500 Tonnen Giftboden: Neustart für Straße „Am Allerufer“
Unter der geplanten Straße Am Allerufer in Verden schlummern krebserregende Stoffe im Erdreich. Ende September soll der verseuchte Boden per Lastwagen direkt auf die Deponie gebracht werden.
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Stand: 17.09.2026, 19:00 Uhr
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Unter der geplanten Straße „Am Allerufer“ in Verden schlummern krebserregende Stoffe im Erdreich. Ende September soll der verseuchte Boden per Lastwagen direkt auf die Deponie gebracht werden.
Verden – Ab und an frischt der Wind auf, fegt eine kräftige Böe über das Gelände, verfängt sich in der Schlucht zwischen den beiden eckigen Gebäuden, treibt eine Staubwolke aus trockenem Sand vor sich her. Endlich ein wenig Bewegung auf der ansonsten verwaisten Baustelle der Straße „Am Allerufer“ und über dem, was da im Boden schlummert. Doch nun scheint nach circa einem halben Jahr ein Ende der erzwungenen Tatenlosigkeit in Sicht. „Der verseuchte Boden kommt komplett raus“, erklärt Stephanie Weber von der Stadt Verden. Eine, weil aufwändig und tonnenschwer, Mammutaufgabe, die, wenn auch mühsam, dem Projekt neuen Schwung verleiht. Start soll laut Verwaltung Ende September sein.

Hüfthoch wuchert Unkraut, wo längst Autos über die Straße fahren sollten. Noch ein wenig warten, dann würde vielleicht ordentlich Gras über das Ärgernis wachsen. Soll nicht sein, weil damit ein lang geplantes Projekt zu Grabe getragen würde. Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) nennt der Chemiker das, was den Straßenbau an der Stelle ausbremst. „Diese Stoffe stecken in großen Mengen im Teer“, sagt Stephanie Weber. Und die chemische Analyse sagt noch mehr: Das Zeug ist giftig und krebserregend.
Wer den Boden anfasst, an Ort und Stelle neu bauen will, der muss das Erdreich entsorgen. Daran führt kein Weg vorbei. Was und in welcher Form abgefahren werden muss, dafür holte sich die Stadt in enger Abstimmung mit der zuständigen Behörde für Wasser, Abfall und Naturschutz des Landkreises Rat von einem Fachbüro. Neben dem Einmündungsbereich zogen die Ingenieure auf der gesamten Fläche bis tief ins Erdreich Proben. Das Protokoll der Expertise las sich niederschmetternd: Auf einer Strecke von 25 Metern und einer Tiefe von bis zu zwei Metern muss der Boden komplett raus. Circa 500 Tonnen, die ohne Zwischenstopp direkt per Lastwagen auf der Deponie und im Sondermüll landen. Gebaggert wird laut Verwaltung so lange, bis auch die letzten PAK-Tests negativ ausfallen. Die Baustelle bleibt dazu komplett abgeriegelt. Eine Gefahr für die Umgebung bestehe laut Verwaltung zwar nicht, dennoch sollten während der Arbeiten die Fenster geschlossen bleiben. „Wir werden dazu aber noch mit den Anliegern das Gespräch suchen“, sagt Weber.
Die Ursachen für das verseuchte Erdreich liegen Jahrzehnte zurück. Bis in die 1960er-Jahre stand auf dem Gelände das Gaswerk der Stadtwerke. Aus Koks wurde in den Öfen Leuchtgas, mit den Abfällen nahmen es die Verantwortlichen wohl nicht so genau. Zwar sei nach Neu- und Umbauten schon damals ein Teil des Sondermülls entsorgt worden, weiß Stephanie Weber. Auch vor Beginn der laufenden Baumaßnahme hätten Bohrungen stattgefunden. Doch die jetzt in der Menge und Tiefe gefundenen Rückstände seien erst bei den nachfolgenden Grabungen ans Licht gekommen.
Auf circa 400.000 Euro bezifferten sich zu Beginn des Projektes die geschätzten Kosten des Straßenneubaus. Die ursprünglichen Planungen sehen vor, die Straße „Am Allerufer“ von der Aller parallel zur Staatsanwaltschaft leicht angehoben in Richtung Parkpalette verlaufen zu lassen. Mit der Neugestaltung wäre die Behörde barrierefrei erreichbar und zugleich die Stadt sicher vor Hochwasser.
Die aufwendige Entsorgung und der Austausch des Bodens sowie die Suche nach neuen Lösungen für den Verlauf von Versorgungsleitungen lassen aktuell eine zuverlässige Schlussrechnung des Projektes nicht zu. Der Probleme schon genug, macht die Beschaffenheit des Geländes dem Bauherrn zusätzliche Sorgen. Massive Betonsockel im Einmündungsbereich sind im Weg. Wann das erste Fahrzeug über die Straße rollen wird, auch dazu mochte sich die Verwaltung verbindlich nicht äußern.