15 Jahre Federspiel: Die Totgesagten sind quicklebendig
Das Holzkirchner Ensemble Federspiel hat sein Jubiläumsstück „Haarige Zeiten“ vor gut gefüllten Reihen uraufgeführt. Die Erkrankung eines Stammspielers sorgte dabei für eine Überraschung auf der Bühne.
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Stand: 07.10.2026, 07:20 Uhr
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Das Holzkirchner Ensemble Federspiel hat sein Jubiläumsstück „Haarige Zeiten" vor gut gefüllten Reihen uraufgeführt. Die Erkrankung eines Stammspielers sorgte dabei für eine Überraschung auf der Bühne.
Holzkirchen – Das feine Geschirr, das im Foolstheater für den „frisch verbrühten Kaffee“ aufgefahren wurde, passte perfekt zum Anlass. Sein 15-jähriges Bestehen feierte das Holzkirchner Ensemble Federspiel nun vor gut gefüllten Reihen mit dem Jubiläumsstück „Haarige Zeiten“. Der Titel passte zum Inhalt des Stücks, nicht aber zu den Jubilaren, die gut gelaunt ihr Publikum aufs Beste unterhielten.
Stetig steigende Zuschauerzahlen
So spielte auch Regisseurin Agnes Kraus, die sich über „stetig steigende Zuschauerzahlen“ freute, in ihrer Begrüßung auf die einst mäßig positiven Prognosen für die Ü50-Gruppe an und endete mit verschmitztem Lachen: „Totgesagte leben länger.“ Die Zustimmung aus den Reihen beflügelte die Laienspieler noch zusätzlich, die unter den Klängen von „Figaro, Figaro, Figaro“ den Salon im Fools betraten.
Einer von ihnen ein Neuling. Weil Stammbesetzung Lorenz Paulus erkrankt war, übernahm kurzerhand sein Bruder Georg. Und er spielte den experimentierfreudigen Friseurkunden Wolfgang Heck mit einer solchen Natürlichkeit, dass man ihn nicht für das Greenhorn unter den routinierten Federspielern gehalten hätte.
Publikum lacht bisweilen Tränen
Was sie gaben, war die kurzweilige Theaterstunde, die Kraus versprochen hatte: „Es hat sich gelohnt, dass wir uns geschunden haben.“ Das Publikum, darunter Schauspieler-Kollegen von Kraut & Ruam und dem Freien Landestheater Bayern (FLTB), lachte bisweilen Tränen, wie es aus der von Harry Oriold raffiniert inszenierten Hinter-dem-Spiegel-Perspektive das Treiben in Wiggerl Webers (Michael Kraus) buntem Friseursalon beobachtete.
Allein die vielen Spitzen mit Bezug auf den Alltag machten Spaß. Da wird schon mal einer trauernden Witwe „ganz modern mit WhatsApp“ versehentlich mit einem tanzenden Einhorn und einem von der Autokorrektur übel verunstalteten Text kondoliert. Natürlich kann es in Zeiten des Fachkräftemangels passieren, dass man von einer beflissenen, aber ahnungslosen Hilfskraft (Christina Müller-Gayc) zugerichtet wird wie ein Pudel im Hundesalon. An einen solchen erinnert das Haupthaar des eitlen Daniel Schiller (Jörg Lohmann), der dem kreativen Silvio (Klaus Schmalhofer) ebenso nachtrauert wie Annabell Graber (Waltraud Hanke), die zur Silberhochzeit besonders schön gestylt sein möchte. Auf keinen Fall aber so, wie das der kurzerhand eingespannte Hannes Weber (Manfred Demmel) interpretiert, der das Styling im Salon des Bruders ebenso hemdsärmlig angeht wie die Buchhaltung, für die er eigentlich verantwortlich ist.
Ob er davon mehr Ahnung hat als vom Frisieren? Auf jeden Fall ist er sehr kreativ, was angesichts der angekündigten Betriebsprüfung durch die „gesetzestreue Mitschülerin Margret“ (Vroni Mang) bei seinem Bruder, dem Geschäftsmann, Schweißausbrüche bis Existenzängste auslöst. Wird das alles gut gehen?
Weitere Vorstellungen geplant
Auf das gelungene Jubiläum angestoßen wurde am Ende dann doch nicht mit den Goldrand-Tassen, die im Stück eilig aus dem Wohnzimmer in den Salon geschafft worden waren, um zu rechtfertigen, dass sie unter Betriebsausgaben in der Bilanz auftauchten. So wie der Cardiotrainer zur sportlichen Überbrückung von Wartezeiten, das Botox für den adretten Ladenbesitzer und der mit feinstem Hundefutter bei Laune gehaltene Wachhund Fiffi.
Weitere Vorstellungen von „Haarige Zeiten?“ gibt es Sonntag, 11. und 18. Oktober, jeweils 16 Uhr, Donnerstag, 22. Oktober, um 19 Uhr und Donnerstag, 29. Oktober, um 14 Uhr im Rahmen der Reihe „Kaffee, Kuchen und Kultur“. Karten zum Preis von 15 Euro (ermäßigt 13 Euro, Kinder und Jugendliche 10 Euro, 14 Euro bei „Kaffee, Kuchen und Kultur“) auf www.kultur-im-oberbraeu.de), an der Theater- sowie der Abendkasse.