500 Kinder und Erwachsene bei Kidical Mass in Frankfurt: Wenn die Straße dem Rad gehört
StartseiteFrankfurtDornbuschStand: 23.08.2026, 19:10 UhrKommentareUns auf Google folgenFür so manches Kind auf dem Fahrrad war das durchgängige Fahren auf der Straße während der Kidical Mass ein neues Erlebnis....
- 3 min read
Stand: 23.08.2026, 19:10 Uhr
Kommentare

Rund 500 Teilnehmer radeln bei der 20. Kidical Mass vom Goetheplatz aus durch Frankfurt. Die Verantwortlichen fordern, dass die Stadt noch fahrradfreundlicher wird.
Hunderte Räder setzen sich schlagartig in Bewegung. Vom Laufrad über Kinderfahrrad und Liegerad bis zum Lastenrad und Rennrad. Musik schallt aus Boxen, vereinzelt wird gepfiffen oder geklingelt. Die Lenker sind geschmückt mit bunten Bändern. Dazu gibt es an vielen Fahrrädern Fähnchen mit Aufschriften wie „Ich will sicher zur Schule“ oder „Heute gehört die Straße uns“. Ein Fahrer ist als Biene verkleidet. Es ist die 20. Auflage der Kidical Mass, bei der am Sonntagnachmittag vom Goetheplatz in Frankfurt rund 500 Teilnehmende starten. Ziel ist nach einer etwa fünf Kilometer langen Strecke die Mierendorffstraße im Dornbusch.

Für die Verantwortlichen ist es ein kleiner Meilenstein, nun die Zwanzig vollzuhaben. 2019 gab es die erste Auflage, seitdem hat sich vieles getan. Doch nicht alles ist besser geworden. Norbert Szep ist einer der Initiatoren des Radentscheids, aus dem die Kidical Mass entstand. Er beklagt, dass sich die Sicherheit für Kinder im Verkehr deutschlandweit verschlechtert habe. „Alle 18 Minuten wurde im letzten Jahr ein Kind im Straßenverkehr verletzt oder getötet“, sagt Szep. Auch die Zahl der verletzten Menschen auf Rädern oder Rollern sei gestiegen. Schulen seien Unfallschwerpunkte und zu dichtes Überholen oft Unfallgrund.
Zwar habe sich die Situation in Frankfurt für Radfahrer:innen verbessert. Aber man sei noch lange nicht da, wo man hinwolle. Szep plädiert für mehr Schulstraßen (während der Bring- und Abholzeiten für Autos gesperrt), mehr vom Autoverkehr getrennte Radwege, eine Förderung des „Bici-Bus“, bei dem mehrere Kinder und Begleitpersonen einen Fahrradverbund für die Fahrt zur Schule bilden, und ein flächendeckendes Tempo 30 in der Stadt. Nun liege die Hoffnung der Initiative auf dem designierten Verkehrsdezernenten Yannick Schwander (CDU) und darauf, dass dieser die Situation für Radfahrende in Frankfurt weiter verbessere. „Eine Straße, auf der ein achtjähriges Kind sicher fahren kann, ist für alle gut“, ist Szep überzeugt.
Auch Maike Lincke ist noch nicht zufrieden mit der Situation für Radfahrende in Frankfurt. Die Frankfurterin macht mit ihrem Mann und den zwei Kindern zum ersten Mal bei der Kidical Mass mit. Sie bestätigt aber, dass sich in der Stadt schon viel getan habe, um diese fahrradfreundlicher zu machen. Sie sei viel mit dem Rad unterwegs und sie lobt die Lösung im Oeder Weg, die eine Verbesserung zu früher sei.
Sebastian Kuhn ist mit seinem fünfjährigen Sohn Emil zum zweiten Mal dabei und wäre „gern noch öfter“ gekommen. „Es macht viel Spaß“, versichert er und lobt das Erlebnis als ganz toll. Allerdings sei es auch schwer, aus Bornheim sicher an den Goetheplatz zu kommen, wenn ein Fünfjähriger mitfahre. So müsse man öfter mal im Zickzack fahren. Kuhn freut sich, dass in den vergangenen Jahren viele neue Radwege entstanden sind. Diese müssten nun nur noch besser miteinander verbunden sein. Er selbst habe einige Zeit in Kopenhagen (Dänemark) gelebt, wo das Fahrrad deutlich priorisiert werde.
Hannah Rosenfeld ist es wichtig, dass man in der Stadt gut mit dem Rad fahren kann. Die Frankfurterin ist mit ihrer Familie zum dritten Mal dabei und sagt: „Es ist toll für die Kinder, mal auf der Straße mitfahren zu können.“ Die Kleinen spürten, dass es etwas Gemeinschaftliches sei, und schafften dann auch eine so große Strecke. Rosenfelds Mann kommt aus Amsterdam und daher wisse sie, was man in Deutschland noch erreichen müsse. Sie wünsche sich Tempo 30 in der Stadt, Vorfahrt für Radfahrer:innen und Radwege, die mit einer Erhebung zur Straße abgegrenzt sind.