Kehrichtverwertung: In Zuchwil wird aus Abfall Gold gemacht

600-Millionen-Projekt 250'000 Tonnen Abfall werden in Zuchwil zu Strom und Wärme Im solothurnischen Zuchwil eröffnet eine der grössten Kehrichtverbrennungsan...

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Kehrichtverwertung: In Zuchwil wird aus Abfall Gold gemacht

600-Millionen-Projekt 250'000 Tonnen Abfall werden in Zuchwil zu Strom und Wärme

Im solothurnischen Zuchwil eröffnet eine der grössten Kehrichtverbrennungsanlagen der Schweiz. So funktioniert sie.

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Warum ist die neue Kehrichtverbrennungsanlage speziell? Die Anlage der Kenova in Zuchwil SO gehört kapazitätsmässig zu den grössten Anlagen der Schweiz und ist aktuell die modernste ihrer Art. Jedes Jahr können hier bis zu 265'000 Tonnen Abfall verbrannt werden. Neu sind nur noch zwei statt vier Verbrennungslinien in Betrieb. Weil sie breiter und leistungsfähiger sind, braucht die Anlage weniger Energie für den Betrieb. Gleichzeitig wird aus dem Abfall mehr Energie gewonnen: Die Stromproduktion liegt rund 15 Prozent höher als in der alten Anlage.

Blick aus dem Fenster auf eine Industrielandschaft mit einem Fluss und Bergen im Hintergrund.
Legende:

Blick aus dem Fenster: Die neue KVA im solothurnischen Zuchwil hat 600 Millionen Franken gekostet. Sie ist eine der grössten der Schweiz.

SRF/Alex Moser

Warum braucht es eine neue Anlage? Die Kehrichtverwertungsanlage ging 1990 in Betrieb. Mit den Jahren kam es auch häufiger zu unerwarteten Anlageausfällen. Diese hatten teure Betriebsunterbrüche und Engpässe in der Entsorgung zur Folge. Mit dem Neubau soll die Entsorgung langfristig sichergestellt werden. Solche Anlagen brauche es in der Schweiz mehr denn je, findet Kenova-Geschäftsführer Friedrich Studer: «Abfall ist ein Symptom des Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstums.»

Teilweise abgerissenes Industriegebäude mit Baumaschinen im Vordergrund.
Legende:

Die alte Kehrichtverbrennungsanlage hat ausgedient. Der Rückbau ist noch nicht abgeschlossen.

SRF/Alex Moser

Wie viel Abfall verbrennt die Hightech-Anlage? Der Neubau kostete knapp 600 Millionen Franken. Die Anlage verarbeitet die Abfälle aus knapp 180 Gemeinden der Kantone Bern und Solothurn. Jährlich werden mehr als 220'000 Tonnen Abfälle verbrannt. Das sind täglich über 600 Tonnen – so viel, wie wenn zwei grosse Einfamilienhäuser vollständig mit Abfall gefüllt wären. Mit der Verbrennung produziert die Kenova jährlich 160 Gigawattstunden Strom. Damit können über 50'000 Haushalte versorgt werden.

Wie wird aus Abfall Strom erzeugt? Der Abfall wird im Ofen bei 1000 Grad verbrannt. Hinter den Ofenwänden wird dadurch Wasser erhitzt und es verdampft. Dieser Dampf treibt die Turbinen an, welche Strom erzeugen. So produziert die Anlage jedes Jahr 160 Gigawattstunden Strom. Damit kann die Kenova 50'000 bis 60'000 Haushalte in der Region versorgen.

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  • Bild 1 von 5. In Zuchwil landet der Abfall aus 176 Gemeinden der Kantone Bern und Solothurn.

    Bildquelle: SRF/Alex Moser.

    Lastwagen entlädt Ladung in ein grosses Gebäude; Person in gelbem Hemd daneben.
  • Bild 2 von 5. Stahlträger, Wasserrohre, Boiler – in der Verbrennungsanlage landet nicht nur Hauskehrricht.

    Bildquelle: SRF/Alex Moser.

    Abfallentsorgungsanlage mit Müllhaufen in einem grossen Raum.
  • Bild 3 von 5. Die Greifarme in der Kehrichtverwertungsanlage in Zuchwil können acht bis neun Tonnen Abfall auf einmal heben. Ein Arm ist so stark, dass er locker eine ganze Badewanne oder einen Boiler greifen kann.

    Bildquelle: SRF/Alex Moser.

    Metallgreifer mit Müll in industrieller Umgebung.
  • Bild 4 von 5. Kranführer Matthias Schäfer bei der Arbeit: «Bei dem Staub sieht man kaum was. Manchmal fährt man fast blind, da muss man wissen, was man macht.».

    Bildquelle: SRF/Alex Moser.

    Eine Person steuert schwere Maschinen in einer Kabine.
  • Bild 5 von 5. Hier brennt der Kehrricht bei 1000 Grad, einsehbar durch ein kleines, sehr dichtes Fenster.

    Bildquelle: SRF/Alex Moser.

    Blick in einen hell leuchtenden Ofen oder Feuerraum mit Flammen.

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Wie funktioniert die Fernwärmeversorgung? Die Wärme aus der Abfallverbrennung wird nicht nur zur Stromproduktion genutzt, sondern auch zum Heizen. Das Wasser in den Rohren der Kehrichtverwertungsanlage wird mit Dampf aus der Abfallverbrennung auf 120°C aufgeheizt und fliesst über Leitungen in die Heizsysteme von Häusern, Firmen oder Schulen. So werden jährlich acht Millionen Liter Heizöl oder über 20'000 Tonnen CO₂ eingespart. Wenn das Wasser zur Kenova zurückkommt, ist es auf rund 60 °C abgekühlt. Dort wird es erneut aufgeheizt und in den Kreislauf zurückgeführt.

Industriell anmutende Brücke und Rohre in grüner Umgebung.
Legende:

Fernwärmeleitung: 5300 Einfamilienhäuser werden in der Region Zuchwil mit Fernwärme aus erneuerbaren Energien versorgt.

Keystone/Gaetan Bally

Was passiert mit der Schlacke? Nicht alles im Abfall, kann verbrannt werden. Übrig bleibt in Zuchwil Trockenschlacke. Diese wird in die Recyclinganlage nach Hinwil ZH geliefert. Dort werden unter anderem jährlich rund 100 Kilogramm Gold zurückgewonnen. «Es ist unsere Pflicht, sicherzustellen, dass wir möglichst viele Wertstoffe aus der Schlacke herausbekommen», betont Friedrich Studer, Geschäftsführer der Kenova. Auch andere Wertstoffe werden aus der Schlacke gewonnen und wiederverwertet.

Modernes Gebäude mit Solarpanels und blauen Himmel.
Legende:

Nicht nur mit der Verbrennung von Abfall, sondern auch mit der Fassade aus Solarpanels produziert die KVA in Zuchwil Strom.

Keystone/Gaetan Bally

Wie hoch sind die Sicherheitsvorkehrungen? Immer wieder kommt es in Recyclingzentren oder Kehrichtverwertungsanlagen zu Bränden. Gerade Akkus sind dabei eine häufige Brandursache. Im sogenannten Bunker lagern in Zuchwil bis zu 12'000 Tonnen Abfall auf einmal. Darum habe man diverse Löschsysteme eingebaut, erklärt der Geschäftsführer der Kenova, Friedrich Studer. «Wir haben schweizweit einen der sichersten Bunker.»

Müll-Sünder mit künstlicher Intelligenz erkennen

Box aufklappen Box zuklappen

Nahaufnahme einer Überwachungskamera an einer Wand.
Legende:

Eine Kamera scannt den Abfall nach Wärmenestern. So sollen potenzielle Brandherde entdeckt werden.

SRF/Reto Widmer

Ein grosses Problem für Müllverbrennungsanlagen sind Stoffe, die nicht in den Müll gehören, zum Beispiel Badewannen, Elektrogeräte mit Akkus oder Lachgaspatronen. Sie können im Bunker gefährliche Brände auslösen und in den Öfen das Feuer negativ beeinflussen.

Schon heute scannen Kameras bei Kenova den Müll im Bunker zentimetergenau, um Wärme-Nester zu entdecken. Mit einer Bilderkennungs-Software soll es bald auch möglich sein, Fremdstoffe zu erkennen, um diese rechtzeitig herauszufischen und einem Müllwagen zuzuordnen. Die Hoffnung dahinter ist, dass die Disziplin der Lieferanten zunimmt und sie heikle Stoffe vermehrt selber aussortieren und gar nicht erst in den Bunker kippen.

Regionaljournal Aargau Solothurn, 18.8.2026, 17.30 Uhr ;  hubf;buec;stes;liea