Musk postete „Selbstmord“ Europas – Ceuta enthüllt Trumps globale Strategie gegen die EU
StartseitePolitik60.000 Migranten – auch als Rache: Ein US-Dokument gibt Hinweise auf Trumps Rolle in der Ceuta-KriseStand: 05.08.2026, 13:19 UhrKommentareUns auf Google folgenWas steckt wirklich hinter dem Ans...
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60.000 Migranten – auch als Rache: Ein US-Dokument gibt Hinweise auf Trumps Rolle in der Ceuta-Krise
Stand: 05.08.2026, 13:19 Uhr
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Was steckt wirklich hinter dem Ansturm auf Ceuta? Marokkos Grenzer und ein US-Bericht rücken in den Mittelpunkt. Die Spur führt zu den Gegnern der EU. Eine Analyse.
Täglich kommen weitere Erkenntnisse zu den Ereignissen von Ceuta ans Licht. Anfangs war noch die Rede davon, dass die schwimmend in die spanische Exklave Flüchtenden eine Anordnung eines spanischen Gerichts ausnutzten, wonach zu Wasser ankommende Menschen nicht zurückgeschickt werden dürfen. Doch dieser Richterspruch war zum Zeitpunkt der Ankunft der rund 60.000 Menschen bereits einen knappen Monat alt. Warum kamen die Menschen also erst so spät, wenn schon seit Wochen angeblich eine rechtliche Möglichkeit bestand? Als Grund, warum die marokkanische Regierung die Menschenmasse in Bewegung gesetzt haben könnte, wurden neben den marokkanischen Grenzern, die dabei gefilmt wurden, wie sie Menschen einfach Richtung Grenze durchgewinkt haben, auch eine Annäherung Spaniens an Algerien, einen Rivalen Marokkos, vermutet.

Der tiefere Grund für diese Annahme liegt in der Westsahara, die Marokko seit Mitte der siebziger Jahre besetzt hält. Zuvor herrschte Spanien als Kolonialherr über dieses Gebiet. Algerien soll eine Guerilla-Truppe unterstützen, die seit 1973 zuerst gegen die spanische und dann gegen die marokkanische Besatzung kämpft. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass Rabat gegen die beiden spanischen Enklaven Ceuta und Melilla als Produkt spanischen Kolonialismus wettert und gleichzeitig selbst als Besatzer auftritt.
Ceuta-Krise und Trumps Rache: Wie die USA Spanien mit 60.000 Migranten unter Druck setzen
Was aber letztlich in den Tagen nach der konzertierten Massenflucht ans Licht kam, war die Rolle, die die Vereinigten Staaten dabei spielten. Das von Trumps Republikanern dominierte US-Repräsentantenhaus nannte in einem Bericht, der am 15. Juli verabschiedet wurde, Ceuta und Melilla „marokkanisches Territorium unter spanischer Verwaltung“. Damit setzte Donald Trump Spaniens Ministerpräsidenten Pedro Sanchez bewusst unter Druck als Vergeltung für dessen politische Haltung und ermutigte, so sehen es Beobachter, Rabat zu dem Schritt, Geflüchtete nach Ceuta zu schicken.
Pedro Sanchez lehnt Trumps Krieg gegen den Iran ab und hat den USA die Nutzung ihrer Militärbasen in dem Land für die Kriegsführung am Persischen Golf untersagt. Außerdem nennt die Regierung Sanchez Israels Treiben in Gaza einen Völkermord. Die USA sind der engste Verbündete Israels. Sie führen, trotz sichtbar unterschiedlicher Interessen in der Region, den Krieg am Golf und im Libanon gemeinsam. Marokko hat das Kriegstreiben Trumps im Nahen Osten und am Persischen Golf unterstützt und der US-Marine erlaubt, ihren Seehafen in Tanger zu nutzen. Außerdem ließ der König von Marokko eine Autobahn, die über rund tausend Kilometer an der Küste durch die besetzte Westsahara führt, in „Trump-Autobahn“ umbenennen.
Die Rache an Spanien und seiner Regierung ist allerdings nur einer der Gründe, warum die USA Marokko in ihrem Haushaltsbericht vom Juli einen Freifahrtschein geboten haben. Der Tech-Milliardär und Trump-Unterstützer Elon Musk postete auf seiner Social-Media-Plattform X, dass Europa aufgrund vermeintlich offener Grenzen und einer unmöglichen Einwanderungspolitik „Selbstmord“ begehe. Nicht zum ersten Mal nutzte Musk seine Macht, um rechtsradikale Parteien in Europa zu unterstützen. Um den Bundestagswahlkampf der AfD zu befeuern, ließ Musk sich am 25. Januar zum AfD-Wahlauftakt in Halle an der Saale zuschalten und parlierte mit Parteichefin Alice Weidel. Der fünfminütigen Schalte war Anfang Januar bereits ein 75-minütiges Gespräch zwischen den beiden vorausgegangen.
Wenig später, am 14. Februar 2025, schockierte US-Vizepräsident JD Vance seine Zuhörer auf der Münchener Sicherheitskonferenz, als er behauptete, rechtsextreme Meinungen würden in Europa zensiert. Die US-Regierung hofiert offen rechte Politiker weltweit: vom mittlerweile abgewählten Viktor Orbán in Ungarn bis zum rechts-libertären Javier Milei in Argentinien. Die treuen Partner der Vereinigten Staaten, von Japan bis Deutschland, müssen hingegen Herabwürdigungen über sich ergehen lassen. Trump und seine Strategen wollen eine globale Rechte aufbauen.
AfD-Grafik kursierte nach Ceuta – sie verschwieg wichtige Fakten, um Menschen in Furcht zu versetzen
Der Ansturm auf Ceuta sollte im Sinne dieser Strategie den rechtsradikalen Parteien Europas dienen, allen voran der AfD, die vor den Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin die Umfragen anführt. Nach Ankunft der Flüchtenden in Ceuta verbreitete sich im AfD-Umfeld eine Grafik, die einen imaginierten Fußweg von Ceuta an die deutsche Grenze zeichnete und behauptete, dass die 60.000 Menschen in rund 40 Stunden in Deutschland ankommen würden. Dass Ceuta nicht zum Schengenraum gehört und die Menschen erst einmal irgendwie vom afrikanischen auf den europäischen Kontinent gelangen müssten – es wurde bewusst verschwiegen, um die Menschen in Furcht zu versetzen vor einem Ansturm von Männern aus Afrika.
Es geht Washington also nicht nur um eine Rache an Spanien, sondern auch um eine generelle Schwächung und letztlich Spaltung der EU. Die US-amerikanischen „Tech-Bros“, zu denen auch Elon Musk gehört, wollen den Zerfall der Europäischen Union, weil dieser wichtige, reiche Markt ihre Produkte reguliert und einem enthemmten Kapitalismus à la Silicon Valley Einhalt gebieten will. Am 23. Juli verhängte die EU-Kommission eine Strafe in Höhe von einer Milliarde US-Dollar gegen Alphabet, die Muttergesellschaft von Google, wegen Verstößen gegen das europäische Wettbewerbsrecht. Im Jahr 2025 musste Apple 500 Millionen und Meta 200 Millionen Euro Strafe zahlen, ebenfalls wegen Verstößen gegen das Wettbewerbsrecht. In den Konzernzentralen ist man darüber nicht begeistert.
Eine geschwächte EU, das Ende ihres gemeinsamen Marktes, würde den US-Konzernen mehr Macht über die Nutzer in den einzelnen Mitgliedstaaten verleihen. Um diese Ziele durchzusetzen, hat sich die Trump-Regierung dieses Mal Marokkos bedient. Es dürfte jedoch nicht das letzte Mal gewesen sein, dass die Vereinigten Staaten von Amerika, de jure eigentlich ein Bündnispartner Europas, zu einem Schlag gegen den Kontinent ausholen.