30 Jahre SRF Musikwelle – «Ich raste mit dem Auto ins Studio»
Sie waren fast von Anfang an dabei und haben die SRF Musikwelle über viele Jahre mitgeprägt: Christine Gertschen und Christian Klemm. Nun blicken sie gemeinsam mit Riccarda Trepp zurück auf die Anfänge in kleinem Team und die Entwicklung zu einem der meistgehörten Radioprogrammen der Schweiz.
- 7 min read
30 Jahre SRF Musikwelle Blackout am Radiosender – «Ich raste mit dem Auto ins Studio»
Aus einem Pilotprojekt auf Sparflamme wird einer der erfolgreichsten Radiosender der Schweiz. Wir schauen zurück auf legendäre Geschichten aus 30 Jahren SRF Musikwelle.
Teilen
«Da isch d Musigwälle 531» waren die ersten Worte, die am 1. Oktober 1996 über den neuen Sender gingen. Man nannte ihn das «Kleine Schwesterchen von Radio DRS». Der Sender bestand damals aus einem Mini-Team von Co-Leiterin Verena Speck, Musikredaktor Thomas Wild und Moderator Jörg Stoller und galt als Test. Er musste darum besonders sparsam sein.
Wir waren der Sender mit der altmodischsten Musik, aber mit der modernsten Technik.
Verena Speck erinnert sich an hektische Zeiten. Nebst dem Beantworten von Anrufen und Korrespondenz mussten auch Geschenke verpackt und verschickt werden. Zwei Stunden pro Tag wurde live moderiert. Alles andere wurde vorher aufgezeichnet und vom Computer zeitgesteuert abgespielt.
30 Jahre Musikwelle – Souvenirs und Schnappschüsse
Anfang Bildergalerie
Bildergalerie überspringen
-
Bild 1 von 20. 1996. «Musigwälle 531» geht auf Sendung. Verena Speck, Jörg Stoller und Thomas Wild (v.l.) starten in ein neues Zeitalter.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 2 von 20. 1997. Thomas Wild, Christine Gertschen, Jürg Moser, Verena Speck und Christian Klemm (v.l.) mit dem «Musigwälle 531»-Motto «... ganz schön traditionell».
Bildquelle: SRF.
-
Bild 3 von 20. 2000. Christine Gertschen auf Sendung. DRS Musigwälle 531 hatte ihren Namen übrigens der Mittelwellenfrequenz 531 zu verdanken, auf der anfangs gesendet wurde.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 4 von 20. 2002. Musikredaktoren Thomas Wild und Jürg Moser (v.l.) sorgen für die perfekte Mischung aus volkstümlicher Musik, Unterhaltungsmusik, Oldies und Schlagern.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 5 von 20. 2005. «Musigwälle 531» lädt zu einer Hörerreise auf dem Rhein ein. Mit an Bord ist unter anderem Moderator Christian Klemm.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 6 von 20. 2008. Umzug für DRS Musikwelle in ein neues Studio am Standort Brunnenhof in Zürich.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 7 von 20. 2008. Das Mini-Team aus Gründerzeiten ist mittlerweile schon merklich gewachsen.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 8 von 20. 2008. Der Landessender Beromünster wird eingestellt. Die Musikwelle bleibt bestehen und wird fortan über DAB+, Internet, Kabel und Satellit empfangen.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 9 von 20. 2008. Nicht die erste und nicht die letzte süsse Überraschung, mit der das Publikum das Team der Musikwelle beschenkt.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 10 von 20. 2009. Maja Brunner und Walter Andreas Müller bereicherten über Jahre hinweg das Team der Musikwelle – zwischendurch wird auch einmal eine Ananas zerlegt.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 11 von 20. 2010. Das Team von SRF Musikwelle (im Bild: Beat Tschümperlin) feiert den 80. Geburtstag von Elisabeth Schnell. Sie erzählte im «Sinerzyt» ab und zu von frühen Erlebnissen als Moderatorin und Redaktorin.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 12 von 20. 2010. Ein Höhepunkt im Sommer 2010: DRS Musikwelle lädt zum «Tanzen auf dem Bundesplatz». Christine Gertschen und Eric Dauer lassen sich nicht zweimal bitten.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 13 von 20. 2011. DRS Musikwelle feiert den 15. Geburtstag! Das begeistert nicht nur Jörg Stoller und Béa Andrek.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 14 von 20. 2013. Christine Gertschen gibt für einmal als Gast-Dirigentin den Ton an und leitet die Wiggertaler Blaskapelle.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 15 von 20. 2013. Zum 75. Geburtstag von Heino wirft sich auch das Team in «Schale». Im Bild: Joël Gilgen.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 16 von 20. 2015. Mit «Dorfplatz» feiert SRF Musikwelle Premiere. Die erste Ausgabe kommt aus Mosnang. Vor Ort im Einsatz stehen Sämi Studer, Alexandra Felder und Fränzi Haller (v.l.).
Bildquelle: SRF.
-
Bild 17 von 20. 2016. Auf dem Urnerboden feiern Guido Rüegge, Bernhard Siegmann, Christine Gertschen und Beat Tschümperlin (v.l.) die 25. Ausgabe des beliebten Älpler-Wunschkonzerts.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 18 von 20. 2016. Sämi Studer und Beat Tschümperlin begrüssen am Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest die beiden Schwingerkönige Noldi Ehrensberger und Harry Knüsel.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 19 von 20. 2016. Zum 20-Jahr-Jubiläum lässt Moderationsleiter Christian Klemm die Champagnerkorken knallen.
Bildquelle: SRF.
-
Bild 20 von 20. 2021. Moderator Eric Dauer sendet für die SRF Musikwelle als erster Sender aus dem neuen Studio am Leutschenbach Zürich.
Bildquelle: SRF/Gian Vaitl.
Ende der Bildergalerie
Zurück zum Anfang der Bildergalerie.
«Wir waren der Sender mit der altmodischsten Musik, aber mit der modernsten Technik», so Speck. Das System war jedoch pannenanfällig. Oft hiess es spätabends plötzlich: «Guete Morge bi de Musigwälle 531.»
Mitte der 1990er-Jahre wollte DRS 1 ein jüngeres Publikum ansprechen. Damit die ältere Generation nicht verloren ging, entstand DRS Musigwälle 531 – mit moderatem Musikprogramm und Nachrichten. Das Jahresbudget: gerade einmal rund 500’000 Franken.
Bescheidene Anfänge
Am 1. Oktober 1996 ging die SRF Musikwelle auf der Mittelwellenfrequenz des ehemaligen Radio Beromünster auf Sendung. Die Tonqualität war entsprechend bescheiden, auch das Team klein: Live wurde zunächst nur zwei Stunden täglich gesendet, der Rest war aufgezeichnet.
Gleich mehrfach Pioniere
Technologisch war die Musikwelle ihrer Zeit voraus: Als erstes DRS-Radio spielte sie sämtliche Musik per Computer ab. Dafür mussten zunächst alle Tonträger digitalisiert werden.
Später war sie der erste Sender von SRF, der vollständig auf DAB+ umstellte. Auch beim Umzug vom Radiostudio Brunnenhof in Zürich nach Leutschenbach schrieb die Musikwelle Radiogeschichte: Sie war der erste Sender, der dort auf Sendung ging.
Heute etabliert
Aus dem kleinen Sender ist ein fester Bestandteil der Schweizer Radiolandschaft geworden. Heute erreicht SRF Musikwelle schweizweit rund 280’000 Hörerinnen und Hörer. Gesendet wird rund um die Uhr – von 6 bis 18 Uhr und teilweise darüber hinaus live moderiert.
Auch die Schaltung zur Nachrichtenredaktion in Bern verlief nicht immer reibungslos. Vergass der Sprecher, nach den News einen bestimmten Knopf zu drücken, herrschte auf der Musikwelle Totenstille. «Ich raste mehrmals mit dem Auto ins Studio, um den Sender wieder zum Laufen zu bringen», erinnert sich Speck.
Die Reaktionen der Hörerinnen und Hörer waren von Anfang an wohlwollend und dankbar. Kolleginnen und Kollegen anderer Sender bemerkten nicht neidlos: «Niemand von uns erhält so viele Geschenke wie ihr!» Damit hatten sie nicht unrecht. Das Musikwelle-Team wurde regelrecht mit Schokolade und Handarbeiten überschüttet.
Erinnerungen
Auch Thomas Wild zählt zu den Musikwelle-Pionieren. Davor stand er über Jahre als Schlagzeuger mit Polo Hofer auf der Konzertbühne.
Für mich ist ein Hansi Hinterseer genauso wichtig wie Linkin Park.
Volks- und Unterhaltungsmusik waren für ihn musikalisches Neuland: «Ich konnte damit nicht wirklich etwas anfangen. Es war mir aber bewusst, dass wir damit vielen Menschen Freude bereiten können. Schlechte Musik gibt es nicht, es gibt nur schlecht gespielte Musik. Für mich ist ein Hansi Hinterseer genauso wichtig wie Linkin Park.»
Auch bekundete er gelegentlich Mühe mit der digitalen Technik: Als Musikredaktor speicherte er Musik von physischen Tonträgern akribisch genau auf einer Festplatte ab. Eines Tages wählte er «delete» statt «reset» und löschte damit auf einen Schlag das Ergebnis monatelanger Arbeit.
Nachdem ich aus Versehen die Festplatte gelöscht hatte, mussten wir von Hand CDs und Platten auflegen.
Ein Schockmoment: «Ich war patschnass! Gott sei Dank hatten wir eine Sicherungskopie, die allerdings wieder mühsam und zeitintensiv heruntergeladen werden musste. Bis dann mussten wir wieder von Hand CDs und Schallplatten auflegen.»
Sprung von der Vergangenheit in die Gegenwart
Mittlerweile besteht das Musikwelle-Team aus über 25 engagierten Radiomacherinnen und -machern. Neuester Zugang ist Moderatorin Sabrina Lehmann. Sie arbeitete ursprünglich im Team des Konsumentenmagazins «Espresso» fürs Schweizer Radio.
Bernhard Siegmann
Publizistischer Leiter SRF Musikwelle
SRF/Gian Vaitl
«Für mich war einer der bewegendsten Momente im Mai 2012, als wir das Programm der SRF Musikwelle zu einem moderierten Tagesprogramm von 6 bis 19 Uhr ausbauten. Seither ging es über all die Jahre konsequent aufwärts – wir konnten unseren Marktanteil Jahr für Jahr in kleinen Schritten erhöhen.»
Treue Hörerschaft
«Wir bekommen so viel Feedback von unseren treuen Hörerinnen und Hörern – sei es per Mail oder mit kleinen Geschenken ans ganze Team. Wir haben in gewissen Monaten immer was zum Naschen, vor allem zu Weihnachten werden wir regelrecht mit Guetzli und Schokolade überhäuft.»
Der Spirit ist unverändert
«Ich war ja auch kurz nach dem Start schon mal als junger Moderator kurz bei der damaligen «Musigwälle 531», dann bin ich als Leiter 2011 zur «SRF Musikwelle» zurückgekehrt. Ich bin stolz auf das kleine, hochmotivierte Team, das wirklich jeden Tag mit viel Herzblut und Engagement dafür sorgt, dass unser Programm unsere Hörerinnen und Hörer glücklich macht. Und dieser Spirit hat sich über all die Jahre nicht geändert.»
«Vielleicht ist jetzt alles ein wenig gemächlicher. Man will die Menschen in ihrem Alltag abholen und ihnen gute Stimmung vermitteln. Wir hören den Menschen zu, bleiben echt und erleben dadurch auch manchmal sehr emotionale Momente.»
Vor allem aber schwärmt sie vom Musikwelle-Publikum: «Unser Publikum ist einfach das beste! Da gibt es so viele Menschen, die morgens einschalten und erst vor dem Zubettgehen wieder ausschalten. Viele hören nicht einfach nebenher Radio, sondern sind ganz aktiv dabei. Wenn es ein Sender schafft, nach über dreissig Jahren so gefragt zu sein – was will man mehr!»
Radio SRF Musikwelle, «SRF Musikwelle Brunch», 27.9.2026, 11 Uhr ; daue;brus