschaft, einen Teil ihrer Freizeit für Menschen in Ausnahmesituationen einzusetzen.

Eva Kames

180 Stunden Ausbildung für Krisenintervention und Trauerbegleitung

Dafür werden sie intensiv vorbereitet. Neue Ehrenamtliche absolvieren nach Angaben des Landkreises eine Ausbildung von rund 180 Stunden. Dabei geht es längst nicht nur darum, die richtigen Worte zu finden. Gesprächsführung und Einsatzabläufe gehören ebenso zur Ausbildung wie der Umgang mit Tod und Trauer sowie Selbstreflexion. Regelmäßige Fortbildungen, Supervision und Teamtreffen sollen dafür sorgen, dass die Helfer auch selbst mit den Belastungen ihrer Einsätze umgehen können.

Alarmiert wird das Kriseninterventionsteam über die Integrierte Leitstelle des Landkreises. Damit ist die Notfallseelsorge eng in die Strukturen von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei eingebunden. Wenn Einsatzkräfte feststellen, dass Betroffene neben medizinischer oder praktischer Hilfe auch dringend menschlichen Beistand benötigen, können die speziell geschulten Ehrenamtlichen hinzugerufen werden.

Frank Hirschmann, Leiter Notfallseelsorge im Landkreis Görlitz
Sie kümmern sich auch nicht nur um die Opfer, sondern auch um die Einsatzkräfte. Christian Tylsch, CDU-Landrat Landkreis Wittenberg

"Unsichtbares Ehrenamt": Landrat würdigt Engagement der Helfer

Wittenbergs Landrat Christian Tylsch (CDU) spricht von einem unsichtbaren Ehrenamt. "Wir hören nur die Sirenen, sehen das Blaulicht. Aber nicht die Menschen, die sich als Seelsorger noch auf den Weg machen. Sie kümmern sich auch nicht nur um die Opfer, sondern auch um die Einsatzkräfte. Und das ist kein Zeichen von Schwäche. Sie tragen maßgeblich dazu bei, dass die Einsatzfähigkeit erhalten bleibt."

Christian Tylsch, Landrat Kreis Wittenberg

Wittenbergs Landrat Christian Tylsch würdigt, dass sich Notfallseelsorger auch um die Einsatzkräfte kümmern.

All das verdiene Respekt, so der Landrat weiter. Ende August wird das 20-jährige Jubiläum der Notfallseelsorge im Landkreis Wittenberg mit einem Festakt gewürdigt.

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