166 Pferde und 2000 Zuschauer: Auftakt zur Leonhardi-Saison begeistert

Festlich geschmückte Kutschen, Blasmusik und Hunderte Wallfahrer: In Reichersdorf ist die Leonhardi-Saison im Landkreis Miesbach eröffnet worden. Tausende Zuschauer verfolgten den traditionellen Ritt, bei dem ein junges Pferd kurzzeitig für Aufregung sorgte.

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166 Pferde und 2000 Zuschauer: Auftakt zur Leonhardi-Saison begeistert

Stand: 12.10.2026, 07:00 Uhr

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Leonhardi Reichersdorf Foto tp

Festlich geschmückt waren die Kutschen, Truhen- und Kastenwagen der Wallfahrer in Reichersdorf. © THOMAS PLETTENBERG

Festlich geschmückte Kutschen, Blasmusik und Hunderte Wallfahrer: In Reichersdorf ist die Leonhardi-Saison im Landkreis Miesbach eröffnet worden. Tausende Zuschauer verfolgten den traditionellen Ritt, bei dem ein junges Pferd kurzzeitig für Aufregung sorgte.

Reichersdorf – Kirchenglocken, Pferdeschnauben, Blasmusik, Goaßlschnalzer und klingende Schellen an den Geschirren: Mit dem typischen Klang einer Pferde-Wallfahrt läuteten die Reichersdorfer gestern vor 2000 Zuschauern die Leonhardi-Saison im Landkreis Miesbach ein. 166 Pferde, 66 Reiter und 29 wunderschön und aufwendig mit Daxen und Blumen geschmückte Kutschen, Truhen- und Kastenwagen umrundeten die Filialkirche St. Leonhard, um zweimal den kirchlichen Segen zu erhalten. Den erteilte Pater Michael vom Deutschen Orden das erste Mal beim Feldgottesdienst, zu dem sich die Wallfahrer auf der Berchtoldwiese versammelt und in fünf langen Reihen aufgestellt hatten.

Fünf Birkenbäumchen zierten das Feldkreuz vor dem Altar auf dem kleinen Hügel im Norden, direkt vis-à-vis der Kirche und der Allerheiligenkapelle. Pater Michael freute sich sehr, zur Feier des Bauernpatrons und Nothelfers so viele Wallfahrer begrüßen zu können. Er lobte die geschmückten Wagen, die kunstvoll geflochtenen Pferdemähnen und die schmucken Trachten und machte deutlich, dass Gott dem Menschen die Sorge für seine Schöpfung anvertraut habe. „Der Leonhardiritt ist kein Schaulaufen, sondern eine lebendige Wallfahrt mit dem Wunsch nach Segen für Mensch, Tier und Natur“, stellte der Pater klar.

Die Rösser seien seit Jahrtausenden die Gefährten der Menschen. Pferde seien keine Autos oder Maschinen, die mechanisch funktionierten, sondern Mitgeschöpfe. Hier brauche es Vertrauen, Zeit und Geduld und manchmal eine feste Hand, damit die Beziehung zwischen Mensch und Tier funktioniere. „Die Natur ist uns nur anvertraut“, stellte Pater Michael fest. Und der Segen heute sei ein Versprechen an Gott, dass „wir gut mit seiner Schöpfung umgehen wollen“.

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Gut trainierte Rösser: Die Pferde kommen mit der Geräuschkulisse des Leonhardiritts zurecht. Nur ein junger Haflinger scheute am Sonntag. © THOMAS PLETTENBERG

Dass der Leonhardiritt in Reichersdorf nicht nur Ausdruck dieses Versprechens ist, sondern als erste Wallfahrt im Reigen der jährlich stattfindenden Leonhardiritte eine Probe aufs Exempel, wurde gestern nach der ersten Runde deutlich. Während 165 Pferde duldsam das 45-minütige Glockengeläut, die Blasmusik und später auch das Geschnalze der Peitschen hinnahmen, und beim Warten höchstens gelegentlich am blumigen Schweifschmuck des Vorderpferds knabberten, taugte einem jungen Haflinger die Situation nicht.

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Schutzpatron des Viehs: Der Heilige Leonhard auf einem der Wagen. © THOMAS PLETTENBERG

Dabei waren es augenscheinlich nicht die Geräuschkulisse und die vielen fremden Pferde, die das offenbar noch unerfahrene Tier nervös machten. Es war mit drei anderen zierlichen Haflingern vor einen schweren Kastenwagen mit etwa 20 Trachtlern gespannt und scheute ob des Widerstands beim Anfahren in der regenweichen Wiese. Der Pferdeführer riss mit aller Kraft und ganzem Gewicht dem steigenden Pferd die Trense ins Maul, um es wieder auf den Boden zu bekommen. Der Besitzer spannte es schließlich aus und ein Ersatzpferd ein.

Dem weiteren Verlauf der Wallfahrt tat das Intermezzo keinen Abbruch. Rosserer und Tiere, Landrat Jens Zangenfeind (FWG), Bundestagsabgeordneter Karl Bär (Grüne) und zahlreiche Bürgermeister, Trachtler und Schützen sowie die Stadtkapelle Miesbach, die von acht Zweispännern und 21 Vierspännern ums Dorf gezogen wurden, erhielten bei der zweiten Runde ihren zweiten Segen vor der Allerheiligenkapelle. Anschließend ließen sich die Gäste, die restlos alle 2000 Zeichen aufgekauft hatten, Würste, Leberkässemmeln und Getränke auf den Bierbänken vor den Höfen der Reichersdorfer schmecken.