20 Menschen testen vier Monate E-Bikes statt Auto – und ziehen positives Fazit
In Ortenberg, Glauburg und Ranstadt erprobten Teilnehmer E-Bikes und ÖPNV als Alternativen zum Auto im Alltag. Wo die größten Hürden für eine Mobilitätswende auf dem Land liegen, zeigt die Auswertung.
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Stand: 09.09.2026, 07:00 Uhr
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In Ortenberg, Glauburg und Ranstadt erprobten Teilnehmer E-Bikes und ÖPNV als Alternativen zum Auto im Alltag. Wo die größten Hürden für eine Mobilitätswende auf dem Land liegen, zeigt die Auswertung.
Ortenberg – Seit Anfang Mai haben 20 Menschen aus Ortenberg, Glauburg und Ranstadt während eines Mobilitätsexperiments alternative Verkehrsmittel im Alltag getestet. Nun ist das Projekt abgeschlossen. Am Montag wurden die von der Firma Riese & Müller bereitgestellten E-Bikes am Ortenberger Bürgerhaus zurückgegeben. Anschließend kamen die Teilnehmer zu einer Abschlussrunde zusammen.
Nachhaltige Mobilität
Das aus Bundesmitteln finanzierte Förderprojekt „transform-R“ möchte die Mobilitäts- und Energiewende in die Fläche bringen. In der Region wird es vom Regionalverband Frankfurt㈠RheinMain verantwortet. Eines der vielfältigen Themen des Regionalverbandes ist die Mobilitätswende. Der Verband ist sich bewusst, dass die Bedürfnisse sowie die Ansprüche an die Mobilität für die Menschen in Oberhessen ebenso groß wie vielfältig sind. Von der Reduktion des motorisierten Individualverkehrs bis zur Stärkung und Verknüpfung von öffentlichem Nahverkehr, Rad- und Fußverkehr setzt sich der Verband nun auch im Wetteraukreis für kurze Wege ein.
Zwölf Teilnehmer erhielten zu Beginn ein E-Bike, zwei ein Lasten-E-Bike. Sechs weitere Testpersonen verpflichteten sich, verstärkt den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) zu nutzen. Ziel war es, im ländlichen Raum Alternativen zum Auto sowohl auf dem Arbeitsweg als auch im privaten Alltag zu erproben.
Die während des Projekts gewonnenen Erfahrungen werden vom Institut für sozial-ökologische Forschung (ISOE) gesammelt und ausgewertet. Mithilfe umfangreicher Fragebögen sollen Erkenntnisse darüber gewonnen werden, welche Voraussetzungen und Hindernisse bei der Mobilitätswende im ländlichen Raum bestehen.
Bereits zur Halbzeit des Projekts hatte diese Zeitung mit Teilnehmer Kai Emrich aus Wippenbach gesprochen. Sein Fazit fiel damals überwiegend positiv aus und hat sich bis heute nicht geändert. Statt täglich 19 Kilometer mit dem Auto in rund 20 Minuten zur Arbeit zurückzulegen, fuhr er eine 16 Kilometer lange Strecke mit dem E-Bike in etwa 40 Minuten. Die längere Fahrzeit nahm er aufgrund der geringeren Autokosten und der gesundheitlichen Vorteile gerne in Kauf.
Im Mittelpunkt der Abschlussveranstaltung stand der Austausch mit Verantwortlichen aus Verwaltung und Verkehrsplanung. Unter dem Titel „Meet Your Local Planner“ stellte Dr. Luca Nitschke vom ISOE die beteiligten Fachleute sowie Pia Heidenreich-Herrmann von den Effolderbacher „Dorfbewegern“ vor, die das Projekt von Beginn an unterstützte. Ein wichtiges Anliegen sei gewesen, die Teilnehmer während der Testphase bei Fragen und Problemen zu unterstützen und zu begleiten.
„Letzte Meile“ und Probleme mit ÖPNV
Zu den Akteuren gehört auch Glauburgs Bürgermeisterin Henrike Strauch (SPD). Aus ihrer Sicht stellt insbesondere die sogenannte „letzte Meile“ eine Herausforderung dar. Zwar verfüge Stockheim mit seinem Bahnhof über einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt, öffentliche Parkmöglichkeiten gebe es dort jedoch nicht. Deshalb stelle sich die Frage, wie Pendler bequem zur Bahn gelangen.
Ortenbergs Bürgermeister Markus Bäckel (FWG) sucht nach Möglichkeiten, um das hohe Verkehrsaufkommen in der Region zu reduzieren. Da der öffentliche Nahverkehr im ländlichen Raum deutlich weniger ausgebaut sei als in Ballungszentren, könne insbesondere das Fahrrad eine attraktive Alternative darstellen. Als Beispiel nannte er den Ausbau des Radweges nach Konradsdorf.
Stefan Klöppel, Leiter ZOV-Verkehr, verwies ebenfalls auf regionale Herausforderungen. Kritisch sieht er die Situation im Schülerverkehr. Seiner Ansicht nach werde die Nähe zwischen Wohnort und Schule bei Entscheidungen nicht immer ausreichend berücksichtigt, während die Verantwortung für die Beförderung häufig bei den Eltern verbleibe. Trotz der wachsenden Bedeutung des Fahrrads müsse die Mitnahme von Rädern in Zügen begrenzt werden. „Wir kommen hier an unsere Grenzen“, sagte Klöppel.
Auch Julian Herzel, Nahmobilitätskoordinator des Wetteraukreises, zog eine differenzierte Bilanz. Er begrüßte die Neuauflage der Radwegenetzkarte im Zusammenhang mit der Landesgartenschau. Gleichzeitig sehe er die Schwierigkeiten, das Auto im ländlich geprägten Ostteil der Wetterau durch den ÖPNV zu ersetzen.
Julien Zahn, Umweltkoordinator der Stadt Ortenberg und Ansprechpartner für Klimaschutzfragen, begleitet unter anderem das Carsharing-Projekt der „Dorfbeweger“. Auch als Marktmeister des Kalten Marktes beschäftige ihn regelmäßig die Frage einer verbesserten Verkehrsanbindung durch den ÖPNV. Bereits wenige Maßnahmen könnten jedoch mit Kosten im fünfstelligen Bereich verbunden sein.
Die Teilnehmer selbst zogen überwiegend ein positives Fazit. Verbesserungsbedarf sehen sie vor allem bei der Ausschilderung von Umleitungen an Radwegen. Baustellen führten häufig zu unübersichtlichen Situationen. Zudem seien einzelne Wege durch land- und forstwirtschaftliche Nutzung in einem Zustand, der das Radfahren erschwere. Mehrere Teilnehmer regten deshalb die Einrichtung einer zentralen Meldestelle für Schäden und Gefahrenstellen an.
Nach der Auswertung sollen die Ergebnisse des Experiments und mögliche Maßnahmen zum Jahresende öffentlich in einer Ausschusssitzung vorgestellt werden. (een)