25 Jahre nach 9/11: Wie Trump den Anschlag für seinen Aufstieg nutzte
Donald Trump und 9/11 Auf einmal hat er einen neuen Grund für den Iran-Krieg11.09.2026 - 19:27 UhrLesedauer: 5 Min.Donald Trump erlebte den 11. September 2001 in New York. Bis heute nutzt er die Anschläge für s...
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Donald Trump und 9/11
Auf einmal hat er einen neuen Grund für den Iran-Krieg
11.09.2026 - 19:27 UhrLesedauer: 5 Min.
Donald Trump erlebte den 11. September 2001 in New York. Bis heute nutzt er die Anschläge für sich politisch.
David Schafbuch berichtet aus New York
Als Donald Trump am Freitag um kurz nach 10 Uhr morgens vor das Rednerpult trat, wurden in New York die Namen von Opfern der Anschläge des 11. September 2001 vorgelesen. Während alle lebenden ehemaligen US-Präsidenten in New York an der Gedenkfeier teilnahmen, blieb das amtierende US-Staatsoberhaupt der Veranstaltung fern. Stattdessen nahm Trump an einer Gedenkfeier im Verteidigungsministerium in der Nähe der Hauptstadt Washington teil.
Bei der Gedenkveranstaltung in New York hat seit 2012 kein Politiker mehr gesprochen. Das zuständige 9/11-Museum will dadurch die Geschichten der Opfer in den Fokus rücken und eine überparteiliche Zeremonie ermöglichen. Trump habe auch deshalb seine Teilnahme abgesagt, berichtete die "New York Times" im Vorfeld.
In Washington sprach der Präsident dann davon, dass der Kampf gegen den Terror seit diesem Tag immer weitergehe. "Wir werden niemals vergessen", sagte Trump. "Deshalb kämpfen wir heute. Wir haben keine Wahl. Es kann nur einen Sieg geben."
"Schaue auf absolut gar nichts"
Seine eigenen Erfahrungen am 11. September 2001 erwähnte der Präsident diesmal nicht. Dabei hat er über die Jahre eine eigene Geschichte entwickelt, wie er die Anschläge in New York erlebt hatte. Bis heute nutzt Trump den 11. September auf zwei Arten: Persönlich inszenierte sich Trump immer stärker als jemand, der sich angeblich ohne Furcht und großes Überlegen an den Aufräumarbeiten am World Trade Center beteiligt hat. Politisch hat Trump die Stimmung in den USA nach den Anschlägen für seinen politischen Aufstieg genutzt.
Der gebürtige New Yorker hatte die Anschläge 2001 selbst in der Stadt erlebt. Damals war Trump noch in der Baubranche aktiv. Er habe im Trump-Tower einen Blick auf die Zwillingstürme gehabt, sagte er damals in einem Telefoninterview mit dem Sender "WWOR/UPN 9 News": "Jetzt schaue ich auf absolut gar nichts. Sie sind einfach weg und das ist kaum zu glauben."
Trump hatte sich in den Tagen danach auch in der Nähe des Anschlagsortes aufgehalten. Das belegen Fotos und Videoaufnahmen. Mehrere Interviews aus dieser Zeit sind noch heute im Internet zu finden. Am 13. September sprach er etwa mit dem deutschen Nachrichtensender N24. Trump sagte dort, dass er selbst viele Immobilien in der Stadt besitze. Allerdings sei keines seiner Häuser durch die Anschläge beschädigt worden.
Zu vielen Details, über die Trump bereits damals und in den Jahren danach sprach, fehlen allerdings jegliche Belege. Er behauptete zum Beispiel, dass rund 100 seiner Mitarbeiter am Anschlagsort helfen würden. Zudem seien 125 weitere noch unterwegs zum Ground Zero. Richard Alles, damals einer der leitenden Feuerwehrmänner in New York, sagte verschiedenen Medien, dass er Trump dort nach den Anschlägen kein einziges Mal gesehen habe.
Laut Alles gibt es auch keinerlei Dokumente, die belegen, dass Trump Bauarbeiter zu den Trümmern schickte. Alle Aufgaben seien damals von Polizei und Feuerwehr koordiniert und in Unterlagen festgehalten worden. Der ehemalige Feuerwehrmann schloss zwar nicht aus, dass er den heutigen Präsidenten vor Ort schlicht übersehen habe, "aber ich kenne niemanden, der ihn dort jemals gesehen hat", so Alles.
"War nicht einfach"
Trumps Version der Geschichte hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Die jüngste Version präsentierte der Präsident am vergangenen Dienstag. In Washington sprach er zu Ersthelfern vom Tag des Anschlags. "Ohne Zögern" habe er damals seine Mitarbeiter von einer Baustelle abgezogen.
Er habe zudem vor dem United States Steel Building gestanden, das heute den Namen One Liberty Plaza trägt. Trump habe ein Knarren an dem Hochhaus gehört. Daraufhin hätten ihn zwei Feuerwehrleute an den Armen gepackt und weggetragen. Denn es sei befürchtet worden, dass das Hochhaus einstürzen könnte.
"Das war nicht einfach, denn ich bin groß", sagte Trump unter dem Gelächter des Publikums. Belege gibt es auch für diese Geschichte nicht. Das Hochhaus, das rund fünf Gehminuten vom World Trade Center entfernt liegt, steht auch heute noch.
"Erfolgreich ausgenutzt"
Der Historiker Nathan Citino sieht aber in 9/11 mehr als nur eine angebliche Heldengeschichte für Donald Trump. Citino lehrt an der Rice-University in Houston. "Trump hat das politische Umfeld nach dem 11. September nicht geschaffen, aber er hat es erfolgreich ausgenutzt", sagte Citino t-online.
Zu diesem politischen Umfeld zählt der Historiker zum einen die Finanzkrise, die 2008 auch die USA traf. Zum anderen gehören dazu auch die "endlosen Kriege", die die USA nach den Anschlägen begannen. Als Reaktion auf den Anschlag der Terrorgruppe al-Qaida marschierten US-Truppen 2001 zunächst in Afghanistan ein und zogen 2021 unter chaotischen Umständen wieder ab. 2003 folgte der Krieg im Irak, dort blieb das US-Militär bis 2011.
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Trump hatte die Kriege in seiner Wahlkampagne 2016 häufig kritisiert. Seine Skepsis vor Militäreinsätzen prägte auch seine erste Amtszeit. So berichtete es John Bolton, damals Nationaler Sicherheitsberater unter Trump. Bolton sagte t-online, er habe bei Trump bereits damals für einen Angriff gegen den Iran geworben. Der Präsident habe dies abgelehnt, weil er keine Situation wie im Irak verantworten wollte. "Trump sagte mir mehrfach, dass er den Sturz von Saddam Hussein im Irak unter George W. Bush für einen Fehler hielt."
Laut Historiker Citino konnte der Präsident auch von einer wachsenden Islamphobie nach den Anschlägen in den USA profitieren. Der Experte sieht einen Zusammenhang zwischen der Stimmung in den USA und der Art und Weise, wie die derzeitige Regierung Einwanderer als "Sündenböcke" benutze.
Milliarden für ICE
Für Trumps harte Linie gegenüber Migranten nutzt der Präsident auch Regeln und Institutionen, die auf den Anschlag vom 11. September zurückgehen. Dazu zahlen etwas das Heimatschutzministerium und die Migrationsbehörde ICE.
Beide Behörden wurden infolge der Anschläge geschaffen. In seiner zweiten Amtszeit hat der Präsident das Budget für das Ministerium um mehr als 191 Milliarden Dollar ausgebaut. Allein 75 Milliarden flossen dabei an die Migrationsbehörde ICE, die im gesamten Land illegale Migranten aufspüren und abschieben soll.
Im "Patriot Act", der damals ebenfalls beschlossen wurde, sieht Historiker Citino ein weiteres Werkzeug für Trump. Mit dem Maßnahmenpaket wurden 2001 Überwachungsmöglichkeiten gegen US-Bürger und Einreisebestimmungen für Ausländer verschärft.
Offiziell sind Teile des Gesetzes bereits vor Jahren ausgelaufen. Laut Citino sei durch das Gesetz allerdings eine Stimmung entstanden, die ebenfalls für Trump hilfreich war. Es habe nach den Anschlägen eine "allgemeine Notstandsstimmung" geherrscht. Dadurch habe es eine Bereitschaft gegeben, die Strafverfolgungsbehörden zu stärken. Das Resultat sei eine "Militarisierung der Polizei", deren Gewalt sich unter Trump vor allem gegen Einwanderer richte.
Am Freitag vor dem Verteidigungsministerium hob Trump auch hervor, dass der "Krieg gegen den Terror", den die US-Regierung nach den Anschlägen ausgerufen hatte, weitergehe. Man habe keine Wahl, als weiterzukämpfen, sagte der Präsident in Washington. Als Reaktion auf die Anschläge verteidigte Trump dabei auch den andauernden Krieg im Iran. "Wir würdigen die Soldaten, die gerade jetzt dafür sorgen, dass der weltweit führende Unterstützer des Terrors, die Islamische Republik Iran, niemals eine Atomwaffe besitzen wird."