30 Jahre Basa: Wie Telmo Rodriguez dem Weinbau in Spanien neues Leben einhauchte

Telmo Rodriguez ist einer der Pioniere des modernen Weinbaus in Spanien. Seit drei Jahrzehnten haucht er vergessenen Lagen und alten Rebsorten neues Leben ein. Begonnen hat vor 30 Jahren alles mit seinem Weißwein Basa.

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30 Jahre Basa: Wie Telmo Rodriguez dem Weinbau in Spanien neues Leben einhauchte

Als wir Telmo Rodriguez vor mehr als zehn Jahren am Rande des „Rheingau Gourmet & Wein Festivals“ zum Interview trafen, war er schon ein Star. Dunkle Haare, zugewandter Blick, freundliches, offenes Lächeln, hellblaues Hemd unter einem braunen Pullover, vor allem aber: klare Worte. Nein, der „fahrende Weinmacher“, als der er schon damals oft beschrieben wurde, wollte er nicht sein. Überhaupt Weinmacher – schon der Begriff war ihm ein Graus. „Es ist das Gegenteil von dem, was ich tue. Ich habe in Bordeaux Weinbau studiert und zwei große Chateaus kennengelernt. Aber ich wollte lieber handwerklich arbeiten, ich wollte zurück zu den Wurzeln.“ Ein Weinmacher sei ein Techniker, der eine Art Rezept anwendet, egal, wo er tätig wird, ob nun in Australien, Südafrika oder in Spanien. „Ich hasse das.“

Viermal Telmo Rodriguez: die Weine Basa, Matallana, Lanzaga und Branco de Sta. Cruz (von links)
Viermal Telmo Rodriguez: die Weine Basa, Matallana, Lanzaga und Branco de Sta. Cruz (von links)Janek Stempel

Heute ist Telmo Rodriguez nicht nur ein Star, er ist – zumindest in der spanischen Weinszene – eine Legende. Er gilt als einer der wichtigsten Pioniere der modernen spanischen Weinkultur. Spaniens Weinbau mit seiner fast zweitausendjährigen Geschichte habe sich zu einem industriellen, markenorientierten Gewerbe ohne Seele und Tradition entwickelt, sagte er schon damals. Dem habe er von Anfang an entgegenwirken wollen – und sein Bemühen, „das vergessene Spanien wiederzuentdecken“, hat im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte nicht nur viele Bewunderer, sondern auch zahlreiche Nachahmer gefunden.

1962 im Baskenland geboren, wuchs Rodriguez auf dem von seiner Familie erworbenen ehemaligen Klostergut Remelleuri im Rioja-Gebiet auf. In Bilbao studierte er Biologie und ging dann zusammen mit seinem Freund Pablo Eguzkiza zum Önologiestudium nach Bordeaux. Nach seiner Zeit in Frankreich kehrte er nach Spanien zurück, verließ aber schon bald, von den Vorstellungen seines Vaters frustriert, das familieneigene Gut Remelleuri und gründete mit Eguzkiza die „Compania de Vinos Telmo Rodriguez“ – mit dem Ziel, vergessene spanische Weinregionen und alte Rebsorten wiederzubeleben. Die beiden Freunde machten sich im ganzen Land auf die Suche nach außergewöhnlichen Orten und Lagen. Im Anbaugebiet Rueda nordwestlich von Madrid wurden sie als Erstes fündig und legten mit Basa 1996 die Basis für ihre künftige Arbeit.

Grundstein der spanischen Weißweinrevolution

Heute ist Rueda weit über Spanien hinaus für seine Weißweine und insbesondere die Hauptrebsorte Verdejo bekannt. Mitte der Neunzigerjahre war das Gebiet mit seinen sanften Hügeln im besten Fall das, was man heute einen Hidden Champion nennt. Aber Rodriguez erkannte das Potential des Verdejo und kelterte mit dem Basa aus 90 Prozent Verdejo und zehn Prozent Viura einen Wein, der sich auf der einen Seite frisch und knackig und voller fruchtiger Aromen und Kräuternoten zeigt, auf der anderen aber auch ausdrucksstark und vollmundig ist. Vor allem aber tritt Rodriguez mit Basa den Beweis an, dass sich ein Wein dieser Klasse in einem bezahlbaren Segment (heute unter zehn Euro) produzieren lässt.

Mit dem Basa legte das junge Weinunternehmen ohne Zweifel den Grundstein für die spanische Weißweinrevolution der späten Neunzigerjahre. Der riesige Erfolg im In- und Ausland war aber auch die finanzielle Grundlage für die vielen weiteren Projekte, die folgen sollten. In diesem Jahr feiert Rodriguez 30 Jahre Basa – und ein bisschen auch sich selbst und seine Vision von einem modernen, nachhaltigen Weinbau, der sich bei aller Innovation stets seiner Wurzeln und Traditionen bewusst ist.

Inzwischen keltern Telmo Rodriguez und Pablo Eguzkiza mehrere Dutzend Weine in neun Anbaugebieten. In mehr als 350 unterschiedlichen Lagen auf insgesamt 80 Hektar kultivieren sie mehr als 40 Traubensorten. Wie seit Beginn ihrer Zusammenarbeit setzen sie auf autochthone Reben statt auf internationale Sorten wie Cabernet Sauvignon oder Merlot.  Ein typisches Beispiel ist dabei der Gaba do Xil aus Valdeorras in Galicien. Dieser strohgelbe, körperreiche Tropfen zeigt, das nicht nur die weit verbreitete Sorte Albarino im Nordwesten Spaniens für bemerkenswerte Weißweine steht, sondern auch die lange fast völlig unbekannte Traube Godello.

Ebenso eigenständig und charaktervoll sind im Grunde alle Weine von Telmo Rodriguez, auch die Roten wie etwa der voluminöse und beeindruckend komplexe Matallana aus der Region Ribera del Duero, der fruchtbetone, aromatische Gago aus dem Toto-Gebiet oder der Lanzaga aus dem Rioja mit seiner wilden, animierenden Würzigkeit.

Als Grundlage für authentische Weine dieser Art sehen Rodriguez und Eguzkiza einen möglichst natürlichen Weinbau. Sie sind um nachhaltige Arbeitsweisen bemüht, setzen auf erneuerbare Energien und – wenn möglich – auf eine ökologische Bewirtschaftung. Das sei keineswegs ein Kampf gegen die Moderne, sagt Telmo Rodriguez. Sondern ein Kampf gegen das Vulgäre, gegen die Gleichschaltung des Geschmacks.