6.000 Jahre altes Geheimnis: Die mysteriösen Schädel vom Ribble Valley

KI-Stimme. InfoBeim Bau des Alber-Edward-Dock im britischen Preston vor mehr als 140 Jahren machten Hafenarbeiter einen ungewöhnlichen Fund: Menschliche Schädel lagen gemeinsam mit den Überresten prähistorische...

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6.000 Jahre altes Geheimnis: Die mysteriösen Schädel vom Ribble Valley

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Beim Bau des Alber-Edward-Dock im britischen Preston vor mehr als 140 Jahren machten Hafenarbeiter einen ungewöhnlichen Fund: Menschliche Schädel lagen gemeinsam mit den Überresten prähistorischer Tiere im Boden.

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Über lange Zeit nährten diese Funde die Vermutung, dass es sich um die Spuren eines prähistorischen Massakers handeln könnte. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen widersprechen dieser Annahme jedoch und liefern eine andere Erklärung für die ungewöhnliche Fundstelle.

Neue Datierung der Schädel überrascht Forscher

Das Albert-Edward-Dock, das 1892 offiziell eröffnet wurde, gilt als eindrucksvolles Zeugnis viktorianischer Ingenieurskunst. Zugleich ist seine Entstehung mit einem ungewöhnlichen archäologischen Fund verbunden: Während der Bauarbeiten wurden 23 menschliche Schädel entdeckt, die bereits damals zahlreiche Spekulationen auslösten. Frühere Untersuchungen ordneten die Überreste der Bronzezeit zu und gingen davon aus, dass die Menschen einst am Ufer des Ribble gelebt hatten.

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Eine neuere Studie, bei der die Schädel mithilfe der Radiokarbondatierung untersucht wurden und über die die BBC berichtete, zeichnet jedoch ein deutlich komplexeres Bild. Die Überreste stammen demnach aus verschiedenen Epochen, die vom Neolithikum bis in das frühe Mittelalter reichen. Wissenschaftler der University of Lancashire und der Liverpool John Moores University stellten fest, dass die untersuchten Schädel zwischen etwa 1000 und 6000 Jahre alt sind.

Zu den ältesten Funden gehört der Schädel eines Mannes, der zwischen 3520 und 3330 v. Chr. lebte und zum Zeitpunkt seines Todes etwa 40 Jahre alt war. Ebenfalls in diese frühe Zeit fällt der Schädel einer Frau, deren Lebenszeit auf einen Zeitraum zwischen 3820 und 3640 v. Chr. eingegrenzt werden konnte.

Anzeichen von Gewalt: Frau stirbt durch einen Schwerthieb

Der über mehrere Jahrtausende reichende zeitliche Rahmen der Funde erlaubt es den Forschern, ein einzelnes Ereignis wie ein Massaker als gemeinsame Ursache der Todesfälle weitgehend auszuschließen. Besonders bemerkenswert ist dabei der Schädel einer Frau, die vermutlich zwischen 400 und 700 n. Chr. lebte. Emma Heslewood, die von 2000 bis 2014 als Kuratorin im Museum „The Harris“ tätig war, zeigt sich von diesem außergewöhnlichen historischen Fall besonders beeindruckt.

„Unter den Funden befand sich auch der Schädel einer angelsächsischen Frau. Noch bemerkenswerter waren die eindeutigen Hinweise auf einen gewaltsamen Tod. Sie starb vermutlich infolge eines Schlags gegen den Hinterkopf sowie eines Schwerthiebs, der ihr Gesicht traf und bis in die Augenhöhle reichte“, berichtet Heslewood gegenüber der BBC.

Wie kamen diese unterschiedlichen Schädel an eine Fundstelle?

Eine zentrale Frage bleibt jedoch weiterhin offen: Wie gelangten menschliche Überreste, die aus derart unterschiedlichen Epochen stammen, an ein und denselben Fundort? Die Wissenschaftler vermuten, dass die Schädel zu unterschiedlichen Zeiten und möglicherweise an verschiedenen Stellen in den Fluss gelangten. Anschließend könnten sie mit der Strömung flussabwärts transportiert worden sein, bevor sie sich an einer Stelle ablagerten, an der die Strömung deutlich langsamer war.

Neben den menschlichen Überresten bargen die Hafenarbeiter zahlreiche weitere bemerkenswerte Funde. Dazu gehörten Schädel von Auerochsen, einer inzwischen in Europa ausgestorbenen Rinderart, Hirschgeweihe sowie zwei Einbaumkanus. Die Boote wurden durch das Aushöhlen von Baumstämmen gefertigt und stammen ursprünglich aus prähistorischer Zeit. Mindestens eines der Kanus könnte jedoch noch bis ins Mittelalter hinein genutzt worden sein.

Insgesamt werden mehr als 1000 Artefakte mit dem Preston Dock und seiner Umgebung in Verbindung gebracht. Weitere DNA-Untersuchungen und archäologische Forschungsarbeiten sollen dazu beitragen, die Herkunft der menschlichen Überreste genauer zu bestimmen und zusätzliche Erkenntnisse über die Lebensumstände und Schicksale der Menschen zu gewinnen, deren Schädel vor mehr als einem Jahrhundert an diesem ungewöhnlichen Fundort entdeckt wurden.